Bayerisches Streuobst jetzt nutzen und genießen
Äpfel ernten statt verfaulen lassen - Gelbe Bänder zeigen, wo gepflückt werden dürfen
Jetzt im Herbst ist die Obsternte in vollem Gange: An vielen Obstbäumen auf Streuobstwiesen oder entlang von Straßen und Wegen hängen derzeit Äpfel, Birnen und andere Früchte. Eine wunderbare Gelegenheit, sich mit gesundem und regionalem Obst zu versorgen – ganz ohne lange Transportwege. Doch längst nicht alle Früchte werden geerntet. Viel Obst bleibt an den Bäumen hängen oder fällt zu Boden und wird nicht mehr genutzt. Der LBV macht deshalb darauf aufmerksam, dass der Genuss des Obstes auch einen Effekt für den Artenschutz haben kann.
„Nur durch die Nutzung und Pflege der Streuobstwiesen, kann auch die große Artenvielfalt auf den Flächen erhalten werden”, sagt die LBV-Streuobstexpertin Leonie Gloß. Der LBV setzt sich als Mitbegründer des Bayerischen Streuobstpakts in vielen Projekten, auf eigenen Flächen sowie in seinen Kreisgruppen für diesen besonderen Lebensraum ein.
Die wirtschaftliche Nutzung von Streuobstwiesen ist für die Besitzer oft nicht mehr rentabel. Dieser Trend zeigt sich seit einigen Jahrzehnten. Das hat nicht nur Folgen für die regionale Versorgung mit Obst, sondern auch für den Artenschutz. Denn lohnt sich die Bewirtschaftung nicht mehr, fehlt häufig auch der Anreiz, Streuobstwiesen zu pflegen, alte Bäume zu erhalten und neue nachzupflanzen. Damit gehen wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten im schlimmsten Fall langfristig verloren.
„Es ist schade, wenn wertvolles und gesundes Obst, das direkt vor unserer Haustür wächst, einfach liegen bleibt“, erklärt Gloß. „Doch jede und jeder Einzelne kann den Erhalt von Streuobstwiesen fördern, indem sie oder er lokale Initiativen unterstützt, selbst Bäume pflanzt oder beim Sammeln und Verwerten des Obstes hilft. Nicht zuletzt als Verbraucher kann man mit dem Kauf von regionalen Streuobstprodukte die Natur vor Ort schützen.“
Selbst pflücken und regional genießen
Wer selbst kein Obstgrundstück besitzt, muss deshalb nicht auf die Ernte verzichten. Gelbe Bänder an Obstbäumen sind ein Zeichen dafür, dass die Früchte von Bürgerinnen und Bürgern geerntet werden dürfen.
Wer einen entsprechend gekennzeichneten Baum entdeckt, kann die Gelegenheit nutzen und sich mit frischem Obst aus der Region versorgen. So wird Obstpflücken zu einem besonderen Erlebnis: draußen in der Natur unterwegs sein, die Früchte selbst ernten und anschließend gemeinsam genießen oder weiterverarbeiten.
Viel zu gut für den Boden
Gerade bei einer reichen Obsternte lohnt es sich, über den frischen Apfel hinauszudenken. Was nicht sofort gegessen werden kann, lässt sich wunderbar haltbar machen und weiterverarbeiten. „So können die Äpfel beispielsweise zu Saft oder Most gepresst, als Apfelmus, Kompott und Marmelade verarbeitet oder als in Kuchen und anderen Backwaren verbacken werden. So kann die Ernte über viele Monate genutzt werden“, empfiehlt die LBV-Streuobstexpertin. Und vielleicht wird aus dem gemeinsamen Pflücken sogar eine neue Tradition mit Familie, Freunden oder Nachbarn.
LBV im Einsatz für das Streuobst
Auch der LBV ist bei der Streuobsternte aktiv. In vielen Landkreisen, wie Kitzingen, Fürth, Roth, Traunstein, Bayreuth oder Coburg, sammeln die ehrenamtlichen Naturschützerinnen und Naturschützer die reifen Früchte und lassen sie bei Mostereien vor Ort zu Saft verarbeiten. Hierbei fällt der Ertrag je nach Region und Jahr oftmals sehr unterschiedlich aus. In Coburg konnten im vergangenen Jahr mehr als 1.200 Kilo Äpfel von LBV-Streuobstwiesen geerntet werden, 600 Liter Saft konnte so gewonnen werden.
Auch in der Umweltbildung des Naturschutzverbands spielt Streuobst eine wichtige Rolle. Mitte Oktober wird der LBV-Kindergarten arche noah aus Hilpoltstein auf einer LBV-Streuobstwiese die reifen Äpfel ernten. So lässt sich die Bedeutung des Streuobsts von Klein an kennenlernen.
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