Senderstörche im Winter: Zwischen Müllkippe, Feuchtgebiet und Fernzug

Aktuelle Daten zeigen: Viele unserer besenderten Störche sind wohlauf – trotz Sorgen um Vogelgrippe in Spanien

Wo überwintern unsere Senderstörche? Aktuelle Daten aus Spanien, Marokko und Israel zeigen ihre Routen, Rastplätze und Herausforderungen im Winter.

Beunruhigende Nachrichten zur Vogelgrippe aus Spanien haben uns in den vergangenen Tagen besonders aufmerksam auf die Daten unserer besenderten Weißstörche schauen lassen. Die gute Nachricht vorweg: Die meisten Tiere sind aktuell wohlauf – auch wenn ihre Aufenthaltsorte einmal mehr zeigen, wie stark sie von menschlich geprägten Lebensräumen abhängig sind.

Viele unserer Störche halten sich derzeit in Spanien auf, häufig in der Nähe von Müllkippen oder Kompostanlagen. Baunach-1 etwa sendete am 17. Dezember aus der Region südlich von Sevilla und pendelt dort zwischen Deponie und Feuchtgebiet. Ein ähnliches Verhalten zeigt Bembo-Sparky, der nach erfolgreicher Brut im Altmühltal aktuell südlich von Ciudad Real unterwegs ist – ebenfalls an einer bekannten Müllkippe bei Almagro. Auch mehrere Frensdorfer Störche sowie Wingersdorf-3 nutzen Deponien als Nahrungsquelle.

Die Region um Almagro scheint in diesem Winter besonders attraktiv zu sein: Neben Bembo-Sparky halten sich dort auch Frensdorf II-1 auf. Andere Tiere wie Mönchsambach-4 und Nina sind weiter nördlich rund um Lleida unterwegs und wechseln zwischen Kompostplätzen und Schlafbäumen.

Einige Störche zeigen andere Strategien: Pettstadt1 hat als sogenannter Ostzieher eine ungewöhnliche Route gewählt und überwintert aktuell in Israel nördlich von Jericho – ohne weiter nach Afrika zu ziehen. Sein Nestgeschwister Pettstadt2 hingegen ist klassisch als Westzieher unterwegs und befindet sich wie Baunach-1 im Süden Spaniens. Noch weiter südlich sind Steppach-6 sowie Walsdorf-1-2024, die bereits Marokko erreicht haben und sich dort entlang der Atlantikküste aufhalten.

Erfreulich ist auch, dass nicht alle Störche überhaupt wegziehen: Rosalie hat sich entschieden, im Altmühltal zu überwintern. Gemeinsam mit rund 100 weiteren Störchen nutzt sie regelmäßig eine Kompostanlage bei Seebronn als Nahrungsquelle.

Leider gibt es auch weniger gute Nachrichten. Steppach-3 wurde nach seinem letzten Signal Anfang Dezember in der Nähe von Lleida von der Vogelwarte als verstorben eingestuft. Und bei Wingersdorf2, der zuletzt im Tschad geortet wurde, gibt es seit Oktober keine neuen Daten – hier besteht jedoch aufgrund der schlechten Netzabdeckung noch Hoffnung.

Insgesamt zeigen die aktuellen Daten eindrücklich, wie flexibel Störche auf veränderte Umweltbedingungen reagieren. Gleichzeitig wird deutlich, wie stark sie inzwischen auf anthropogene Nahrungsquellen wie Müllkippen angewiesen sind – ein Umstand, der Chancen, aber auch Risiken mit sich bringt.

von Nicole Friedrich | lbv.de,

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