Projekt "Mähroboter und die Bewahrung der Artenvielfalt in Gärten"

Naturschutz trifft Technik: Gärten sicher für Igel machen

Igel im Gras bei Nacht | © Norbert Parmantye © Norbert Parmantye
Besonders in der Dunkelheit können die eingebauten Kameras der Roboter die nachaktiven Tiere - wie den Igel - nur eingeschränkt wahrnehmen.

Wenn Igel im Frühjahr aus dem Winterschlaf erwachen, beginnt für sie die Suche nach Nahrung und sicheren Lebensräumen. Doch in vielen Gärten lauert eine oft unterschätzte Gefahr: Mähroboter. Gemeinsam mit dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) entwickelt der LBV erstmals eine technische Richtlinie, die Mähroboter künftig sicherer für Igel machen soll. Ziel ist es, eine technische Richtlinie zu entwickeln, mit der Hersteller künftig objektiv nachweisen können, ob ihre Geräte Igel zuverlässig erkennen und vor Verletzungen schützen.

Technik lässt sich nicht einfach zurückdrehen – aber sie lässt sich verbessern. Der LBV bringt seine Naturschutz-Expertise ein, während der VDI die technische Regelsetzung übernimmt. Das IZW liefert wissenschaftliche Erkenntnisse zum Verhalten der Tiere.

Gemeinsam schaffen wir eine Grundlage für mehr Verantwortung bei technischen Innovationen.

Projektinfos im Überblick

Projektbeschreibung und Ziele:

  • Mähroboter sicherer für Igel machen
  • Erarbeitung einer technischen Richtlinie zusammen mit dem Verband deutscher Ingieure (VDI)

Zeitraum: August 2025 – Juli 2027

Projektpartner

Ansprechpartner:in:

Marie Heuberger

Marie Heuberger

 

Förderung

Das Logo des LBV symbolisiert den Schutz von Vögeln und Naturschutz in Bayern e. V. durch seine markanten Farben.

Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert.

Warum sind Igel durch Mähroboter besonders bedroht?

Ein Mähroboter zieht seine Bahn über eine Wiese | © Dr. Eberhard Pfeuffer © Dr. Eberhard Pfeuffer

Die Bestände des westeuropäischen Igels gehen immer weiter zurück. Seit 2024 steht er erstmals als „potenziell gefährdet“ auf der internationalen Roten Liste. Neben Ursachen, wie dem Insektensterben, dem Sprühen von Pestiziden und der Versiegelung von Grünflächen, machen dem Gartenbewohner auch Mähroboter zu schaffen. Denn die motorisierten Gartenwerkzeuge können bei Igeln zu ernsthaften oder tödlichen Verletzungen führen.

Deutschlandweit nehmen die Verkäufe und der Einsatz von Mährobotern in Gärten zu. Gleichzeitig steigt die Zahl an Igeln mit Schnittverletzungen, die tot aufgefunden oder schwer verletzt in Pflegestationen abgegeben werden. „Da sie sich bei Gefahr – wie einem herannahenden Mähroboter – einrollen und verharren, anstatt zu flüchten, sind Igel besonders bedroht. Entgegen manchen Werbeversprechen gibt es bisher immer noch keine Mähroboter-Modelle, die Igel nachweislich sicher vor einem Zusammenstoß erkennen“, erklärt Dr. Anne Berger, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. 

Besonders in der Dunkelheit können die eingebauten Kameras die nachaktiven Tiere nur eingeschränkt wahrnehmen. Immer mehr Städte setzen deshalb Nachtfahrverbote für Mähroboter um, wie es der LBV bereits seit Längerem für ganz Bayern fordert. Nachts gehört der Garten den Tieren und deshalb sollten Mähroboter dann pausieren. Sie in der Dunkelheit auszuschalten ist immer noch eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen für den Igel und andere Wildtiere im Garten.

Unser Ansatz: Klare Regeln für mehr Sicherheit

Bisher fehlen Normen oder einheitliche Prüfverfahren zur Wildtiersicherheit der Mähroboter. Hier setzt das neue LBV-Projekt an, das vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert wird. Bis Mitte 2027 wird in einem Gremium mit Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft, Technik, Tierschutz und Behörden eine technische Richtlinie erarbeitet.

Mit dieser haben die Hersteller erstmals die Möglichkeit, objektiv nachzuweisen, ob ihre Modelle dieser Norm entsprechend igelschonend sind. „Da Mähroboter ohnehin millionenfach genutzt werden, bringen wir unsere Expertise aus dem Naturschutz ein, um sie für den Igel zumindest sicherer zu machen. Es braucht klare Sicherheitsstandards für diese Gartengeräte. Wir setzen uns für eine Schadensbegrenzung ein und wollen so Verbesserungen für Igel im Garten, auf Golfplätzen und anderen Grünanlagen erreichen", betont LBV-Projektleitung Lisa Schenk

Wie kann man Naturschutz und Technik zusammenbringen?

Der VDI bringt seine Erfahrung in der technischen Regelsetzung in das Projekt ein. Gemeinsam mit den Projektpartnern arbeitet der Verein an klar definierten Prüfverfahren und technischen Anforderungen, mit denen sich künftig bewerten lässt, ob Mähroboter Igel zuverlässig erkennen und Gefahren vermeiden können. Dabei geht es unter anderem um Sensorik, Reaktionszeiten der Systeme und reproduzierbare Testszenarien. „

Damit Hersteller die Sicherheit ihrer Geräte objektiv nachweisen können, brauchen wir standardisierte Prüfmethoden und klare technische Kriterien“, sagt Simon Jäckel, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences. „Technische Innovation muss mit Verantwortung einhergehen. Die Richtlinie soll festlegen, unter welchen Bedingungen Mähroboter Igel erkennen müssen und wie ihre Systeme darauf reagieren sollen, zum Beispiel durch sofortiges Stoppen oder Ausweichen. So schaffen wir eine belastbare Grundlage für mehr Wildtiersicherheit in der Praxis“, ergänzt Jäckel.

Naturnahe Gärten ohne Mähroboter immer noch am igelfreundlichsten

Igelfamilie | © Dieter-Hopf © Dieter-Hopf

Der LBV sieht seine Rolle in diesem Projekt als Problemlöser und wichtiger Brückenbauer bei einem Konflikt zwischen Naturschutz und Technik.

Dennoch gilt: „Selbstverständlich lehnt der LBV den Einsatz von Mährobotern grundsätzlich ab“, versichert Schenk. Denn neben der akuten Verletzungsgefahr für Wildtiere führen Mähroboter zu dauerhaft kurzgemähten Rasenflächen mit viel weniger Artenvielfalt. Auf diesen Flächen finden Tiere wenig Nahrung und Versteckmöglichkeiten. „Doch solange Mähroboter eingesetzt werden, müssen sie Igel erkennen und die Gefahr für die Tiere muss dringend bestmöglich reduziert werden, weshalb die Erarbeitung einer Richtlinie ein folgerichtige Konsequenz für uns ist“, so die LBV-Projektleitung.

Was jeder und jede selbst zu Hause tun kann:

Auch ohne neue Standards können Sie Ihren Garten sofort igelfreundlicher gestalten:

  • Mähroboter nachts ausschalten: Nachts gehört der Garten den Tieren.
  • Wilde Ecken zulassen: Ein Stück ungemähter Garten hilft Insekten und damit auch dem Igel.
  • Unterschlüpfe schaffen: Laubhaufen, Totholz oder dichte Hecken bieten Schutz.
  • Weniger Technik ist mehr: Ein naturnaher Garten ohne Mähroboter ist immer die beste Lösung für die Artenvielfalt.

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