Unterschätzte Vielfalt: Neues Naturschutzprojekt stärkt Bayerns Pilze
LBV, BMG und Universität Bayreuth forschen gemeinsam zu Pilzen auf Wiesen, Weiden und Feuchtgebieten
Steinpilz, Fliegenpilz und Champignon: An diese Arten denken die meisten, wenn es um Pilze geht. Doch das Reich der verborgenen Spezialisten ist viel größer und noch weitgehend unerforscht. Das soll sich jetzt ändern: Der LBV und die Bayerische Mykologische Gesellschaft (BMG) starten gemeinsam mit der Universität Bayreuth das neue Projekt „Pilzartenschutz in Bayern – mit Schwerpunkt Offenlandlebensräume und Feuchtgebiete“.
Ziel des vierjährigen Projekts ist es, das Bewusstsein für den Schutz der Pilze zu stärken und ihre Vielfalt insbesondere auf Wiesen, Weiden und Feuchtgebieten im Freistaat gezielt zu fördern. Auf einer LBV-Fläche in Bad Staffelstein hat Bayerns Umweltminister und Stiftungsratsvorsitzender des Bayerischen Naturschutzfonds Thorsten Glauber den Förderscheck des Bayerischen Naturschutzfonds überreicht und damit den offiziellen Startschuss für das bayernweit einzigartige Vorhaben gegeben.
Pilzvielfalt im Offenland
Pilze gehören zu den am stärksten unterschätzten Organismengruppen der Natur und bilden neben Tieren und Pflanzen ein eigenes Reich. Obwohl sie Böden aufbauen, Nährstoffkreisläufe antreiben und ganze Lebensgemeinschaften stabilisieren, finden sie im Naturschutz bislang wenig Beachtung – besonders im Offenland, wo sie wertvolle Hinweise auf den Zustand artenreicher Wiesen und Feuchtgebiete liefern. Das Projekt rückt die Pilzvielfalt dieser Lebensräume erstmals gezielt ins Zentrum: „Beim Thema Pilze schaut alles in den Wald. Wir schauen dorthin, wo kaum jemand hinsieht: auf die Wiesenpilze. Diese ökologisch hochsensible Artengruppe wurde bislang kaum erfasst“, sagt LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer.
Glauber betonte: „Pilze sind die heimlichen Stars der Biodiversität. Sie wirken eher im Hintergrund, sind aber unentbehrlich für vitale Ökosysteme. Mit unserem bayernweiten Vorzeigeprojekt holen wir die Pilze ins Scheinwerferlicht. Naturschutz, Ehrenamt und Forschung ziehen dabei an einem Strang. Der Bayerische Naturschutzfonds fördert das Projekt vier Jahre lang mit insgesamt rund 764.000 Euro und setzt damit neue Maßstäbe im Arten- und Lebensraumschutz. Ziel ist, Pilze im Offenland noch besser zu schützen. So stärken wir Bayerns einzigartige Natur."
Farbenprächtige Pilzwelt
In den Fokus nehmen LBV und BMG die sogenannten CHEGD-Arten. Das Akronym steht für fünf Pilzartengruppen des Offenlands: Clavariaceae (Keulen- und Korallenpilze), Hygrocybe (Saftlinge), Entoloma (Rötlinge), Geoglossaceae (Erdzungen) und Dermoloma (Samtritterlinge). „Diese farbenprächtigen Gruppen sind zwar nicht eng miteinander verwandt, doch sie reagieren äußerst sensibel auf Veränderungen ihrer Umwelt. Gerade deshalb werden sie als gemeinsame Indikatorgruppe genutzt – sie zeigen uns sehr zuverlässig, wie es um Offenlandlebensräume wie Wiesen oder Feuchtgebiete steht“, erklärt LBV-Projektmanagerin Lotte Krüger. Viele dieser Pilzarten gelten inzwischen als bedroht und spiegeln die Folgen intensiver Landwirtschaft und abnehmender extensiver Bewirtschaftung wider. Erstmals werden CHEGD-Arten nun systematisch auf LBV-Flächen in ganz Bayern erfasst.
Neben den Wiesenpilzen untersuchen die Artenschützerinnen und Artenschützer auch zwei äußerst seltene, holzbesiedelnde Arten: der Struppige Stachelrindenpilz und der Zweisporige Prachtnabeling. Beide gelten in Bayern als extreme Raritäten. So ist von jeder Art lediglich ein einziger Fundort bekannt. Um sie vor dem Aussterben in Bayern zu bewahren, werden gezielte Wiederansiedlungsmaßnahmen entwickelt. Entscheidende Grundlage dafür ist das starke Bündnis zwischen LBV und BMG. „Dieses Projekt zeigt, wie wirkungsvoll Naturschutz sein kann, wenn starke Partner zusammenarbeiten. Gemeinsam mit dem LBV können wir selbst extrem seltenen Pilzarten wieder eine Zukunft geben“, betont BMG-Präsident Dr. Christoph Hahn.
Neues und Bewährtes
Mit Methoden wie DNA-Metabarcoding, Myzelanimpfung von Totholz, Mahdgutübertragung und klassischen Kartierungen verbindet das Projekt moderne Forschung mit bewährtem Artenschutz. Die Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth, dem deutschlandweit einzigem Lehrstuhl für Pilzökologie unter Professor Dr. Claus Bässler schafft eine einzigartige wissenschaftliche Grundlage. Ergänzend entsteht ein Citizen-Science-Projekt, das Bürgerinnen und Bürger aktiv einbindet und das Zusammenspiel von holzzersetzenden Pilzen und Spechten erforscht, die in geschwächten Bäumen ihre Höhlen anlegen.
Gemeinschaftsprojekt „Pilzartenschutz in Bayern“
Im Herbst 2025 startete der LBV gemeinsam mit der Bayerische Mykologische Gesellschaft (BMG) und der Universität Bayreuth ein landesweites Projekt zum Schutz gefährdeter Großpilzarten. Im Mittelpunkt stehen Pilzarten der Offenlandlebensräume und Feuchtgebiete. Gefördert wird das vierjährige Vorhaben durch den Bayerischen Naturschutzfonds. Die Zusammenarbeit vereint naturschutzfachliche Praxis, wissenschaftliche Forschung und ehrenamtliches Engagement mit dem Ziel, die Vielfalt und Schutzwürdigkeit der Pilze in Bayern sichtbar zu machen und gezielt zu fördern.
von Stefanie Bernhardt | lbv.de,