Tagfalter-Monitoring Deutschland (TMD) in Bayern

Wie geht es Bayerns Schmetterlingen?

Zwei himmelblaue Bläulinge sitzen auf zarten Pflanzen, verkörpern die Schönheit der Natur und die Mission des LBV.

Schmetterlinge gehören zu den auffälligsten Botschaftern einer vielfältigen Natur. Doch viele Arten sind heute unter Druck: In Deutschland gilt inzwischen fast die Hälfte der etablierten Tagfalter- und Widderchenarten als bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben. Besonders Arten, die auf bestimmte Lebensräume und Pflanzen angewiesen sind, reagieren empfindlich auf Veränderungen ihrer Umwelt.

Umso wichtiger ist es zu wissen, wie sich ihre Bestände tatsächlich entwickeln. Denn einzelne Beobachtungen oder besonders gute und schlechte Schmetterlingsjahre reichen nicht aus, um langfristige Veränderungen zu erkennen. Erst wenn Tagfalter über viele Jahre hinweg nach einer einheitlichen Methode und an möglichst vielen Orten erfasst werden, lassen sich belastbare Trends erkennen: Welche Arten werden seltener? Wo verschwinden Bestände? Und wo zeigen Schutzmaßnahmen Wirkung?

Genau hier setzt das Tagfalter-Monitoring Deutschland an. Die langfristig erhobenen Daten helfen dabei, Veränderungen der biologischen Vielfalt sichtbar zu machen und schaffen eine wichtige Grundlage, um Schutzmaßnahmen gezielt zu entwickeln und ihre Wirkung zu überprüfen.

Was ist das Tagfalter-Monitoring (TMD)?

Das Tagfalter-Monitoring Deutschland (TMD) ist ein bundesweites wissenschaftliches Beobachtungsprogramm zur langfristigen Erfassung von Tagfaltern. Ziel ist es, Veränderungen in Häufigkeit und Verbreitung der Arten systematisch zu dokumentieren und damit eine wichtige Grundlage für Naturschutz, Forschung und Umweltpolitik zu schaffen. Koordiniert wird das TMD auf Bundesebene durch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in enger Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz (GfS).

In Bayern wird das Monitoring aktuell durch eine Kooperation von GfS, UFZ und dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) gezielt intensiviert. Gefördert wird diese Intensivierung des Monitorings durch die Lesserstiftung für Naturschutz.

Schwerpunkt der Intensivierung in Bayern

Ziel des LBV mit dem Projekt ist es, die Datengrundlage quantitativ sowie qualitativ zu verbessern. Dabei stehen insbesondere folgende Maßnahmen im Fokus:

  • Reaktivierung ehemaliger Transekte
    Viele früher betreute Beobachtungsstrecken (Transekte) sind aktuell nicht mehr aktiv. Diese sollen gezielt „wiederbelebt“ werden.
  • Etablierung neuer Transekte
    Neue Kartierstrecken werden dort eingerichtet, wo sie besonders sinnvoll sind und kontinuierlich begangen werden können – z. B. in der direkten Umgebung von Hochschulen und Universitäten.
  • Schließen von Kartierungslücken
    Kartierungslücken in Bayern sollen besser abgedeckt werden.

Ein wichtiger Baustein des Projekts ist die Mitarbeit der LBV-Hochschulgruppen und den jeweiligen Universitäten und Hochschulen. Sie engagieren sich bereits aktiv und leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Verdichtung des Monitoringnetzes durch die Reaktivierung ehemaliger Transekte im Umfeld von Hochschulen sowie durch die Anlage neuer Transekte in direkter Nähe der Universitätsstandorte

Beitrag zum Grassland-Butterfly-Index (GBI)

Die Daten des TMD fließen unter anderem in den GBI (Grünland-Schmetterlings-Index) ein. Dieser  

  • ist ein europaweit anerkannter Indikator für den Zustand von Grünlandökosystemen
  • wird zur Bewertung von Biodiversitätszielen genutzt (z. B. auf EU-Ebene)
  • zeigt langfristige Trends von typischen Wiesenarten

Partner

Gefördert durch

Lesser Stiftung für Naturschutz

Ansprechpartner

Ihre Fragen zum Projekt beantwortet Simon Habermann

Methodik - So funktioniert das Tagfaltermonitoring

Transekt
Der Kartier-Korridor eines Transekts von 5 × 5 × 5 m

Das TMD verwendet die standardisierte Linientransekt-Methode nach Pollard, die als europäischer Standard für das langfristige Monitoring von Tagfaltern gilt.

Was genau ist ein Transekt?

Ein Transekt ist ein nach bestimmten Kriterien festgelegter Abschnitt aus der Landschaft entlang einer geraden Linie. Ein Transekt wird in 50-m-Abschnitte gegliedert. Die Gesamtlänge ist nicht starr vorgegeben und richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten, wobei längere Transekte in der Regel repräsentativere Daten liefern.

Wie findet die Transekt-Begehung statt?

Für die Zählung wird das Transekt in einem langsamen und gleichmäßigen Tempo abgeschritten und alle Schmetterlinge registriert, die bis etwa 2,5 m rechts und links des Weges sowie 5 m davor und darüber zu sehen sind. Dieser gedachte „Kartier-Korridor“ von 5 × 5 × 5 m ist einzuhalten, damit die Daten mit denen anderer Transekte vergleichbar bleiben. Für 50 m nimmt man sich etwa 5 Minuten Zeit (Unterbrechungen ausgenommen).

Wann sollte man die Begehung vornehmen?

Die Begehungen finden von April bis Ende September bestenfalls wöchentlich zwischen 10 und 17 Uhr statt. Sollten einzelne Termine ausfallen (z. B. aufgrund ungeeigneter Witterung, Krankheit oder Urlaub), hat dies in der Regel keine negative Wirkung auf die Auswertung. Es ist dennoch sinnvoll, eine weitere Person einzuarbeiten, die bei Bedarf vertreten kann.

Erfassungen erfolgen nur bei geeigneten Wetterbedingungen. Dazu gehören:

  • Temperaturen über 13 °C bzw. bei stärkerer Bewölkung (40–80 %) über 17 °C
  • eine maximale Windstärke von 4 (ca. 20 km/h)

Bei großer Hitze kann es zudem zur sogenannten „Hitzeflucht“ kommen, bei der sich Falter in die Vegetation oder in schattige Bereiche zurückziehen.

Bei der Erfassung (auch per App möglich) werden Datum, Uhrzeit, Temperatur, Bewölkung, Windstärke sowie die beobachteten Arten und Individuen festgehalten. Beobachtungen außerhalb des Kartier-Korridors können zusätzlich mitnotiert werden.

Wie oft sollte eine Begehung vorgenommen werden?

Für eine aussagekräftige Datengrundlage sollten zehn Begehungen pro Jahr durchgeführt werden.

Wie genau müssen die Arten bestimmt werden?

Ein Kleiner Kohlweißling, eine weiße Schmetterlingsart, sitzt an einer Blüte und trinkt | © Oliver Wittig © Oliver Wittig
Kleiner Kohlweißling (Pieris rapae) aus dem Artkomplex Pieris rapae/mannii/napi

Bei schwer unterscheidbaren Arten ist es ausreichend, Artkomplexe anzugeben (z. B. Pieris rapae/mannii/napi). Arten, die im Gelände nicht sicher bestimmbar sind (z. B. Leptidea sinapis/juvernica/reali), sollten grundsätzlich als Komplex erfasst werden. Unklare Exemplare sollten möglichst fotografiert (Ober- und Unterseite), um sie später durch Bestimmungshilfen oder Expertinnen und Experten bestimmen zu lassen.

Hilfreich sind außerdem ein freilandtaugliches Bestimmungsbuch sowie – bei Kescherfängen – ein Lebend-Fangbehältnis. Bitte beachten Sie, dass hierfür eine Ausnahmegenehmigung erforderlich ist, welche bei Bedarf über den LBV beantragt werden kann.

Gute Bestimmungsliteratur liefert zusätzlich wichtige Hinweise zu Lebensraum, Flugzeit und Verbreitung der Arten und hilft, die Plausibilität von Bestimmungen einzuschätzen.

Schon gewusst?

BANU-Kurse und -Prüfungen zu Tagfaltern und Widderchen auf verschiedenen Niveaustufen bieten eine gute Möglichkeit, Artenkenntnisse gezielt aufzubauen und nachzuweisen. Der LBV bietet hierfür regelmäßig Kurse und Prüfungen an und begleitet Interessierte auf ihrem Weg zum erfolgreichen Monitoring von Schmetterlingen in Bayern.

Zu den BANU-Prüfungen

So können Sie selbst aktiv werden:

Das Projekt lebt vom Engagement Ehrenamtlicher. So können Sie das Projekt aktiv unterstützen:

  1. eigenes Transekt neu einrichten und übernehmen via Biome
  2. bestehende Strecken/Transekte reaktivieren via Karte unten

Im Zuge der Intensivierung wurden zahlreiche ehemals aktive Transekte identifiziert, die aktuell nicht mehr betreut werden und eine Reaktivierung erfahren sollen. Gerade diese Standorte sind von besonderer Bedeutung, da hier oft lange Zeitreihen von zum Teil über 15 Jahren vorliegen. Die Fortführung dieser Datenreihen ist entscheidend, um langfristige Trends zuverlässig auswerten und Veränderungen in den Beständen belastbar erkennen zu können.

Die Karte zeigt:

  • Lage ehemaliger TMD-Transekte in Bayern
  • Regionen mit besonderem Reaktivierungspotenzial
  • Prioritätsflächen für neue Transekt

Folgendes Transekt möchte ich reaktivieren:

Haben Sie schon Erfahrung im Kartieren von Tagfaltern?*
Bitte addieren Sie 2 und 9.
*Pflichtfeld

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