Ortolan Brutsaison 2015
Flächendeckende Kartierung 2015: Der Ortolan-Bestand in Bayern nimmt wieder zu!
Seit den 1980er Jahren ging der Bestand des Ortolans in Bayern erschreckend zurück: von circa 890 auf nur noch 363 erfasste Reviere im Jahr 2003 und 2009 konnten sogar nur noch 178 Reviere nachgewiesen werden. Dies entspricht einem Rückgang von 80% gegenüber den 80er Jahren! Aber vielleicht haben die Schutzmaßnahmen der letzten Jahre eine Trendwende bewirken können? Darauf deuten die Ergebnisse unserer aktuellen flächendeckenden Kartierung im Jahr 2015 hin.
Tatsächlich schienen sich auf ausgewählten Probeflächen, in denen wir die Bestände jährlich erfassen, schon in den letzten Jahren die Bestände zu stabilisieren. Aber war das auch außerhalb der Probeflächen der Fall? Diese wichtige Frage haben erst 2015 die fast 40 ehrenamtlichen LBV-Mitarbeiter beantwortet, die im Mai 2015 in Franken unterwegs waren, um auch den letzten Ortolan in den entlegensten Teilen seines ehemaligen Verbreitungsgebietes aufzuspüren.
Und, ja: Es ist wahr - entgegen allen Befürchtungen hat der Bestand auch außerhalb der LBV-Probeflächen nicht abgenommen, ganz im Gegenteil. Die bayerische Population ist vielmehr seit der letzten flächendeckenden Zählung im Jahr 2009 von 178 singenden Männchen auf 241 im Jahr 2015 angewachsen - erheblich mehr, als wir zu hoffen gewagt hatten. Das sind gute Nachrichten!
Herzlicher Dank allen ehrenamtlichen Erfassern und Erfasserinnen, deren Einsatz die flächendeckende Kartierung im Jahr 2015 ermöglicht hat!
Kleine Population können rasch an den Rand des Aussterbens gedrängt werden
Die Bestandszuwächse sind jedoch noch kein Grund für Jubelstürme: Ein großer Teil der Männchen ist nicht verpaart - die Zahl der Reviere entspricht also nicht der Zahl der Brutpaare. Deshalb dürfte der aktuelle bayerische Brutbestand deutlich weniger als 200 Paare umfassen.
Und eine derart kleine Population kann rasch an den Rand des Aussterbens gedrängt werden - dafür würden schon wenige aufeinander folgende Jahre genügen, in denen ungünstige Wetterbedingungen in der empfindlichen Huder- und Nestlingsphase für Einbußen beim Nachwuchs sorgen.
Trotz der aktuellen Bestandszunahme bleibt die Lage also kritisch, und der Ortolan läuft in Bayern nach wie vor Gefahr, auszusterben. Deshalb arbeiten wir weiterhin mit Hochdruck daran, die Brutbedingungen für den Ortolan zu verbessern und den Verlust weiterer wertvoller Lebensräume - zum Beispiel in Flurbereinigungsverfahren - zu verhindern.
von AHP Ortolan,