Hier hat der Brachvogel eine Chance
LBV zeichnet 14 Betriebe in Bayern für besonderen Einsatz zum Schutz des Wiesenvogels aus
Die Trockenlegung von Mooren und Feuchtgebieten sowie die intensive Düngung der Wiesen haben den Brachvogel in Bayern an den Rand des Aussterbens gebracht. Um den seltenen Wiesenvogel zu schützen, leisten Landwirte und Landwirtinnen einen wichtigen Beitrag: Sie passen die Mahd an, legen Flachwassermulden an und schützen die Gelege. Für diesen besonderen Einsatz hat der LBV heute bei einem Festakt in Pfaffenhofen an der Ilm 14 bayerische landwirtschaftliche Betriebe aus den Landkreisen Donau-Ries, Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen an der Ilm, Fürstenfeldbruck, Starnberg, Berchtesgadener Land, Straubing-Bogen, Regensburg und Ansbach ausgezeichnet. „Die ausgezeichneten Landwirte und Landwirtinnen zeigen, dass Landwirtschaft und Artenschutz Hand in Hand gehen können. Mit ihrem Engagement geben sie dem bedrohten Brachvogel eine Zukunft in unserer Kulturlandschaft“, sagt LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer.
Aus dem Ampermoos (Landkreise Fürstenfeldbruck und Starnberg) wurden das Ehepaar Willy Schamberger und Alrun Faber und die Landwirte Ludwig und Thomas Steber geehrt. Sie mähen ihre feuchten Streuwiesen in enger Abstimmung mit den Gebietsbetreuern, dem Landschaftspflegeverband und den Naturschutzbehörden und setzen leichte Maschinen, breite Reifen sowie möglichst insektenschonende Mähtechnik ein. Gemeinsam haben die Landwirte mit der Pflege der Streuwiesenentscheidend dazu beigetragen, dass der Brachvogel im Ampermoos wieder mit zehn bis elf Paaren brütet.
Im Feilenmoos im Paartal (Lkr. Pfaffenhofen) nimmt Rupert Ritzer seit Jahrzehnten in enger Abstimmung mit dem LBV Rücksicht auf den Brachvogel. Seine Begeisterung ist ungebrochen: „Wenn man dem Vogel zuschaut – das ist eine Sensation wie der fliegt!“ Sein Enkel führt das Engagement fort.
Im oberbayerischen Donaumoos (Lkr. Neuburg-Schrobenhausen) erhielten Rainer Wenger und Andreas Winter die Auszeichnung. Feuchte Mulden auf ihren Wiesen sichern auch in Trockenzeiten Nahrung, Frühmahdstreifen ermöglichen es außerdem den Küken, sich ungehindert zu bewegen.
Im bedeutenden Wiesenbrütergebiet Haarmoos im Berchtesgadener Land engagiert sich die Familie Hofmeister bereits in dritter Generation. Sie unterstützt den LBV unter anderem bei der extensiven Grünlandpflege und der Betreuung von Zäunen für den Gelegeschutz. Ebenfalls ausgezeichnet wurde Florian Prechtl aus dem Berchtesgadener Land.
Mit viel Herzblut pflegt Michael Bachmann Wiesen im schwäbischen Naturschutzgebiet Pfäfflinger Wiesen (Lkr. Donau-Ries). Vor der Mahd werden sensible Flächen mit einer Drohne kontrolliert. Sind dort Küken, verschiebt Bachmann die Mahd. Die Biolandwirtin Anna-Maria Bissinger unterstützt den Brachvogel in der Mertinger Höll im Donau-Ries mit mehreren Maßnahmen: Sie verzichtet auf Düngung, legt Frühmahd- und Altgrasstreifen an und hält feuchte Mulden für die Vögel zugänglich.
Im mittelfränkischen Wiesmet (Lkr. Ansbach) wurden Herbert Ströhlein und Thomas Höger ausgezeichnet. Beide stimmen Mahdtermine eng mit der Gebietsbetreuung ab und reagieren flexibel auf die Bedürfnisse der Brachvögel, etwa mit Frühmahdstreifen.
Auch Franz Bogenberger aus der Oberpfalz (Lkr. Regensburg) engagiert sich besonders für den Brachvogel. Im Naturschutzgebiet Gmünder Au bewirtschaftet er Wiesen innerhalb großflächiger Schutzzäune und stimmt die Mahd mit der Gebietsbetreuung Donautal ab.
Der niederbayerische Landwirt Hubert Reich bewirtschaftet Grünland im Donautal (Lkr. Straubing-Bogen) bei Niederwinkling. Er kennt die Brachvögel auf seinen Flächen so gut, dass er die Mahd bei Bedarf eigenständig verschiebt, um Gelege und Küken zu schützen.
Kurzfilm-Premiere: Brachvogelschutz in der Landwirtschaft
Beim Festakt im Stockerhof in Pfaffenhofen an der Ilm feierten auch zwei Kurzfilme Premiere, die zwei engagierte Landwirte porträtieren. „Dank der Unterstützung der Stiftung Bayerisches Naturerbe konnten Filme entstehen, die weitere Betriebe zum Brachvogelschutz motivieren sollen“, sagt LBV-Landwirtschaftsreferent Matthias Luy. Als Dank für ihr Engagement erhielten die ausgezeichneten Landwirtinnen und Landwirte Brachvogelschutz-Plaketten sowie Nistkästen und Insektennisthilfen.
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