Was die Zahlen verraten – Ergebnisse der Stunde der Wintervögel

Bayerns Wintervögel im Überblick – Ergebnisse der Mitmach-Aktion von 2009-2026

Jedes Jahr zählen tausende Vogelfreundinnen und Vogelfreunde Anfang Januar die Vögel in Bayerns Siedlungen und melden ihre Beobachtungen an den LBV. Aus diesen Meldungen entstehen wertvolle Daten: Sie zeigen, welche Arten im Winter bei uns vorkommen, wie sich Bestände verändern und welche Vögel zunehmend in unseren Orten überwintern.

Hier präsentieren wir die Ergebnisse aus Bayern – als Dank an alle Mitzählenden und als Einblick in die aktuelle Entwicklung unserer Wintervogelwelt.

Abnahme der Vögel pro Garten

Die folgende Grafik zeigt den langfristigen Trend der durchschnittlich gezählten Vögel pro Garten. Während zu Beginn der Aktion noch rund 40 Vögel pro Garten beobachtet wurden, waren es 2026 nur noch etwa 29 – der niedrigste Wert seit vielen Jahren. Auch die Vogelvielfalt, also die Anzahl der gemeldeten Vogelarten pro Garten, hat über die Jahre leicht abgenommen. Wurden zu Beginn noch neun Arten pro Garten gemeldet, sind es jetzt im Schnitt acht.

Dieser Rückgang macht deutlich, dass unsere Vogelwelt zunehmend unter Druck gerät. Weniger Lebensräume, intensive Nutzung der Landschaft und auch Krankheiten wirken sich direkt auf die Bestände aus. Die Zahl der Vögel pro Garten ist deshalb ein wichtiger Indikator dafür, wie es der Natur um uns herum geht.

Anmerkung: Die Anzahl der teilnehmenden Vogelfans hat über denselben Zeitraum kontinuierlich zugenommen, von um die 18.000 auf 29.000, mit einem Peak während der Corona-Pandemie im Jahr 2021 mit 40.000 Teilnehmenden.

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Am häufigsten gesichtet – Die Top 10 Vogelarten

Typisch für den Siedlungsraum sind einige besonders häufige Vogelarten. Während der gesamten vergangenen Aktionen schafften es sechs Arten regelmäßig unter die Top 5, mit wechselnder Platzierung.

Folgende Übersicht zeigt (a) die Vogelarten mit den höchsten Individuenzahlen sowie die, die an den meisten Zählorten vorkamen – die „Hitliste“ der Wintervögel Bayerns auf den Rängen 1 bis 10.

Über fast zwei Jahrzehnte zeigte sich an der Spitze ein erstaunlich stabiles Bild: Der Haussperling dominierte die Rangliste und belegte in 18 Jahren gleich zehnmal Platz 1 (56 %). Die Kohlmeise war der häufigste „Vize“ und erreichte achtmal Rang 2 (44 %), während der Feldsperling besonders konstant auf Platz 3 vertreten war – ebenfalls zehnmal (56 %).

Auf den weiteren Positionen lieferten sich Amsel und Blaumeise ein enges Wechselspiel. Die Amsel landete siebenmal auf Rang 4 (39 %), die Blaumeise achtmal auf Rang 5 (44 %).

Der Grünfink gehörte in den ersten fünf Jahren noch fest zu den Top 5, doch er war zuletzt im Jahr 2013 auf Platz 5 vertreten. Danach führte der Ausbruch der Krankheit Trichomoniasis zu einem starken Bestandsrückgang. Trotz dieser Einbußen behauptete er sich jedoch weiterhin unter den Top 10.

Zur Einordnung der Meldungen der Bürgerforschenden:

Amsel, Buchfink und Kohlmeise sind zahlenmäßig die häufigsten Brutvogelarten Deutschlands (BfN 2025. Vögel in Deutschland – Bestandssituation 2025). Der Buchfink ist nicht unter den Top 5 Vögeln bei der Mitmach-Aktion, da er kein typischer Gartenvogel ist, im Winter aber oft an die Futterstellen im Siedlungsraum fliegt, wenn er wenig Samen im Wald findet. Daher belegt er die Ränge sechs bis acht. Seine Bestände spiegeln die (früher) in Deutschland ausgedehnten Buchenwälder wider, in deren Restbeständen er brütet.

Am häufigsten im Garten – Die Top 10 Vogelarten

Die Kohlmeise findet man in fast jedem Garten Bayerns: In 18 Jahren wurde sie 11-mal an den meisten Zählorten gemeldet – somit ist sie zu 61 % der häufigste Besucher in den Gärten. Direkt dahinter folgt die Amsel, die 11-mal auf Rang 2 landete. Die Blaumeise sicherte sich konstant Rang 3 – jedes Jahr, ohne Ausnahme.

Auf den Plätzen 4 und 5 wechseln sich Rotkehlchen, Haus- und Feldsperling sowie Grün- und Buchfink ab. Sogar einzelne Überraschungsgäste wie der Buntspecht (2022) oder die Elster (2020) tauchten jeweils einmal in den Top 5 auf. In der folgenden Grafik sehne Sie die häufigsten Vögel im Garten in %. über die Jahre.

Wintergäste (inklusive “Invasion”)

Einflüge sogenannter Wintergäste aus Skandinavien machen die Vogelbeobachtung im Winter besonders spannend. Arten wie Bergfink, Erlenzeisig oder Seidenschwanz brüten im hohen Norden. Ob sie im Winter in Bayern auftauchen, hängt vom Nahrungsangebot und dem Bruterfolg dort ab. Gibt es viele Baumsamen oder eine geringe Populationsdichte aufgrund von niedrigem Bruterfolg, bleiben die Vögel in ihrem angestammten Brutgebiet. Sind Nahrung knapp oder Schnee bedeckt den Boden, ziehen sie nach Süden – auch bis nach Bayern.

Bei der Stunde der Wintervögel zeigt sich dieses Verhalten in regelmäßigen Schwankungen der Beobachtungszahlen: Manche Jahre bringen viele Wintergäste, andere nur wenige. So wurden im Jahr 2025 überdurchschnittlich viele Bergfinken gemeldet.

Der Seidenschwanz ist besonders bekannt für sogenannte Invasionen. In manchen Wintern ziehen plötzlich viele dieser nordischen Vögel nach Deutschland und bis nach Bayern. Ausschlaggebend ist das Nahrungsangebot: Finden sie in ihren Brutgebieten oder entlang der Zugroute zu wenig Beeren und Früchte, weichen sie nach Süden aus.

Ihre Wanderungen folgen vor allem dem Angebot von Vogelbeeren, Schlehen und anderen Früchten. Die letzte größere Seidenschwanz-Invasion in Bayern wurde 2013 beobachtet.

Stunde der Wintervögel - Wintergäste von LBV Online Redaktion

Daheimbleibende Kurzstreckenzieher

Kurzstreckenzieher wie Bachstelze, Hausrotschwanz, Mönchsgrasmücke, Zilpzalp oder Star bleiben vor allem in Jahren mit milden Wintern und ausreichend Nahrung häufiger in Bayern. Dann verzichten viele Vögel auf den Zug in den Süden. In der Grafik zeigt sich das durch deutlich höhere Beobachtungszahlen in milden Winterjahren, während sie in kalten Wintern stark zurückgehen.

Stunde der Wintervögel -Daheimgebliebene Kurzstreckenzieher von LBV Online Redaktion

Hiergebliebene Stare

Die starken Schwankungen bei den Wintermeldungen des Stars in Bayerns Gärten lassen sich vor allem durch sein flexibles Zugverhalten erklären. Der Star zieht nur kurze Strecken: In milden Wintern mit wenig Schnee und gutem Futter bleiben viele Tiere in Bayern. Bei Kälte und geschlossener Schneedecke ziehen sie dagegen weiter nach Süd- oder Westeuropa. In den Beobachtungen zeigt sich das deutlich: In warmen Wintern werden viele Stare gezählt, in strengen Wintern deutlich weniger.

Besonders viele Stare wurden im Siedlungsraum in den Jahren 2010, 2014, 2017, 2020 und 2024 gemeldet. 

Stunde der Wintervögel - Stare von LBV Online Redaktion

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