Ortolan Brutsaison 2024 in Bayern

Tiefstand seit Beginn des Artenhilfsprogrammes

In diesem Jahr sank die Anzahl der singenden Ortolanmännchen in den acht Probeflächen auf einen neuen Tiefstand von 64 im Vorjahr auf nur noch 54 Reviere. Dies entspricht einem Rückgang von mehr als 15 % im Vergleich zum Vorjahr und ist der niedrigste Wert seit Beginn des Artenhilfsprogramms (AHP) im Jahr 2006. Der aktuelle Durchschnittswert über 19 Jahre liegt bei etwa 82 Revieren, die letzten drei Jahre unterschreiten diesen deutlich. In den guten Jahren 2011 und 2013 war der Bestand mit jeweils 104 Revieren fast doppelt so hoch wie in 2024. Es gab immer wieder schlechte Jahre mit niedrigen Revierzahlen, jedoch hielt ein derartiger Einbruch nie länger als zwei Jahre in Folge an, bevor eine Erholung einsetzte.

In den letzten Jahren hingegen gingen die Werte konstant nach unten- eine alarmierende Situation, denn eine derart geschwächte Population ist damit akut vom Aussterben bedroht.

Wetter spielt entscheidende Rolle

Ortolan | © Hans-Joachim Fünfstück © Hans-Joachim Fünfstück

Das Wetter spielt eine entscheidende Rolle für den Bruterfolg des Ortolans– und 2024 war erneut ein herausforderndes Jahr. Während der Frühling zunächst mit warmen Temperaturen und wenig Regen begann, sorgten Mai und Juni für außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen. Am 4. Mai gab es in Franken Starkregen und viele traditionell besiedelte Brutflächen des Ortolans standen noch tagelang unter Wasser. Anfang Juni führten Unwetter erneut dazu, dass in einigen Gebieten Flächen überschwemmt wurden, diesmal hauptsächlich im Landkreis Kitzingen. Vor allem in Großlangheim stellten die Erfasser fest, dass viele Ortolane, bei denen vorher Brutverdacht bestand, offensichtlich verschwunden waren. Bei den übrigen dürfte die ungünstige Witterung und die daraus resultierende schlechte Insektenentwicklung zu Nahrungsmangel bei der Jungenaufzucht und damit zu geringem Bruterfolg geführt haben.

In der Brutsaison 2024 wurden bayernweit Schutzmaßnahmen auf 249 landwirtschaftlichen Flächen mit einer Gesamtfläche von 104,5 ha von 76 Landwirtinnen und Landwirten umgesetzt. Um den Schutz des Ortolans weiter zu intensivieren, wurde das Team des Artenhilfsprogramms um eine neue Mitarbeiterin erweitert. Ziel ist es, noch mehr Flächen und Schutzmaßnahmen umzusetzen, um den Lebensraum des Ortolans langfristig zu sichern und seine Population zu stabilisieren. Eine große Herausforderung- denn zusätzlich zu den seit mehreren Jahren ungünstigen Bedingungen während der Brutzeit macht den Ortolanen auch zu schaffen, dass sich die Überwinterungsgebiete südlich der Sahara verschlechtern. Dort wird die Landnutzung intensiviert, was auch vielen anderen Langstreckenziehern Probleme bereitet.

von AHP Ortolan,

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