Bergseen sind keine Freizeitparks

Massentourismus gefährdet sensible Bergnatur – LBV appelliert: Rücksicht nehmen und Schutz gewährleisten

Türkisblaues Wasser, steile Bergflanken und ein spektakuläres Panorama: Bergseen wie der Schrecksee und die Gaisalpseen ziehen im Sommer immer mehr Menschen in die Allgäuer Hochalpen. Bilder und Videos in den sozialen Medien verstärken diesen Trend und machen einzelne Orte innerhalb kurzer Zeit weit über die Region hinaus bekannt. Doch der große Andrang ist eine Belastung für die empfindliche Natur. Wir bitten deshalb darum, Bergseen mit Rücksicht zu besuchen und einige Regeln zu beachten. „Soziale Medien können Menschen für unsere beeindruckende Bergnatur begeistern. Wenn aber immer mehr Menschen für dasselbe Fotomotiv denselben sensiblen Ort aufsuchen, braucht es umso mehr Rücksicht“, erklärt LBV-Gebietsbetreuer Felix Steinmeyer.

Badende Im Gaisalpsee | © LBV © LBV
An warmen Sommertagen ist der Gaisalpsee stark frequentiert - eine Belastung für die Natur.

Viele Bergseen der Allgäuer Hochalpen liegen in einer Landschaft, in der Tiere und Pflanzen mit extremen Bedingungen zurechtkommen müssen. Die Gewässer und die angrenzenden Alpweiden sind oft sehr nährstoffarm. Gerade dadurch können dort spezialisierte Arten leben. Wenn viele Menschen gleichzeitig Ufer betreten, querfeldein laufen oder ihre Spuren hinterlassen, gerät dieses empfindliche Gleichgewicht unter Druck. „Eine einzelne Person hinterlässt vielleicht kaum sichtbare Spuren. Wenn aber jeden Tag Hunderte denselben Weg abkürzen oder am selben Ufer sitzen, wird daraus schnell ein echtes Problem“, erklärt Felix Steinmeyer.

Von Müll bis Sonnencreme: die Bergnatur leidet

Wanderer zu Bergsee | © LBV © LBV
Viele Menschen pilgern zu den Bergseen, um dort zu baden oder sogar zu zelten (Symbolbild).

Besonders deutlich zeigt sich das an beliebten Zielen wie dem Schrecksee oder den Gaisalpseen. So entstehen neben den eigentlichen Wegen immer wieder Trampelpfade, Pflanzen werden niedergetreten und Wildtiere ziehen sich aus stark genutzten Bereichen zurück. Auch Essensreste, Taschentücher oder andere Abfälle haben in der Bergnatur nichts zu suchen. „Am Berg gilt deshalb eine einfache Regel: Was ich hinauftrage, nehme ich auch wieder mit hinunter. Das gilt vom Müsliriegelpapier bis zum Taschentuch“, sagt der LBV-Gebietsbetreuer.

Auch der Sprung in einen Bergsee ist nicht so harmlos, wie er auf den ersten Blick wirkt. Gerade wenn an warmen Tagen viele Menschen baden, gelangen unter anderem Rückstände von Sonnenschutzmitteln ins Wasser. Bestimmte chemische UV-Filter können Wasserorganismen beeinträchtigen. Hinzu kommt, dass Menschen beim Ein- und Aussteigen die empfindlichen Uferbereiche zertreten. „Ein Bergsee ist kein Schwimmbad. Wer sich abkühlen möchte, sollte für den Badetag ein dafür geeignetes Gewässer wählen. Es gibt auch im Allgäu genügend natürliche Seen und Baggerseen, an denen eine Abkühlung ohne Schaden für die Natur möglich ist“, so Steinmeyer.

Vier Regeln für das Verhalten an Bergseen

Murmeltier | © Dr. Eberhard Pfeuffer © Dr. Eberhard Pfeuffer
Die Allgäuer Alpen sind Heimat vieler Tiere, die Rückzugsräume brauchen. Dazu gehört auch das Murmeltier.

Vier einfache Regeln helfen der Natur besonders: nicht am Bergsee zelten oder draußen übernachten, den eigenen Müll vollständig wieder mitnehmen, auf den vorhandenen Wegen bleiben und die Drohne zu Hause lassen. Gerade in Schutzgebieten bewahren diese Regeln nicht nur seltene Pflanzen, sondern helfen auch dabei, wichtige Rückzugsräume für Wildtiere zu erhalten. Im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen ist Zelten verboten, auch der Betrieb von Flugmodellen beziehungsweise Drohnen ist nicht erlaubt. „Für ein schönes Bergerlebnis braucht es weder ein Zelt direkt am See noch eine Drohne über dem Wasser. Das beste Erinnerungsfoto entsteht dort, wo für das Bild keine Natur zu Schaden kommt“, betont der LBV-Gebietsbetreuer.

Was für Schrecksee und Gaisalpseen gilt, betrifft auch andere sensible Bergseen und alpine Lebensräume in Bayern. Der LBV appelliert deshalb nicht nur an Besucherinnen und Besucher, Rücksicht zu nehmen, sondern auch an die zuständigen Behörden, bei stark überlasteten Orten konsequent zu handeln. Wo Schutzgebiete regelmäßig als Badeplatz, Übernachtungsort oder Kulisse für Drohnenflüge genutzt werden und dabei Natur geschädigt wird, darf das nicht einfach hingenommen werden. Kontrollen, eine klare Besucherlenkung und gut sichtbare Hinweise auf die geltenden Regeln können helfen, besonders sensible Bereiche wirksam zu schützen. „Wir wollen, dass Menschen unsere Bergnatur erleben können. Aber dort, wo der Besucherdruck so groß wird, dass Schutzregeln regelmäßig missachtet und Lebensräume geschädigt werden, müssen die zuständigen Stellen handeln“, mahnt Felix Steinmeyer.

Wiesenweihe im Feld mit fünf Jungvögeln im Dunenkleid | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
© Zdenek Tunka

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