Projekt "Mähroboter und die Bewahrung der Artenvielfalt in Gärten"
Naturschutz trifft Technik: Gärten sicher für Igel machen
Wenn Igel im Frühjahr aus dem Winterschlaf erwachen, beginnt für sie die Suche nach Nahrung und sicheren Lebensräumen. Doch in vielen Gärten lauert eine oft unterschätzte Gefahr: Mähroboter. Gemeinsam mit dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) entwickelt der LBV mit Unterstützung aus dem dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) erstmals eine technische Richtlinie, die Mähroboter künftig sicherer für Igel machen soll. Ziel ist es, eine technische Richtlinie zu entwickeln, mit der Hersteller künftig objektiv nachweisen können, ob ihre Geräte Igel zuverlässig erkennen und vor Verletzungen schützen.
Technik lässt sich nicht einfach zurückdrehen – aber sie lässt sich verbessern. Der LBV bringt seine Naturschutz-Expertise ein, während der VDI die technische Regelsetzung übernimmt. Das IZW liefert wissenschaftliche Erkenntnisse zum Verhalten der Tiere.
Gemeinsam schaffen wir eine Grundlage für mehr Verantwortung bei technischen Innovationen.
Projektinfos im Überblick
Projektbeschreibung und Ziele:
- Mähroboter sicherer für Igel machen
- Erarbeitung einer technischen Richtlinie zusammen mit dem Verband deutscher Ingieure (VDI)
Zeitraum: August 2025 – Juli 2027
Projektpartner
- Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV)
- Verein Deutscher Ingenieure (VDI)
- Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
Ansprechpartner:in:

Marie Heuberger marie.heuberger@lbv.de
Förderung
Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert.
Warum sind Igel durch Mähroboter besonders bedroht?
Die Bestände des westeuropäischen Igels gehen immer weiter zurück. Seit 2024 steht er erstmals als „potenziell gefährdet“ auf der internationalen Roten Liste. Neben Ursachen, wie dem Insektenrückgang, dem Einsatz von Pestiziden und der Versiegelung von Grünflächen, machen dem Gartenbewohner auch Mähroboter zu schaffen. Denn die autonom fahrenden Gartenwerkzeuge können bei Igeln zu ernsthaften oder tödlichen Verletzungen führen.
Deutschlandweit nehmen die Verkäufe und der Einsatz von Mährobotern in Gärten zu. Gleichzeitig steigt die Zahl an Igeln mit Schnittverletzungen, die tot aufgefunden oder schwer verletzt in Pflegestationen abgegeben werden. „Da sie bei Gefahr – wie einem herannahenden Mähroboter – verharren und einrollen, anstatt zu flüchten, sind Igel besonders bedroht. . Bisher gibt es noch keine Mähroboter-Modelle, die Igel nachweislich sicher vor einem Zusammenstoß erkennen“, erklärt Dr. Anne Berger, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, die das Projekt mit ihrer jahrelangen Expertise in der Igel-Forschung unterstützt.
Da Igel nachtaktiv sind, könnte man die Möglichkeit des potenziell gefährlichen Aufeinandertreffens von Mähroboter und Igel allein dadurch deutlich senken, dass man Mähroboter nur tagsüber benutzt. Immer mehr Städte setzen deshalb Nachtfahrverbote für Mähroboter um, wie es der LBV bereits seit Längerem für ganz Bayern fordert. Nachts gehört der Garten den Tieren und deshalb sollten Mähroboter dann pausieren. Sie in der Dunkelheit auszuschalten ist immer noch eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen für den Igel und andere Wildtiere im Garten.
Unser Ansatz: Klare Regeln für mehr Sicherheit
Bisher fehlen Normen oder einheitliche Prüfverfahren zur Wildtiersicherheit der Mähroboter. Hier setzt das neue LBV-Projekt an, das vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert wird. Bis Mitte 2027 wird in einem Gremium mit Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft, Technik, Tierschutz und Behörden eine technische Richtlinie erarbeitet.
Mit dieser haben die Hersteller erstmals die Möglichkeit, objektiv nachzuweisen, ob ihre Modelle dieser Norm entsprechend Igel ohne Kontakt erkennen können. „Da Mähroboter ohnehin millionenfach genutzt werden, bringen wir unsere Expertise aus dem Naturschutz ein, um sie für den Igel zumindest sicherer zu machen. Es braucht klare Sicherheitsstandards für diese Gartengeräte. Wir setzen uns für eine Schadensbegrenzung ein und wollen so Verbesserungen für Igel im Garten, auf Golfplätzen und anderen Grünanlagen erreichen", betont LBV-Projektleitung Lisa Schenk
Wie kann man Naturschutz und Technik zusammenbringen?
Der VDI bringt seine Erfahrung in der technischen Regelsetzung in das Projekt ein. Gemeinsam mit den Projektpartnern arbeitet der Verein an klar definierten Prüfverfahren und technischen Anforderungen, mit denen sich künftig bewerten lässt, ob Mähroboter Igel zuverlässig erkennen und Gefahren vermeiden können. Dabei geht es unter anderem um Sensorik, Reaktionszeiten der Systeme und reproduzierbare Testszenarien.
Damit Hersteller die Sicherheit ihrer Geräte objektiv nachweisen können, brauchen wir standardisierte Prüfmethoden und klare technische Kriterien“, sagt Simon Jäckel, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences. „Technische Innovation muss mit Verantwortung einhergehen. Die Richtlinie soll festlegen, unter welchen Bedingungen Mähroboter Igel erkennen müssen und wie ihre Systeme darauf reagieren sollen, zum Beispiel durch sofortiges Stoppen oder Ausweichen. So schaffen wir eine belastbare Grundlage für mehr Wildtiersicherheit in der Praxis“, ergänzt Jäckel.
Naturnahe Gärten ohne Mähroboter immer noch am igelfreundlichsten
Der LBV sieht seine Rolle in diesem Projekt als Problemlöser und wichtiger Brückenbauer bei einem Konflikt zwischen Naturschutz und Technik.
Dennoch gilt: „Selbstverständlich lehnt der LBV den Einsatz von Mährobotern grundsätzlich ab“, versichert Schenk. Denn neben der akuten Verletzungsgefahr für Wildtiere führen Mähroboter zu dauerhaft kurzgemähten Rasenflächen mit viel weniger Artenvielfalt. Auf diesen Flächen finden Tiere wenig Nahrung und Versteckmöglichkeiten.
„Doch solange Mähroboter eingesetzt werden, müssen sie Igel erkennen und die Gefahr für die Tiere muss dringend bestmöglich reduziert werden, weshalb die Erarbeitung einer Richtlinie ein folgerichtige Konsequenz für uns ist“, so die LBV-Projektleitung.
FAQ: Igel und Mähroboter – Fragen zum LBV-Projekt
Bislang gibt es keine einheitlichen Prüfverfahren zur Wildtiersicherheit von Mährobotern, daher auch keine Mähroboter-Modelle, die Igel nachweislich sicher bereits vor einem Zusammenstoß erkennen.
Genau hier setzt das Projekt an. Gemeinsam mit Fachleuten aus Wissenschaft, Technik und Tierschutz entwickeln wir erstmals einheitliche Prüfverfahren und Kriterien im Rahmen einer technischen Richtlinie. Damit können Hersteller künftig objektiv nachweisen, ob ihre Mähroboter Igel zuverlässig erkennen.
Das schafft Transparenz und kann dazu beitragen, dass neue Geräte Wildtiere besser erkennen und vermeiden.
Einige Wildtiere, wie auch der Igel sind nachtaktiv und Mähroboter werden teilweise auch nachts eingesetzt. Zusätzlich verharren Igel bei Gefahr oder rollen sich zusammen, statt zu fliehen. Dadurch sind Igel besonders gefährdet und können sie bei einem Zusammenstoß mit Mährobotern schwer verletzt werden.
Die wichtigste Maßnahme ist: Mähroboter nachts nicht laufen lassen. Igel sind nachtaktiv und streifen in der Dunkelheit durch Gärten. Nachts gehört der Garten den Tieren. Deshalb sollten Mähroboter nur tagsüber betrieben werden.
Das Risiko eines gefährlichen Aufeinandertreffens von Mähroboter und Igel kann man deutlich senken, indem Mähroboter nur tagsüber eingesetzt werden. Viele Städte haben daher bereits Nachtfahrverbote als Schutzmaßnahme eingeführt. Der LBV fordert seit Längerem für ganz Bayern ein Nachtfahrverbot.
Der LBV lehnt den Einsatz von Mährobotern grundsätzlich ab, weil sie Wildtiere verletzen können und dauerhaft kurz gemähte Rasenflächen wenig Lebensraum für Tiere und Artenvielfalt bieten. Gleichzeitig werden Mähroboter bereits millionenfach genutzt. Mit unserem Projekt setzen wir uns deshalb dafür ein, dass diese Geräte künftig sicherer für Wildtiere werden. Unser Ziel ist Schadensbegrenzung: Solange Mähroboter eingesetzt werden, müssen sie Tiere erkennen und stoppen.
In dem Projekt erarbeitet ein Gremium mit Expertisen aus den Bereichen Wissenschaft, Technik, Naturschutz, Tierschutz und Behörden gemeinsam an einer technischen Richtlinie. So können die verschiedenen Perspektiven und Erfahrungen zusammen zielführend eingesetzt werden.
Nein. Technik allein kann das Problem nicht lösen. Neben sicheren Geräten braucht es vor allem verantwortungsvolles Verhalten im Garten: Mähroboter nachts ausschalten, seltener mähen und Gärten naturnaher gestalten mit „wilden“ Ecken hilft dem Igel und Artenvielfalt.
Mähroboter halten Rasenflächen meist dauerhaft sehr kurz. Dadurch entstehen strukturarme Flächen mit wenig Artenvielfalt durch fehlende Nahrungsquellen und Versteckmöglichkeiten für viele Tiere. Naturnahe Gärten mit ungemähten Bereichen, heimischen Pflanzen und „wilden“ Ecken z.B. mit Totholz, Hecken oder Laubhaufen sind für Igel und viele andere Arten deutlich wertvoller.
Auch ohne neue Standards können Sie Ihren Garten sofort igelfreundlicher gestalten, denn dieser bietet Nahrung, Verstecke und Durchgänge. Wichtig sind zum Beispiel:
- Mähroboter nachts ausschalten: Nachts gehört der Garten den Tieren.
- Wilde Ecken zulassen: Ein Stück ungemähter Garten hilft Insekten und damit auch dem Igel.
- Unterschlüpfe schaffen: Laubhaufen, Reisighaufen, Totholz oder dichte Hecken bieten Schutz.
- Weniger Technik ist mehr: Ein naturnaher Garten ohne Mähroboter ist immer die beste Lösung für die Artenvielfalt.
- Kleine Durchgänge im Zaun schaffen, damit Igel wandern können