Hungernde Greifvögel im Winter

Greifvogel-Freund rettet Bussard-Dame vor dem Verhungern

Der trübste Winter seit 42 Jahren hinterließ auch bei den Greifvögeln in Bayern seine tiefen Spuren. Oft finden die Tiere bei geschlossener Schneedecke tagelang nichts zu fressen.

Bussard-Dame mit ihrem Retter | © Hans Riesenthal © Hans Riesenthal
Hans Riesenthal und der gerettete Bussard

So beobachtete Hans Riesenthal aus Valley in Oberbayern einige Tage lang einen Mäusebussard, der sich extrem auffällig verhielt. Der Vogel suchte zunächst immer mehr die Nähe zu den Häusern und zeigte immer weniger Scheu vor Straßen und dem täglichen Verkehr. Irgendwann saß der Bussard stundenlang auf einem Gartenzaun und bewegte sich nicht vom Fleck. Immer wieder kam dabei ein Artgenosse dazu und setzte sich dicht neben das geschwächte Tier. Ansonsten verweilte der zweite Mäusebussard stets in der nahen Umgebung, um ein schützendes Auge auf das geschwächte Tier zu haben.

Gemeinsam mit seiner Frau beschloss Hans Riesenthal den Bussard einzufangen. Er ging langsam auf den Greifvogel zu und konnte ihn ohne jegliche Abwehrreaktionen vorsichtig nehmen und zum Transport in einen Karton setzten. "Mir viel beim umgreifen des Vogels sofort auf, wie abgemagert er war, denn man konnte deutlich seine Rippen spüren", erzählt Riesenthal.

Der Retter brachte das Tier in die Greifvogelauffangstation von Alfred Aigner, der den abgemagerten Bussard entgegennahm. Es handelte sich dabei um ein weibliches Tier aus dem Vorjahr, das gerade noch in etwa ein Viertel seines Normalgewichts (1,2 Kg) wog. In der Station wird das Tier nun über einige Wochen aufgepäppelt. Bis sich der Organismus wieder an feste Nahrung gewöhnt hat, erhält der Vogel Spezialnahrung. "Hätten Hans Riesenthal und seine Frau das Tier nicht gerettet, hätte es keine zwei Tage mehr gelebt", so Aigner.

Hans Riesenthal vereinbarte mit Alfred Aigner, die Mäusebussard-Dame nach Genesung wieder in Valley auszuwildern, damit sie zu ihrem treuen Partner zurückkehren kann. "Schade, dass in der Bevölkerung oft nur an das Füttern mit Meisenknödel und Körnern gedacht wird und dabei die so wichtigen Greifvögel vergessen werden", kommentiert Riesenthal seine Rettungstat. "Greifvögel sollte der gleiche Respekt entgegen gebracht werden, wie ihren kleinerer Artgenossen, die gerne etwas verhätschelt werden", so Hans Riesenthal weiter, der dem Tier durch sein Engagement einen qualvollen Tot durch Verhungern ersparte.

von Timo Rachinger | lbv.de,

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