Der Jenner als Ort der Wertschöpfung durch Tourismus ist an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten
Pressestatement des LBV-Geschäftsführers Helmut Beran zur Pressekonferenz der Freien Wähler „Wertschöpfung durch Tourismus“ im Rahmen ihrer Winterklausur in Berchtesgaden
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LBV-Geschäftsführer Helmut Beran:
„Dass die Freien Wähler das Thema „Wertschöpfung durch Tourismus“ ausgerechnet auf dem Jenner inszenieren, ist an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten. Die private Jennerbahn in Berchtesgaden ist ein Paradebeispiel dafür, dass Investitionen in die Ski-Infrastruktur trotz massiver staatlicher Förderung keine Zukunftsperspektive für unsere bayerischen Alpen darstellen. Nachdem der Neubau bereits mit 10,5 Millionen Euro von der Bayerischen Staatsregierung subventioniert worden war, waren weitere öffentliche Gelder notwendig, um den defizitären Winterbetrieb überhaupt aufrechtzuerhalten. So hat die Gemeinde Schönau beschlossen, ihre Unterstützung von zuvor 30.000 auf dann 300.000 Euro pro Jahr zu erhöhen. Dabei hatte der Bürgermeister sogar eingestanden, dass für diese Subventionierung Kürzungen an anderer Stelle im Gemeindehaushalt vorgenommen werden mussten. Und als wäre das nicht schon genug, hat der Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG Ende 2023 das endgültige Aus des klassischen Skibetriebs am Jenner aufgrund der unrentablen Entwicklung bekannt gegeben. Künftig soll der Schwerpunkt am Jenner auf sanftere Formen des Wintertourismus gelegt werden.
In Bayern wird die Modernisierung von Skigebieten durch klimaschädliche staatliche Subventionen unterstützt. Wer Skigebiete mit den Steuergeldern der Bürgerinnen und Bürger fördert, treibt damit die Zerstörung der letzten naturnahen Lebensräume in den deutschen Alpen voran. Inmitten der Klimakrise ist das absurd. Der LBV fordert daher seit Jahren den Ausbau eines naturverträglichen Tourismus ohne klimaschädliche Subventionen für die Skiinfrastruktur. Offensichtlich mussten jedoch erst 10,5 Millionen Euro Steuergelder verpulvert werden, bevor sich diese Erkenntnis bei den Verantwortlichen durchsetzte.“
Hintergrund:
Nach den Beschlüssen zu schonenderen Formen des Wintertourismus in der Region hat der LBV weitere Maßnahmen gefordert. So soll beispielsweise der Sessellift am Mitterkaser abgebaut werden, da dieser bisher ausschließlich für den Skibetrieb genutzt wurde und künftig nicht mehr benötigt wird. Der Lift stellt eine Gefahrenquelle für Tierarten wie das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn dar, das in der Region noch vorkommt. Durch den überdimensionierten und mit hohen Steuergeldern geförderten Ausbau der Jennerbahn vor einigen Jahren wurde der heimische Birkhuhnbestand bereits erheblich gefährdet. Der Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt ist ein zentrales Anliegen des LBV – gerade im betroffenen Gebiet an der Grenze zum Nationalpark Berchtesgaden. Die Beseitigung stillgelegter Nebenbahnen muss die logische Konsequenz sein, um die Überlebenschancen der bedrohten Raufußhühner zu erhöhen. Die Entwicklung am Jenner sollte auch ein deutliches Signal für andere Skigebiete in Bayern sein. Obwohl Umweltverbände wie der LBV immer wieder mahnen, werden weiterhin Bahnneubauten und der Ausbau von Beschneiungsanlagen geplant – beispielsweise an der Kampenwand und am Götschen in der Nähe des Jenners. Der LBV fordert daher die Abschaffung der staatlichen Seilbahnförderung.