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Aktuelles aus dem Ortolanschutz in Bayern

Hier erfahren Sie alle aktuellen Nachrichten zum Vorkommen, Bestand und Schutzmaßnahmen des Ortolans in Bayern

Ortolan sitzt auf einem Stein | © Heinz Tuschl © Heinz Tuschl
Ortolan auf einem Stein
Norma Rudat

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Norma Rudat

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Ungewöhnlich früh: Erster Ortolan des Jahres 2016 gesichtet

Der langjährige Ortolankenner Otto Holynski beobachtete dieses Jahr den ersten Ortolan bereits am 19. April - den ersten Heimkehrer aus Westafrika. Die anderen bayerischen Ortolane dürften bald folgen, um Ende April in ihren hiesigen Brutgebieten ihre Reviere zu besetzen.

Flächendeckende Kartierung 2015: Der Ortolan-Bestand in Bayern nimmt wieder zu!

Entwicklung der Ortolan-Bestände (singende Männchen)in Bayern bei den flächendeckenden Kartierungen seit Ende der 1980er Jahre | © LBV © LBV
Entwicklung der Ortolan-Bestände (singende Männchen)in Bayern bei den flächendeckenden Kartierungen seit Ende der 1980er Jahre

Seit den 1980er Jahren ging der Bestand des Ortolans in Bayern erschreckend zurück: von circa 890 auf nur noch 363 erfasste Reviere im Jahr 2003 - und 2009 konnten sogar nur noch 178 Reviere nachgewiesen werden. Dies entspricht einem Rückgang von 80% gegenüber den 80er Jahren! Aber vielleicht haben die Schutzmaßnahmen der letzten Jahre eine Trendwende bewirken können? Darauf deuten die Ergebnisse unserer aktuellen flächendeckenden Kartierung im Jahr 2015 hin.

Tatsächlich schienen sich auf ausgewählten Probeflächen, in denen wir die Bestände jährlich erfassen, schon in den letzten Jahren die Bestände zu stabilisieren. Aber war das auch außerhalb der Probeflächen der Fall? Diese wichtige Frage haben erst 2015 die fast 40 ehrenamtlichen LBV-Mitarbeiter beantwortet, die im Mai 2015 in Franken unterwegs waren, um auch den letzten Ortolan in den entlegensten Teilen seines ehemaligen Verbreitungsgebietes aufzuspüren. Und, ja: Es ist wahr - entgegen allen Befürchtungen hat der Bestand auch außerhalb der LBV-Probeflächen nicht abgenommen, ganz im Gegenteil. Die bayerische Population ist vielmehr seit der letzten flächendeckenden Zählung im Jahr 2009 von 178 singenden Männchen auf 241 im Jahr 2015 angewachsen -erheblich mehr, als wir zu hoffen gewagt hatten. Das sind gute Nachrichten!

Herzlicher Dank allen ehrenamtlichen Erfassern, deren Einsatz die flächen- deckende Kartierung im Jahr 2015 ermöglicht hat!

Reviere des Ortolans in Franken - Ergebnisse der flächendeckenden Kartierungen | © LBV © LBV
Reviere des Ortolans in Franken - Ergebnisse der flächendeckenden Kartierungen. Zu beachten ist, dass der Landkreis Würzburg, der sich am westlichen Rand des Verbreitungsgebietes befindet, in den Jahren 1987/88 nicht miterfasst wurde, später aber doch. Da

Die Bestandszuwächse sind jedoch noch kein Grund für Jubelstürme: Ein großer Teil der Männchen ist nicht verpaart - die Zahl der Reviere entspricht also nicht der Zahl der Brutpaare. Deshalb dürfte der aktuelle bayerische Brutbestand deutlich weniger als 200 Paare umfassen. Und eine derart kleine Population kann rasch an den Rand des Aussterbens gedrängt werden - dafür würden schon wenige aufeinander folgende Jahre genügen, in denen ungünstige Wetterbedingungen in der empfindlichen Huder- und Nestlingsphase für Einbußen beim Nachwuchs sorgen.

Trotz der aktuellen Bestandszunahme bleibt die Lage also kritisch, und der Ortolan läuft in Bayern nach wie vor Gefahr, auszusterben. Deshalb arbeiten wir weiterhin mit Hochdruck daran, die Brutbedingungen für den Ortolan zu verbessern und den Verlust weiterer wertvoller Lebensräume - zum Beispiel in Flurbereinigungsverfahren - zu verhindern.

Brutsaison 2014: Der befürchtete starke Einbruch des Brutbestands bleibt aus

Ortolan sitzt singend auf einem stärkeren Ast | © H.-J. Fünfstück © H.-J. Fünfstück
Immer noch ein seltener Anblick: ein singendes Ortolan-Männchen

Für das Jahr 2014 befürchteten wir einen starken Rückgang der Population des Ortolans in Bayern: Im Vorjahr regnete es außergewöhnlich viel - und dies gerade während der Zeit, in der die kleinen, empfindlichen Ortolan-Küken in den Nestern saßen. So wurden im Jahr 2013 sicherlich nur wenige Bruten flügge.

Dennoch blieb im Jahr 2014 der erwartete deutliche Rückgang der Population aus: Gegenüber dem Vorjahr hat der Bestand in den LBV-Probeflächen nur um circa ein Zehntel abgenommen. Eine große Erleichterung für die Ortolan-Schützer des LBV, denn die bayerische Population steht ja immer noch am Rande des Aussterbens.

Besonders erfreulich ist, dass in diesem Jahr die Witterung in der sensiblen Küken- und Nestlingsphase sehr trocken war. Das gibt Anlass zur Hoffnung, dass dieses Jahr wieder viele junge Ortolane ausfliegen konnten und so die Verluste des Vorjahres etwas ausgeglichen wurden.

180 Äcker für den Ortolan: Landwirte im Einsatz

Ortsansässige Landwirte beobachten mit dem Grettstadter Bürgermeister Ewald Vögler und mit Jürgen Kiefer (Naturschutzbehörde Schweinfurt) einen Ortolan | © LBV © LBV
Ein unauffälliger und versteckt lebender Vogel: Ortsansässige Landwirte beobachten mit dem Grettstadter Bürgermeister Ewald Vögler und mit Jürgen Kiefer (Naturschutzbehörde Schweinfurt) einen Ortolan.

Es ist nicht einfach, den Ortolan in Bayern vor dem Verschwinden zu retten. Zahlreiche Landwirte in Mainfranken beteiligen sich am umfangreichen Schutz-Programm des LBV: Im Jahr 2014 führten sie auf 180 ausgewählten Ackerflächen eine ganz spezielle, ortolangerechte Bewirtschaftung durch. Dazu zählte insbesondere die dünne Ansaat des Getreides, das Anlegen von Blüh- und Kartoffelstreifen und der Verzicht auf Dünge- und Spritzmittel.

Einige Landwirte konnten diesjahr erstmals einen Ortolan eingehender beobachten und seinen melodischen Gesang wahrnehmen: Ortolan-Exkursionen des LBV boten hierzu eine optimale Gelegenheit. Besonderer Dank gilt den ehrenamtlichen Ortolan-Erfassern Harald Vorberg und Karl und Helene Günzel, die eine mit knapp 30 Teilnehmern sehr gut besuchte Führung bei Grettstadt veranstalteten.

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