Achtung vor Mährobotern im Garten

Große Verletzungsgefahr bei Igeln und anderen Gartentieren

Bayerns Igel leben gefährlich. Selbst in ihren „Schlafzimmern“ im Garten sind sie nicht mehr sicher. Ihre übermächtigen Gegner: motorisierte Gartenwerkzeuge wie Mähroboter und Fadenmäher. Durch Rasenroboter haben kleine Säugetiere wie Igel, aber auch Blühpflanzen, Insekten, Amphibien und Spinnentiere keine Chance im Garten zu überleben.

Mähroboter | © Martina Gehret © Martina Gehret
Kleine Igel passen unter einen Rasenroboter

Da die Bedienungsanleitung der Hersteller darauf hinweist, dass das Gerät nicht unbeaufsichtigt im Beisein von Kindern und Haustieren arbeiten darf, lassen die meisten Besitzer ihren Mähroboter nachts laufen. Dies kann jedoch tödlich für Igel und viele andere nachtaktive Tiere ausgehen. Das zeigt auch unsere Nachfrage bei vielen Igelstation, deren Zulauf stark verletzter Tiere durch elektrische Gartengeräte parallel zu den Verkaufszahlen der Mähroboter angestiegen ist. Da Igel bei Gefahr nicht fliehen, sondern sich zusammenrollen, sind sie besonders gefährdet.

Nicht nur lebensgefährlich, sondern entzieht auch Nahrungsgrundlage

Durch einen Mähroboter verletzter Igel | © Karin Oehl © Karin Oehl
Durch Roboter verletzter Igel

Mähroboter sind auf dem Vormarsch und liegen im Trend. Doch durch die automatisierte tägliche Pflege eines scheinbar perfekten Rasens haben Blühpflanzen, Insekten, Amphibien, Spinnentiere und auch kleine Säugetiere keine Chance in unseren Gärten mehr. Rasenmähroboter machen das Leben vielleicht kurzzeitig bequemer, doch die Artenvielfalt hat in Robotergärten keine Chance mehr.

Geräte sind eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Igel und andere Gartentiere. Bestätigt werden wir durch Zahlen aus der Schweiz. „Im vergangenen Jahr wurden zu uns 20 durch Rasenroboter verletzte Igel gebracht“, so Erika Heller, die Leiterin der Igelstation in Winterthur, gegenüber dem LBV.

Darüber hinaus entziehen die Mähroboter dem Igel zusätzlich seine Nahrungsgrundlagen. So ist er auch noch gezwungen, längere und gefährlichere Wege auf der Suche nach Nahrung zurücklegen oder er kann sich nicht genügend Fettreserven für seinen Winterschlaf anfressen. Anstatt diesen Teufelskreislauf mit Mährobotern zu befeuern, sollte jeder Gartenbesitzer lieber auf Artenreichtum achten und auf die elektrischen Helfer verzichten.

Stiftung Warentest zeigt: Nach wie vor große Mängel bei Rasenrobotern

Ein aktueller Test von Rasenmährobotern der Stiftung Warentest zeigt, dass bei der Sicherheit nach wie vor große Mängel bestehen. Von den acht geprüften Geräten bekamen in dieser Kategorie alle Mähroboter lediglich ein „ausreichend“. Die Sicherheitsmängel zweier Rasenroboter waren sogar so gravierend, dass sie komplett durch den Test durchgefallen sind.

Getestet wurde die Sicherheit mit Erwachsenen- und Kinder-Prüffüßen sowie Prüfarmen mit Fingerelementen. Bei Teilen des Fußes kann es zu deutlichen Schnittverletzungen kommen. Ausgestreckte Hände wurden von keinem der geprüften Rasenroboter als Hindernis erkannt. „Ebenso wie der Mähroboter keine Prüfkörperteile erkennt, die unter den Geräterand passen, werden auch keine kleinen Igel, Kröten, Eidechsen oder Insekten als Hindernis erfasst“, so die LBV-Igelexpertin.

So können die Geräte Igel skalpieren und kleine Tiere auch ganz überrollen und zerhäckseln. „Da die meisten angemähten Tiere aber einfach entsorgt werden, gehen wir von einer hohen Dunkelziffer an Fällen aus“, befürchtet die LBV-Expertin.

Zwar weisen die Bedienungsanleitung der Hersteller darauf hin, dass das Gerät am besten tagsüber und nicht unbeaufsichtigt arbeiten darf. „Aber genau aus dem Grund, fürs Rasenmähen nicht zuhause sein zu müssen, kauft man sich doch so ein Gerät“, erklärt Gehret. Die meisten Besitzer lassen ihren Mähroboter auch noch nachts laufen. Fatal für viele nächtliche Gartenbewohner. „Der nächtliche Mährobotereinsatz kann tödlich für Igel und viele andere nachtaktive Tiere ausgehen“, so Martina Gehret weiter.

Auch Freischneider sind gefährlich für Igel

Ein Igel in der Wiese | © LBV © LBV

Noch gefährlicher für Igel und andere Gartenbewohner als Mähroboter sind Freischneider und Fadenmäher. Mit den motorisierten Sensen werden Rasenkanten und das Grün unter Büschen und Hecken geschnitten, also direkt in das „Schlafzimmer“ von Igel und Co. gemäht. „Hierbei weisen die Hersteller aber nur mangelhaft auf diese Gefahren hin“, beklagt Gehret.

Dabei ist jeder bayerische Garten Teil einer insgesamt 150.000 Fußballfelder großen Privatgartenfläche. Und genau diese riesige, unversiegelte Fläche ist mitten in unseren Siedlungsgebieten oft der einzige Rückzugsort für Tiere wie den Igel.

„Jedes Jahr sterben hunderte von Igel deutschlandweit durch Verletzungen, verursacht durch motorisierte Gartenwerkzeuge. Und nur aus dem Grund, weil die Tiere zur falschen Zeit am falschen Ort geschlafen haben“, so Martina Gehret.

Dabei gibt es eine einfache Lösung: „Etwas mehr Mut zur Wildnis im Garten und einfach mal den Mäher im Schuppen stehen lassen. Das bring nicht nur mehr Freizeit, sondern auch mehr Artenvielfalt in den Garten. Wer dennoch Mähen möchte, sollte vorab unter Hecken und Büschen kontrollieren, ob sich nicht ein Wildtier diesen Ort als Schlafplatz ausgesucht hat“, rät die LBV-Igelexpertin.

Um einen besseren Eindruck von der Zahl der verletzten Tiere zu erhalten, bittet der LBV alle Igelfreunde, durch Mähroboter oder Freischneider verletzte Igel per E-Mail an igel@lbv.de zu melden.

Mehr zum Thema auch unter dem Blog der LBV-Igelexpertin auf www.igel-in-bayern.de

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