Ortolan Brutsaison 2025 in Bayern
Erneut Abnahme der fränkischen Population - Massive finanzielle Kürzungen für Projekt
Die Brutbedingungen 2025 waren in den meisten Ortolan-Gebieten relativ günstig: Nach einem milden Winter folgte ein ungewöhnlich trockenes und warmes Frühjahr. Mai und Juni – entscheidend für die Jungenaufzucht – blieben trocken und warm, was die Kükensterblichkeit verringert. Andererseits darf nicht außer Acht gelassen werden, dass dieses für eine Jungenaufzucht zwar günstige Klima auch Nachteile hinsichtlich der Vegetationsentwicklung und in der Folge auch der Insektenentwicklung mit sich bringt. Diese Auswirkungen sind noch nicht vollständig wissenschaftlich quantifiziert, es ist aber unbestritten, dass sie das Futterangebot reduzieren. Da die Ortolanbruten so wenig wie möglich gestört werden sollen, erfassen wir keine Jungvögel, und können deshalb auch nicht sagen, wie hoch der Bruterfolg exakt ist. Die Auswirkungen einer Brutsaison stellen wir erst im folgenden Jahr fest- durch die Anzahl der zurückkehrenden Ortolane.
Innerhalb der acht langjährig kartierten Probeflächen konnten in 2025 nur noch 44 Reviere nachgewiesen werden– ein Rückgang um fast 20 % gegenüber dem Vorjahr und der niedrigste Wert seit Beginn des Artenhilfsprogramms (AHP) vor 20 Jahren. Dies kann allerdings zu einem beachtlichen Teil durch eine Verlagerung der Vorkommen in Gebiete, die direkt an die Probeflächen angrenzen, erklärt werden.
Der reine Vergleich von Probeflächen-Daten ist wissenschaftlicher Standard, an den wir uns 20 Jahre lang gehalten haben. Angesichts der stark geschrumpften Bestände unter gleichzeitiger deutlicher Umsiedlung der Singgemeinschaften ist es nun allerdings geboten, diese Methode zu verlassen und den Gesamtbestand in den Blick zu nehmen.
Ortolanbestand durch die vorigen Jahre erheblich geschwächt
Außerhalb der Probeflächen gibt es ungefähr noch einmal so viele Ortolanreviere wie innerhalb, sodass wir bei einer Gesamtzahl von rund 90 Revieren liegen. Durch das stark geschrumpfte Verbreitungsgebiet und die seit einigen Jahren durchgeführten Luzerne-Kontrollen zur Verhinderung von Brutverlusten haben wir mittlerweile einen vollumfänglichen Überblick über alle fränkischen Ortolan-Vorkommen. Wir gehen davon aus, dass es außerhalb der von uns kontrollierten Gebiete keine nennenswerten Vorkommen gibt, und falls doch, könnte es sich höchstens um eine Handvoll von unverpaarten, herumziehenden Männchen handeln.
Dies bedeutet, dass der Rückgang des Ortolans zwar tatsächlich stattfindet und wir definitiv den geringsten Stand seit Beginn des AHP verzeichnen müssen, jedoch sind die absoluten Zahlen höher als die Anzahl innerhalb der Probeflächen, und das Ergebnis würde etwas anders aussehen, wenn die Probeflächen von vornherein größer gewählt worden wären. Ab 2026 wird die Erfassung und Auswertung der Ortolane auf größeren Flächen und auch außerhalb der Probeflächen systematisch erfolgen.
Seit 2020 gab es drei Jahre in Folge, in denen der Bruterfolg durch schlechte Wetterbedingungen und starken Prädationsdruck erheblich beeinträchtigt wurde. Auch wenn die Witterungsbedingungen einzelner darauffolgenden Jahre wieder günstig waren, so ist der Ortolanbestand durch die vorigen Jahre mit schlechtem Bruterfolg so stark geschwächt, dass dies für eine Erholung nicht ausreicht
Massive finanzielle Kürzungen für 2026 gefährden das AHP
Um den Ortolan zu schützen, wurden 2025 auf 316 Flächen mit insgesamt 150 Hektar Maßnahmen umgesetzt – rund 46 ha mehr als im Jahr zuvor. Daran waren 83 kooperierenden Landwirt*innen beteiligt. Für die kommende Saison 2025/ 2026 wurden die Fördermittel für die Entschädigung der Landwirte leider um fast 60 % gekürzt. Dadurch wird die Zukunft des AHPs massiv gefährdet: es konnte nur noch ein „Notbetrieb“ mit Maßnahmen auf den wichtigsten Flächen durchgeführt werden, viele sehr wertvolle Blühstreifen oder eine Gewährleistung von Mauserhabitaten durch Ernteverzicht konnten für die kommenden Saison nicht mehr vereinbart werden.
Für die Zusammenarbeit mit den Landwirten und Landwirtinnenbedeutet dies ebenfalls einen herben Rückschlag: langjährig aufgebautes Vertrauen wird geschmälert, mit dem AHP Ortolan kann man als Landwirtin oder Landwirt nicht mehr fest rechnen. Um auf diese Gefahr hinzuweisen, wurde Anfang Dezember ein Pressetermin mit zwei Landtagsabgeordneten vor Ort im Gebiet bei Grettstadt durchgeführt,
Weite Reihe mit Untersaat: Maßnahme für mehr Artenvielfalt in der Agrarlandschaft
Trotz der rückläufigen Bestandsentwicklungen und finanziellen Kürzungen schauen wir nach vorn und arbeiten an der Weiterentwicklung des AHPs. So wird 2026 erstmals die Maßnahme „Weite Reihe mit Untersaat“ (wRmU) umgesetzt. Hierbei werden Getreidestreifen in weiten Reihen im Wechsel mit blühender Untersaat aus niedrigwüchsigen, unproblematischen Ackerwildkräutern (v.a. Leguminosen) angebaut.
Diese Maßnahme trägt nachweislich zur Erhöhung der Biodiversität auf landwirtschaftlich genutzten Flächen bei und ist daher auch für den Ortolan sehr nützlich. Mit der „weiten Reihe mit Untersaat“ werden wichtige Brut- und Nahrungshabitate für den Ortolan und andere Feldvögel & Säugetiere geschaffen, die Anzahl und Vielfalt von Insekten sowie die Pflanzenvielfalt werden nachweislich erhöht. Der Prädationsdruck auf Singvögel in der Agrarlandschaft kann insgesamt gesenkt werden, da das Nahrungsangebot für alle verbessert wird. In der Brutsaison 2026 werden acht Landwirtinnen und Landwirte diese vielversprechende Maßnahme mit insgesamt 15 ha Fläche für das AHP Ortolan umsetzen.
von AHP Ortolan,