Senderstörche im Winter: Zwischen Müllkippe, Feuchtgebiet und Fernzug
Aktuelle Daten zeigen: Viele unserer besenderten Störche sind wohlauf – trotz Sorgen um Vogelgrippe in Spanien
Wo überwintern unsere Senderstörche? Aktuelle Daten aus Spanien, Marokko und Israel zeigen ihre Routen, Rastplätze und Herausforderungen im Winter.
Die jüngsten Nachrichten über Ausbrüche der Vogelgrippe in Spanien haben bei unserem Team für große Sorge gesorgt. Deshalb haben wir die aktuellen Daten unserer besenderten Weißstörche besonders aufmerksam ausgewertet. Die gute Nachricht: Von den meisten Vögeln erhalten wir weiterhin regelmäßige Signale aus ihren Winterquartieren in Spanien, Marokko, Israel oder sogar direkt aus Bayern.
Viele unserer Senderstörche verbringen den Winter in Spanien und nutzen dort häufig Müllkippen, Kompostanlagen oder Feuchtgebiete als Nahrungsquellen. So halten sich Baunach-1 und Pettstadt 2 derzeit südlich von Sevilla auf. Bembo-Sparky, der im vergangenen Sommer erfolgreich im Altmühltal gebrütet hat, überwintert wie Frensdorf II-1 in der Region Almagro südlich von Ciudad Real. Auch Frensdorf I-3 sendet aktuell von den großen Müllkippen südlich von Madrid.
Im Norden Spaniens sind ebenfalls mehrere Störche anzutreffen. Mönchsambach-4 hält sich nördlich von Lleida auf und wechselt zwischen einem Kompostplatz und einem Schlafbaum. Nina nutzt eine Müllkippe südlich von Lleida als Winterquartier. Walsdorf-3 und Wingersdorf 3 senden beide von einer Deponie südlich von Saragossa. Der zweijährige Wingersdorf 1 erkundet inzwischen den Süden Spaniens und hält sich aktuell im Raum Córdoba auf.
Nicht alle Störche wählen den klassischen Weg nach Spanien. Pettstadt 1 hat sich als Ostzieher für eine ganz andere Route entschieden. Nachdem er sich im ersten Winter nicht über den Suezkanal nach Afrika gewagt hatte und den folgenden Sommer durch Norddeutschland zog, befindet er sich derzeit in Israel nördlich von Jericho. Offenbar verzichtet auch er in diesem Winter auf einen Weiterflug nach Afrika.
Andere Senderstörche haben den Weg bis nach Nordafrika geschafft. Steppach-6 überwintert an der marokkanischen Atlantikküste südlich von Rabat. Auch Walsdorf-1-2024 hält sich in Marokko auf, aktuell bei Kenitra nördlich von Rabat.
Eine besondere Entscheidung hat Rosalie getroffen: Sie ist gar nicht erst in den Süden gezogen. Stattdessen überwintert sie im Altmühltal und wird regelmäßig gemeinsam mit rund 100 weiteren Weißstörchen auf der Kompostanlage bei Seebronn beobachtet.
Leider gibt es auch weniger erfreuliche Nachrichten. Von Marina stammt der letzte Datenpunkt vom 10. Dezember aus der Region nördlich von Jaén. Die Position lag am Rand einer Mülldeponie. Ob der Sender ausgefallen ist oder dem Vogel etwas zugestoßen ist, lässt sich derzeit nicht sicher beurteilen.
Steppach-3 hat zuletzt am 9. Dezember aus der Nähe des Centre de Fauna Vallcalent bei Lleida gesendet. Die Vogelwarte stuft den Storch inzwischen als verstorben ein.
Auch bei Wingersdorf 2 gibt es Anlass zur Sorge. Der letzte Datenpunkt wurde bereits am 13. Oktober aus dem Tschad empfangen. Da die Mobilfunkabdeckung dort vielerorts lückenhaft ist, besteht jedoch weiterhin Hoffnung, dass der Storch lebt und lediglich keine Daten übertragen werden konnten. Sein letzter bekannter Aufenthaltsort war ein Baum in seinem Überwinterungsgebiet.
Insgesamt zeigen die aktuellen Senderdaten, wie unterschiedlich die Zugstrategien unserer Weißstörche inzwischen sind. Während einige den klassischen Weg bis nach Afrika antreten, verbringen andere den Winter in Spanien, Israel oder sogar direkt in Bayern. Dank der Besenderung können wir ihre Wege verfolgen und erhalten wertvolle Einblicke in das Leben dieser faszinierenden Vögel.
© LBV.
von Oda Wieding,