Natur-Wiederherstellungsverordnung: Europas Chance für mehr Artenvielfalt
Was steckt hinter der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur?
Eine intakte Natur ist für uns Menschen unverzichtbar. Sie liefert gesunde Lebensmittel und saubere Luft, ist Wirtschaftsgrundlage und Hochwasserschutz. Doch die wenigsten unserer europäischen Ökosysteme sind in einem guten Zustand oder überhaupt noch vorhanden. Ihre Wiederherstellung ist schon lange ein Ziel im Naturschutz – doch bislang fehlten Verbindlichkeiten und klare Zielsetzungen. Hier setzt die europäische Natur-Wiederherstellungsverordnung (WVO) an. Wir klären auf, worum es bei dem Gesetz geht und was es bedeutet.
Was sind die Ziele der Wiederherstellungsverordnung?
Die WVO hat das ehrgeizige Ziel, zerstörte Ökosysteme in ganz Europa wiederherzustellen und das Artensterben zu bekämpfen. Die Mitgliedstaaten haben sich verpflichtet, verschiedene Lebensräume – etwa Moore, Wälder, Flüsse, Meere und landwirtschaftliche Flächen – schrittweise zu renaturieren. Konkret sollen bis 2030 auf mindestens 20 % der Land- und Meeresflächen, bis 2050 in allen sanierungsbedürftigen Ökosystemen Wiederherstellungsmaßnahmen ergriffen werden. Außerdem sollen Bestäuber wie Bienen gestärkt und die Widerstandsfähigkeit der Natur gegen den Klimawandel verbessert werden. Insgesamt geht es darum, Artenvielfalt zu sichern, natürliche Ressourcen zu schützen und die Natur wieder funktionsfähig zu machen – für Mensch und Umwelt.
Kommen Ihnen das bekannt vor? Gut möglich, denn die Ziele der WVO sind im Grunde nicht neu. Internationale und europäische Abkommen, die nationale Biodiversitätsstrategie und nicht zuletzt das bayerische Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“ beinhalten ähnliche oder gleichlautende Ziele zum Schutz von Artenvielfalt und Ökosystemen. Beim Schutz von Mooren gehen die bayerischen Vorgaben sogar über die der WVO hinaus.
Warum ein Gesetz zur Wiederherstellung der Natur wichtig ist:
- Arten- und Klimakrise werden gemeinsam angegangen: intakte Ökosysteme wie Moore, Wälder und Auen sind Lebensraum für Zahlreiche Arten und speichern zugleich Kohlenstoff.
- Die WVO schafft Verbindlichkeit: Die bisherigen Vorgaben auf nationaler und europäischer Ebene wurden bislang nicht ernsthaft genug angegangen. Durch konkrete, zeitgebundene Zielvorgaben schafft die WVO nun eine neue Verbindlichkeit, mit der tatsächliche Verbesserungen für Europas Natur erreicht werden können.
- Unsere Lebensbedingungen werden verbessert: Gesunde Ökosystem schaffen gesunde Lebensbedingungen. Saubere Luft und sauberes Wasser, Schutz vor Hochwasser und Hitzewellen – das alles kann nur eine intakte Natur liefern.
- Die Wirtschaft wird gestärkt: Die WVO kurbelt die lokale Wirtschaft an, indem sie die Nahrungsmittelversorgung langfristig sichert und nachhaltigen Tourismus stärkt.
WVO lässt große Freiheit für Maßnahmen
Um die Ziele der WVO zu erreichen, müssen die EU-Mitgliedsstaaten nun nationale Wiederherstellungspläne erstellen, in denen sie Maßnahmen formulieren und finanzielle Mittel definieren. Diese Wiederherstellungspläne müssen innerhalb von zwei Jahren der EU-Kommission vorgelegt werden, und dann fortlaufend verbessert und weiterentwickelt werden.
Indem das Gesetz vor allem die Ziele und nicht detaillierte Maßnahmen vorgibt, lässt es den Mitgliedsstaaten hinreichend Freiheiten. Ein Großteil der Verantwortung liegt in Deutschland bei den Bundesländern, denn Naturschutz ist Ländersache. Bayern hat es also in der Hand, den für die lokalen Bedürfnisse und Landnutzenden besten Ansatz zu wählen.
So funktioniert die Wiederherstellung jetzt schon in der Praxis
Dabei können wir beim Naturschutz im Freistaat schon auf zahlreiche erfolgreiche Programme und Maßnahmen aufbauen, die zeigen, wie Wiederherstellung in der Praxis funktioniert.
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