Bauprojekt vor den Toren des Nationalparks gefährdet wertvollen Naturraum

Zum Schutz des Zauberwalds: Umweltverbände fordern Stopp der Planungen für Wasserkraftausbau an der Ramsauer Ache

Die geplante „Modernisierung“ der Wasserkraftanlage „Antenbichlmühle" bei Ramsau sorgt für erhebliche Kritik bei Umweltverbänden. Nach den vorliegenden Planungen soll die bestehende Anlage weitgehend zurückgebaut und durch eine deutlich leistungsfähigere Anlage mit einer rund 600 Meter langen Druckleitung durch den Zauberwald ersetzt werden. Die Verbände fordern einen sofortigen Stopp des Vorhabens und eine grundlegende Neubewertung der Auswirkungen auf Natur, Gewässer und Fischbestände.

 

Die Planungen sehen vor, künftig bis zu 2.000 Liter Wasser pro Sekunde aus der Ramsauer Ache auszuleiten. Dies entspricht mehr als dem Vierfachen der bisher genehmigten Entnahmemenge von 450 Litern pro Sekunde.

Besonders kritisch bewerten die Verbände das Vorhaben vor dem Hintergrund der aktuellen Dürreperiode und der zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels auf Bayerns Gewässer. Seit Monaten führen zahlreiche Flüsse und Bäche außergewöhnlich wenig Wasser. Hohe Wassertemperaturen, geringer Sauerstoffgehalt und sinkende Abflüsse setzen Fischen und anderen Gewässerorganismen massiv zu. Vielerorts geraten aquatische Lebensräume und Auenbereiche an ihre Belastungsgrenzen.

„Gerade in Zeiten zunehmender Trockenphasen und Niedrigwasserereignisse darf die Wasserentnahme aus ökologisch wertvollen Fließgewässern nicht weiter erhöht werden“, kommentiert Dr. Sebastian Hanfland, Geschäftsführer des Landesfischereiverbands Bayern. „Die Ramsauer Ache braucht jeden Liter Wasser, um ihre wertvollen Lebensgemeinschaften zu erhalten!"

Nach Auffassung der Verbände drohen durch das Vorhaben erhebliche ökologische Beeinträchtigungen: Die verringerte Wasserführung wird die Lebensräume für Fische und andere Gewässerlebewesen verkleinern und verschlechtern. Außerdem werden die sensiblen gewässerbegleitenden Biotope im Zauberwald negativ beeinflusst.

„Die massive Reduktion der Wasserführung würde das lokale Klima in der Umgebung der Ramsauer Ache dauerhaft wärmer und trockener werden lassen und so neben Schnecken, Flechten und Moosen auch den hier vorkommenden seltenen Bodentyp der Tangelrendzinen nachhaltig gefährden“, so Dr. Stefan Ossyssek, Naturschutzreferent des BUND Naturschutz in Bayern e.V.

Besonders schwer wiegt aus Sicht der Kritiker außerdem die Tatsache, dass die Ramsauer Ache zu den wenigen Fließgewässern Bayerns zählt, die noch einen guten ökologischen Zustand aufweisen. Dieser Zustand entspricht den Zielvorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die bis 2027 für alle Gewässer erreicht werden sollen. Während vielerorts erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um Gewässer wieder zu renaturieren und ihre ökologische Funktionsfähigkeit zu verbessern, würde dieses Projekt einen der letzten naturnahen Gebirgsflüsse Bayerns zusätzlich belasten.

„Es ist schon ein Schildbürgerstreich: Auf europäischer Ebene werden mit der Wiederherstellungsverordnung und der Wasserrahmenrichtlinie erhebliche Anstrengungen unternommen, um Flüsse ökologisch aufzuwerten, ihre Durchgängigkeit wiederherzustellen und wertvolle Lebensräume zu sichern. Gleichzeitig sollen in Bayern weiterhin naturnahe Gebirgsbäche durch neue Wehre verbaut und ihre Wasserführung für eine zusätzliche Wasserkraftnutzung erheblich reduziert werden. Bei der Antenbichlmühle sollen der Ramsauer Ache künftig lediglich rund 270 Liter pro Sekunde als Restwasser verbleiben – etwa ein Sechstel des heutigen Abflusses. Der Schutz der Ramsauer Ache und damit der Geist des Zauberwaldes muss Vorrang vor privaten wirtschaftlichen Interessen haben“, sagt Max Voit, Präsident des Fischereiverbands Oberbayern.

„Im Rahmen der vorgelegten Fachgutachten zur Gewässerökologie und Fischfauna sind die Auswirkungen der geplanten Maßnahme bislang nicht ausreichend untersucht und bewertet worden. Wir fordern deshalb, einen sofortigen Stopp der Planungen und das Vorhaben unter den heutigen Rahmenbedingungen neu zu bewerten“, erläutert LBV-Geschäftsführer Helmut Beran.

Angesichts von Klimawandel, zunehmender Wasserknappheit und des dramatischen Rückgangs naturnaher Fließgewässer sowie deren begleitender Flora und Fauna muss der Schutz ökologisch intakter Gewässerlebensräume Vorrang vor einer weiteren technischen Nutzung haben. Die Ramsauer Ache und der Zauberwald sind als einzigartige Natur- und Lebensräume zu wertvoll, um sie durch zusätzliche Eingriffe dauerhaft zu gefährden.

Wiesenweihe im Feld mit fünf Jungvögeln im Dunenkleid | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
© Zdenek Tunka

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