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Aktuelles aus dem Ortolanschutz in Bayern

Hier erfahren Sie alle aktuellen Nachrichten zum Vorkommen, Bestand und Schutzmaßnahmen des Ortolans in Bayern

Ortolan Männchen sitzt auf Apfelbaum und singt |© M. Hartmann © M. Hartmann
Singendes Ortolan Männchen auf einem Apfelbaum
Dagmar Kobbeloer

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Dagmar Kobbeloer

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Ergebnisse Brutsaison 2019: Gute Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Artenschutz

Diese Grafik zeigt die schwankende Entwicklung der Anzahl von singenden Männchen in den Landkreisen Schweinfurt, Kitzingen und Würzburg 2019 | © LBV © LBV
Entwicklung der Anzahl von singenden Männchen in den Landkreisen Schweinfurt, Kitzingen und Würzburg

In den letzten drei Jahren stieg die Zahl der nachgewiesenen Männchen sukzessive jedes Jahr wieder leicht an – im Jahr 2019 wurden 88 Reviere festgestellt. Es kann also dieses Jahr wiederum von einer leichten Bestandserholung ausgegangen werden und dies umso mehr, als der diesjährige Bestand möglicherweise sogar unterschätzt wurde, da sich die Ortolane aufgrund des schlechten Wetters im Mai sehr bedeckt gehalten haben und wenig singfreudig waren. Der Bestandszuwachs könnte auch die günstigen Brutbedingungen im Vorjahr widerspiegeln. Der kalte und regnerische Mai könnte allerdings das Brutgeschäft in diesem Jahr wiederum negativ beeinflusst haben. Trotzdem berichteten auch 2019 wieder einige Erfasser von Jungvogel-Sichtungen. Möglicherweise blieben doch einige Bruten von den lokalen Starkregenereignissen verschont.

Durch die intensive und persönliche Beratung der mittlerweile rund 80 teilnehmenden Landwirte und Landwirtinnen konnten Anzahl und Umfang der Maßnahmenflächen abermals gesteigert werden – auf ganzen 74 ha wird das Brutgeschäft des Ortolans mit entsprechenden, landwirtschaftlichen Maßnahmen unterstützt.

Für den Ortolan entwickelte, lückige Blühmischung - die Blühflächen dienen als Nahrungsfläche für den Ortolan |© D. Kobbeloer © D. Kobbeloer
Für den Ortolan entwickelte, lückige Blühmischung - die Blühflächen dienen als Nahrungsfläche für den Ortolan

Ohne die gute Kooperation zwischen Landwirtschaft und Artenschutz wären die letzten fränkischen Bestände des Ortolans deutlich gefährdeter als sie es sowieso schon sind. Die Maßnahmen konzentrieren sich auf die Probeflächen und unmittelbar angrenzende Gebiete. Um auch die Nahrungsverfügbarkeit für den Ortolan zu erhöhen, konnten mittlerweile 60 Flächen mit Blühmischungen angelegt werden – die Hälfte davon mit einer extra für den Ortolan neu entwickelten Saatmischung.

Ergebnisse Brutsaison 2018: Die fränkischen Ortolan-Bestände nehmen wieder zu

Ortolan Jungvogel sitzt auf Getreidehalmen |© H. Vorberg © H. Vorberg
Ortolan Jungvogel sitzt inmitten eines Getreidefelds

Die Befürchtungen, dass der starke Einbruch im Jahr 2016 – auf damals nur noch 75 Reviere in den Probeflächen – einen neuerlichen weiteren Bestandsrückgang einleiten würde, hat sich zum Glück bislang nicht bewahrheitet: Stattdessen ist der Bestand 2018 zum zweiten Mal in Folge – von 75 zunächst auf 80 Reviere im vergangenen Jahr und aktuell nun auf 85 Reviere angestiegen. Die Bestandszahlen liegen damit zwar immer noch deutlich unter den bisherigen Höchstständen von je 104 Revieren in den Jahren 2011 und 2013, aber in diesem Jahr wurden die Brutbedingungen als günstig eingeschätzt und es konnten viele flügge Jungvögel beobachtet werden. Somit dürfte zumindest ein guter Grundstein für eine Fortsetzung der Bestandserholung bzw. für nochmalige Zunahme im nächsten Jahr gelegt sein.

Ergebnisse Brutsaison 2017: Die fränkischen Ortolanbestände nahmen nicht weiter ab

Ortolan am Boden auf der Suche nach Nahrung. Ortolane fressen vor allem Insekten, Raupen, Samen und Keimlinge. | © Hans-Joachim Fünfstück © Hans-Joachim Fünfstück
Ortolane suchen den Großteil ihrer Nahrung am offenen Boden: Insekten, Raupen, Samen und Keimlinge.

Im letzten Jahr -2016- musste bedauerlicherweise ein Rückgang der fränkischen Ortolan-Reviere um 21% festgestellt werden. Außerdem wurden die klimatischen Bedingungen während der Brutzeit in 2016 als sehr ungünstig eingeschätzt, was einen negativen Einfluss auf den Bruterfolg und damit auch die Bestandszahlen der darauffolgenden Brutsaison haben kann. Deshalb wurde befürchtet, dass wir in 2017 einen weiteren Rückgang erleben würden.

Wir stellten daher mit einer gewissen Erleichterung fest, dass (über alle Probeflächen gemittelt) die dokumentierte Anzahl von 75 auf 80 singende Männchen zunahm (ein leichtes Plus von 6%;). Dennoch liegt dieser Bestand –mit Ausnahme des niedrigen Ergebnisses von 2016- unter dem der letzten acht Jahre und gibt immer noch Anlass zur Sorge. Die Ergebnisse der Bestandszählungen der letzten Jahre sind im Diagramm unten zu sehen. Hier sind die durch singende Männchen angezeigten Reviere zusammengefasst. Die unterschiedlichen Farben kennzeichnen die bisher untersuchten Landkreise: Schweinfurt (SW), Kitzingen, (KT) und Würzburg (Wü).

 

Diese Grafik zeigt die schwankende Entwicklung der Anzahl von singenden Männchen in den Landkreisen Schweinfurt, Kitzingen und Würzburg | © LBV © LBV
Entwicklung der Anzahl von singenden Männchen in den Landkreisen Schweinfurt, Kitzingen und Würzburg

Dieses Jahr wurde der Ortolan-Bestand Frankens in zehn Probeflächen kartiert – zwei Probeflächen in den Landkreisen Neustadt a.d. Aisch und Kitzingen kamen neu hinzu, da dort bei der flächendeckenden Kartierung 2015 eine beachtliche Anzahl von Ortolan-Revieren erfasst wurde. Die Ergebnisse dieser Zählungen werden erst nach einigen Jahren Rückschlüsse auf die dortige Bestandsentwicklung zu lassen und sind deshalb in den oben genannten Auswertungen noch nicht enthalten.

Dank der hervorragenden Kooperationsbereitschaft der fränkischen Landwirte werden jedes Jahr viele Maßnahmen zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Ammernart in der Agrarlandschaft umgesetzt. 2017 legten 60 Landwirte auf ganzen 195 Flächen Schutzmaßnahmen mit einer Gesamtfläche von 57,48 ha an. Damit konnten erneut etwas mehr Einzelmaßnahmen vermittelt werden als im Vorjahr. 

Ab 2018 werden erstmals auch im Landkreis Neustadt a.d. Aisch Ortolan-Maßnahmen umgesetzt werden, um die dortige Population zu unterstützen.

Direkt am Wald wird Wintergetreide neben einem Maisacker angebaut und damit eine Brutfläche für den Ortolan geschaffen. | © Norma Rudat © Norma Rudat
Anbau von Wintergetreide neben einem Maisacker in Singwarten-Nähe: Potentielle Brutflächen für den Ortolan

Ergebnisse Brutsaison 2016 – Rückgang der Ortolan-Population

Im Jahr 2015 hatte sowohl der Bestand in den Probeflächen als auch das gesamt-bayerische Vorkommen zugenommen. 2016 musste hingegen in den Probeflächen ein Rückgang um 21% festgestellt werden. Derartige Schwankungen sind in Kleinvogel-Populationen, insbesondere bei Zugvögeln, durchaus normal. Dennoch verdeutlicht dies, dass die Gefahr des Aussterbens für den Ortolan nach wie vor gegenwärtiger ist, als man sich nach den erfreulichen Ergebnissen der flächendeckenden Kartierung in 2015 – mit einem Zuwachs von 178 auf 241 Reviere seit 2009 – erhofft hatte: Bei dem aktuellen geringen Ortolanbestand drohen bereits einige wenige Jahre mit schlechtem Bruterfolg die gesamte Population auszulöschen. Zudem überrascht dieser doch beachtliche Rückgang in 2016 auch deshalb, weil im vergangenen Jahr die klimatischen Bedingungen während der Brutzeit und Jungenaufzucht als günstig eingeschätzt wurden. Ein Einbruch in der Reproduktion im Vorjahr ist daher als Ursache für die aktuellen Bestandsrückgänge weitgehend auszuschließen. Das wiederum lässt vermuten, dass die Wetterbedingungen auf dem Zug eine mindestens ebenso entscheidende Rolle spielen. Die in jüngster Zeit durch Geologger gewonnenen Daten belegen eine starke Synchronisierung des Zuges und stützen damit die Annahme, dass die plötzliche Aufgabe ganzer Vorkommensgebiete auf den gleichzeitigen Verlust synchron ziehender Trupps aus diesen Gebieten zurückzuführen sein könnte.

Flächendeckende Kartierung 2015: Der Ortolan-Bestand in Bayern nimmt wieder zu!

Entwicklung der Ortolan-Bestände (singende Männchen)in Bayern bei den flächendeckenden Kartierungen seit Ende der 1980er Jahre | © LBV © LBV
Entwicklung der Ortolan-Bestände (singende Männchen)in Bayern bei den flächendeckenden Kartierungen seit Ende der 1980er Jahre

Seit den 1980er Jahren ging der Bestand des Ortolans in Bayern erschreckend zurück: von circa 890 auf nur noch 363 erfasste Reviere im Jahr 2003 - und 2009 konnten sogar nur noch 178 Reviere nachgewiesen werden. Dies entspricht einem Rückgang von 80% gegenüber den 80er Jahren! Aber vielleicht haben die Schutzmaßnahmen der letzten Jahre eine Trendwende bewirken können? Darauf deuten die Ergebnisse unserer aktuellen flächendeckenden Kartierung im Jahr 2015 hin.

Tatsächlich schienen sich auf ausgewählten Probeflächen, in denen wir die Bestände jährlich erfassen, schon in den letzten Jahren die Bestände zu stabilisieren. Aber war das auch außerhalb der Probeflächen der Fall? Diese wichtige Frage haben erst 2015 die fast 40 ehrenamtlichen LBV-Mitarbeiter beantwortet, die im Mai 2015 in Franken unterwegs waren, um auch den letzten Ortolan in den entlegensten Teilen seines ehemaligen Verbreitungsgebietes aufzuspüren. Und, ja: Es ist wahr - entgegen allen Befürchtungen hat der Bestand auch außerhalb der LBV-Probeflächen nicht abgenommen, ganz im Gegenteil. Die bayerische Population ist vielmehr seit der letzten flächendeckenden Zählung im Jahr 2009 von 178 singenden Männchen auf 241 im Jahr 2015 angewachsen -erheblich mehr, als wir zu hoffen gewagt hatten. Das sind gute Nachrichten!

Herzlicher Dank allen ehrenamtlichen Erfassern, deren Einsatz die flächen- deckende Kartierung im Jahr 2015 ermöglicht hat!

Reviere des Ortolans in Franken - Ergebnisse der flächendeckenden Kartierungen | © LBV © LBV
Reviere des Ortolans in Franken - Ergebnisse der flächendeckenden Kartierungen. Zu beachten ist, dass der Landkreis Würzburg, der sich am westlichen Rand des Verbreitungsgebietes befindet, in den Jahren 1987/88 nicht miterfasst wurde, später aber doch.

Die Bestandszuwächse sind jedoch noch kein Grund für Jubelstürme: Ein großer Teil der Männchen ist nicht verpaart - die Zahl der Reviere entspricht also nicht der Zahl der Brutpaare. Deshalb dürfte der aktuelle bayerische Brutbestand deutlich weniger als 200 Paare umfassen. Und eine derart kleine Population kann rasch an den Rand des Aussterbens gedrängt werden - dafür würden schon wenige aufeinander folgende Jahre genügen, in denen ungünstige Wetterbedingungen in der empfindlichen Huder- und Nestlingsphase für Einbußen beim Nachwuchs sorgen.

Trotz der aktuellen Bestandszunahme bleibt die Lage also kritisch, und der Ortolan läuft in Bayern nach wie vor Gefahr, auszusterben. Deshalb arbeiten wir weiterhin mit Hochdruck daran, die Brutbedingungen für den Ortolan zu verbessern und den Verlust weiterer wertvoller Lebensräume - zum Beispiel in Flurbereinigungsverfahren - zu verhindern.

Brutsaison 2014: Der befürchtete starke Einbruch des Brutbestands bleibt aus

Ortolan sitzt singend auf einem stärkeren Ast | © H.-J. Fünfstück © H.-J. Fünfstück
Immer noch ein seltener Anblick: ein singendes Ortolan-Männchen

Für das Jahr 2014 befürchteten wir einen starken Rückgang der Population des Ortolans in Bayern: Im Vorjahr regnete es außergewöhnlich viel - und dies gerade während der Zeit, in der die kleinen, empfindlichen Ortolan-Küken in den Nestern saßen. So wurden im Jahr 2013 sicherlich nur wenige Bruten flügge.

Dennoch blieb im Jahr 2014 der erwartete deutliche Rückgang der Population aus: Gegenüber dem Vorjahr hat der Bestand in den LBV-Probeflächen nur um circa ein Zehntel abgenommen. Eine große Erleichterung für die Ortolan-Schützer des LBV, denn die bayerische Population steht ja immer noch am Rande des Aussterbens.

Besonders erfreulich ist, dass in diesem Jahr die Witterung in der sensiblen Küken- und Nestlingsphase sehr trocken war. Das gibt Anlass zur Hoffnung, dass dieses Jahr wieder viele junge Ortolane ausfliegen konnten und so die Verluste des Vorjahres etwas ausgeglichen wurden.

180 Äcker für den Ortolan: Landwirte im Einsatz

Ortsansässige Landwirte beobachten mit dem Grettstadter Bürgermeister Ewald Vögler und mit Jürgen Kiefer (Naturschutzbehörde Schweinfurt) einen Ortolan | © LBV © LBV
Ein unauffälliger und versteckt lebender Vogel: Ortsansässige Landwirte beobachten mit dem Grettstadter Bürgermeister Ewald Vögler und mit Jürgen Kiefer (Naturschutzbehörde Schweinfurt) einen Ortolan.

Es ist nicht einfach, den Ortolan in Bayern vor dem Verschwinden zu retten. Zahlreiche Landwirte in Mainfranken beteiligen sich am umfangreichen Schutz-Programm des LBV: Im Jahr 2014 führten sie auf 180 ausgewählten Ackerflächen eine ganz spezielle, ortolangerechte Bewirtschaftung durch. Dazu zählte insbesondere die dünne Ansaat des Getreides, das Anlegen von Blüh- und Kartoffelstreifen und der Verzicht auf Dünge- und Spritzmittel.

Einige Landwirte konnten diesjahr erstmals einen Ortolan eingehender beobachten und seinen melodischen Gesang wahrnehmen: Ortolan-Exkursionen des LBV boten hierzu eine optimale Gelegenheit. Besonderer Dank gilt den ehrenamtlichen Ortolan-Erfassern Harald Vorberg und Karl und Helene Günzel, die eine mit knapp 30 Teilnehmern sehr gut besuchte Führung bei Grettstadt veranstalteten.

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