LBV-Delegierte fordern: Naturschutz stärken statt schwächen
Jahreshauptversammlung in Amberg sendet deutliches Signal an Staatsregierung – Dr. Norbert Schäffer für vierte Amtszeit wiedergewählt
Die bayerische Staatsregierung muss den Schutz der Natur stärken, statt bewährte Naturschutzgesetze aufzuweichen. Diese Forderung senden die Delegierten des LBV auf ihrer Jahreshauptversammlung am 24. Oktober 2026 in Amberg an die Politik.
Staatsregierung sollte Blockadehaltung gegenüber Wiederherstellungsverordnung aufgeben
„Bayern ist stolz auf seine Natur. Doch wer unsere Landschaften, Artenvielfalt und Lebensgrundlagen für kommende Generationen erhalten will, muss sie auch konsequent schützen. Wir brauchen keine schwächeren Naturschutzgesetze, sondern den politischen Willen, bestehende Verpflichtungen endlich umzusetzen“, erklärt der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer, der heute bereits zum vierten Mal an die Spitze des ältesten Naturschutzverbandes Bayerns gewählt wurde.
So fordern die rund 390 anwesenden Naturschützerinnen und Naturschützer die Staatsregierung auf, ihre Blockadehaltung gegenüber der europäischen Wiederherstellungsverordnung aufzugeben, sich auf EU-Ebene für ein starkes Naturschutzrecht einzusetzen und die geplanten Änderungen am Bayerischen Naturschutzgesetz für echte Verbesserungen zu nutzen.
Jetzt stärken, was Bayern stark macht: entschlossener Naturschutz für eine lebenswerte Zukunft!
Mit ihrer Resolution unter dem Motto „Jetzt stärken, was Bayern stark macht: entschlossener Naturschutz für eine lebenswerte Zukunft!“ machen die LBV-Delegierten deutlich, dass Naturschutz keine Belastung für Bayerns Zukunft ist, sondern eine wesentliche Voraussetzung für dessen Wohlstand und Lebensqualität.
„Eine intakte Natur ist kein Luxus, den wir uns nur in guten Zeiten leisten können. Sie ist die Grundlage unseres Wohlstands. Wer heute beim Naturschutz spart oder Schutzstandards abbaut, wird morgen einen wesentlich höheren Preis dafür bezahlen müssen“, betont Schäffer.
Besonders kritisch sehen die Delegierten die Blockadehaltung der Staatsregierung gegenüber der EU-Wiederherstellungsverordnung. Statt deren Umsetzung zu verhindern, müsse Bayern diese Chance nutzen, geschädigte Ökosysteme wiederherzustellen und die Artenvielfalt zu stärken. Auch einer Aufweichung der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) unter dem Deckmantel des Bürokratieabbaus müsse Bayern entschieden entgegentreten. Gemeinsam mit der EU-Vogelschutzrichtlinie bildet sie seit Jahrzehnten das Fundament des europäischen Naturschutzes. „Es ist ein gefährlicher Irrweg, bewährte Naturschutzgesetze plötzlich als Hindernis darzustellen. Die Natur braucht nicht weniger Schutz, sondern mehr Verlässlichkeit“, kritisiert der LBV-Vorsitzende.
Jetzt stärken, was Bayern stark macht: entschlossener Naturschutz für eine lebenswerte Zukunft!
Eine intakte Natur ist die Grundlage für Bayerns Wohlstand und eine lebenswerte Zukunft. Um funktionierende Ökosysteme zu erhalten und zu stärken, bedarf es einer konsequenten Gesetzgebung und engagierten Umsetzung. Aktuell sind auf verschiedenen Ebenen jedoch ein Herabsetzen von Umweltstandards und Angriffe auf bewährte Naturschutzinstrumente zu beobachten, insbesondere durch bayerische Politiker und Politkerinnen.
Die LBV-Delegiertenversammlung fordert die bayerische Staatsregierung auf:
- ihre Blockadehaltung bei der Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung (W-VO) aufzugeben und stattdessen den bayerischen Weg beim Schutz von Natur- und Artenvielfalt fortzuführen. Bayerns Wohlstand basiert auf einer intakten Natur. Um diese zu erhalten und zukunftsfähig zu machen, müssen europäische und bayerische Lösungen gleichermaßen umgesetzt werden.
- sich auf europäischer Ebene gegen eine Schwächung der Vogelschutz- und FFH-Richtlinie einzusetzen. Die Vogelschutz- und FFH-Richtlinie sind bewährte Instrumente mit ausreichend Flexibilität, um den Schutz der biologischen Vielfalt und die Herausforderungen des Klimawandels wirksam zu bewältigen.
- Änderungen im Bayerischen Naturschutzgesetz auf eine Stärkung unserer natürlichen Lebensgrundlagen auszurichten. Die Chance für eine Verbesserung von Gewässerrandstreifen muss mit Blick auf deren zentrale Bedeutung für den Schutz von Artenvielfalt und Wasserhaushalt unbedingt genutzt werden. Um bei der Wiedervernässung von Mooren endlich voranzukommen, muss eine Beschleunigung beispielsweise über die gesetzliche Festlegung von Moorwiedervernässung als überragendes öffentliches Interesse erreicht werden. Die gesetzlichen Vorgaben, die infolge des Volksbegehrens Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“ gemacht wurden, dürfen keinesfalls abgeschwächt werden.
Begründung:
Bayerns Reichtum basiert auf einer starken Natur. Intakte Ökosysteme sind die Grundlage für florierende Wirtschaft, Tourismus und sichere Wohnorte. Durch das Volksbegehren Artenvielfalt – „Rettet die Bienen!” wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Instrumente zum Schutz und zur Stärkung von Arten und Lebensräumen in Bayern geschaffen. Auf europäischer Ebene bilden die W-VO sowie die Vogelschutz- und FFH-Richtlinie eine Grundlage für widerstandsfähige Ökosysteme, die unverzichtbare Leistungen wie Hochwasser- und Klimaschutz, Bestäubung oder sauberes Trinkwasser sichern. Die Kosten für den Verlust dieser Leistungen sind um ein Vielfaches höher als die Investitionen in ihren Erhalt.
Die Staatsregierung darf in ihren Bemühungen nicht nachlassen, sondern muss die Synergien zu europäischen Naturschutzinitiativen nutzen und jahrzehntelange Umsetzungslücken schließen.
Wir müssen jetzt stärken, was Bayern stark macht: konsequenten Naturschutz für eine lebenswerte Zukunft.
Neuwahl des LBV-Vorstands
Der bisherige LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer wurde in Amberg von den 252 LBV-Delegierten mit 95 Prozent der Stimmen für eine vierte Amtszeit bestätigt. „Ich bedanke mich für das Privileg, auch in Zukunft an der Spitze dieses großartigen Verbandes stehen zu dürfen“, so Schäffer.
Als neue Stellvertretende Vorsitzende wurde Brigitte Kraft (Oberallgäu) ins Amt gewählt. Die Diplom-Biologin ist seit über 25 Jahren für den LBV im Einsatz und leitet seit 2005 bis jetzt die LBV-Bezirksgeschäftsstelle in Schwaben.
Erneut ins Amt gewählt wurden Schatzmeister Dr. Ludger Arnoldussen (Ebersberg), Schriftführer Frank Reißenweber (Coburg) sowie Doris Thurau (Garmisch-Partenkirchen) als Beisitzerin.
Neue Mitglieder im Vorstand sind Markus Bachmann (Ansbach) und Martin Trapp (Augsburg) als weitere Beisitzer.
Abschied bisheriger LBV-Vorstandsmitglieder
Der bisherige Stellvertreter Hartwig Brönner (Main-Spessart), Ursula Schmidt-Hoensdorf (Erding), Dr. Rolf Helfrich (Bamberg) waren nicht mehr zur Wahl angetreten. Norbert Schäffer würdigte ihr Engagement mit den Worten:
„Mein bisheriger Stellvertreter Hartwig Brönner hat mich in den vergangenen fünf Jahren mit seinem Sachverstand intensiv unterstützt und bei zahlreichen Veranstaltungen den LBV vertreten. Besonders hervorzuheben ist sein Engagement in seiner Heimatregion Main-Spessart, seit 1998 im Vorstand der Kreisgruppe, sowie im Bereich Internationales und der Vogelkunde.
Ursula Schmidt-Hoensdorf hat mir ihrer juristischen Fachexpertise den LBV-Vorstand in den vergangenen vier Jahren bereichert. Auch durch ihr langjähriges Engagement in ihrer Heimat-Kreisgruppe Erding, seit 2019 als Vorständin, hat sie Ehrenamtspraxis, Begeisterung für die Natur und juristisches Wissen in besonderer Weise miteinander verbunden.
Dr. Rolf Helfrich hat sich mit seinem naturschutzfachlichen Wissen seit 2018 in den Vorstand eigebracht und hiermit deutliche Akzente gesetzt. Seine Erfahrungen aus seinen verschiedenen beruflichen Stationen, zum Beispiel bei einer Vogelschutzwarte oder dem bayerischen Umweltministerium, konnte er zu vielen Fragen einbringen.“
Ehrungen für ehrenamtlichen Einsatz im Naturschutz
An der Delegiertenversammlung wurden folgende Kreisgruppenvorsitzende wurden für ihr langjähriges Engagement geehrt:
- Christoph Daniel (Erlangen-Höchstadt, 10 Jahre),
- Zeno Bäumler (Schwandorf, 10 Jahre),
- Klaus Sanzenbacher (Kitzingen, 10 Jahre) und
- Gerhard Kinshofer (Miesbach, 30 Jahre).
Außerdem wurden LBV-Gruppen ausgezeichnet, die im vergangenen Jahr mit besonderem Engagement neue Mitglieder für den LBV gewonnen haben. In fünf Kategorien würdigten wir damit die wertvolle Arbeit unserer Ehrenamtlichen, die maßgeblich dazu beitragen, immer mehr Menschen für den Natur- und Artenschutz zu begeistern.
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