Artenhilfsprogramm Ortolan in Bayern
Der Ortolan ist in Bayern stark vom Aussterben bedroht. Um die letzten Vorkommen dieser seltenen Vogelart zu erhalten, koordiniert der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV) bereits seit 2006 das Artenhilfsprogramm (AHP) Ortolan im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Umwelt und seit 2026 im Auftrag der Regierung von Unterfranken.
Als anspruchsvoller Spezialist der Agrarlandschaft benötigt der Ortolan eine kleinräumig strukturierte, vielfältige Umgebung aus Ackerflächen, Brachen und Singwarten wie einzelne Bäumen. Die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft, Flurneuordnungsverfahren, der hohe Flächenverbrauch sowie der Ausbau erneuerbarer Energien führen jedoch zum Verlust genau dieser Lebensräume.
Ziele und Maßnahmen des Artenhilfsprogramms
Das Artenhilfsprogramm Ortolan setzt an mehreren zentralen Punkten an, um den Bestandsrückgang aufzuhalten und geeignete Lebensräume dauerhaft zu sichern.
Lebensräume verbessern – Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft
Ein Schwerpunkt des Programms ist die enge Kooperation mit Landwirtinnen und Landwirten. Gemeinsam wird eine nachhaltige, ortolanfreundliche Bewirtschaftung der Flächen umgesetzt. Beispiele hierfür sind der Verzicht auf Düngung und Pestizide, Bewirtschaftungspausen während der Brutzeit und der Anbau von Feldfrüchten, die für eine Brut geeignet sind. Entstehende Mehraufwände oder Ertragsverluste werden durch Entschädigungszahlungen ausgeglichen.
Bestände erfassen und dokumentieren
Jährliche Bestandserfassungen in bekannten Verbreitungsgebieten liefern wichtige Daten zur Gefährdung einzelner Vorkommen. Zudem bilden die Daten die Grundlage für die gezielte Planung und Erfolgskontrolle der Schutzmaßnahmen. Das Monitoring wird überwiegend von Ehrenamtlichen durchgeführt, die durch das Artenhilfsprogramm koordiniert werden.
Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligung an Verfahren
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Ortolanschutzes ist die Information der Öffentlichkeit. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit wird auf die Gefährdung des Ortolans, die Ursachen seines Bestandsrückgangs und die Bedeutung einer vielfältigen Agrarlandschaft aufmerksam gemacht.
Darüber hinaus bringt sich das Artenhilfsprogramm in Planungs- und Genehmigungsverfahren ein – etwa bei Vorhaben wie Solarparks, Windkraftanlagen oder Flurbereinigungen –, um den Schutz des Ortolans und seiner Lebensräume sicherzustellen.
Forschung, Weiterentwicklung und Vernetzung
Im Rahmen von Diplom- und Masterarbeiten werden bestehende und neue Schutzmaßnahmen wissenschaftlich untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung des Artenhilfsprogramms ein und tragen dazu bei, den Ortolanschutz kontinuierlich zu verbessern.
Zudem wurde in 2025 die Arbeitsgruppe " Ortolanschutz Deutschland" gegründet. Sie vereint Ortolanexperten aus Bayern, Brandenburg, Niedersachsen und weiteren nordostdeutschen Bundesländern, um Wissen zu bündeln, gemeinsame Strategien zu entwickeln und den Schutz des Ortolans bundesweit zu stärken.