Ortolan Brutsaison 2023 in Bayern

Forschungsergebnisse liegen vor

Bioakustik-Workshop mit (v.l.) Paweł Szymański, Dagmar Kobbeloer, Tereza Petrusková, Marlis Heyer, Lisa Gill und Lia Zampa | © LBV © LBV
Bioakustik-Workshop mit (v.l.) Paweł Szymański, Dagmar Kobbeloer, Tereza Petrusková, Marlis Heyer, Lisa Gill und Lia Zampa.

In diesem Jahr ist die Anzahl der singenden Ortolan Männchen auf 64 gesunken, drei weniger als im Vorjahr. Die beiden letzten Jahre liegen somit deutlich unter dem aktuellen Durchschnitt, der in 18 Erfassungsjahren 83,8 Reviere (singende Männchen) beträgt. In der Brutsaison 2023 wurden auf 229 Flächen Schutzmaßnahmen mit einer Gesamtfläche von 75 ha umgesetzt. Daran waren 76 kooperierende Landwirtinnen und Landwirte beteiligt.  

Forschung

Im Jahr 2022 wurde eine Pilotstudie durchgeführt, bei der durch intensive Beobachtungen während der Brutsaison diverse Daten erhoben wurden. Diese Daten wurden im Rahmen einer Masterarbeit ausgewertet, deren Ergebnisse nun vorliegen. Es konnte nachgewiesen werden, dass die vom AHP vermittelten, landwirtschaftlichen Maßnahmenflächen sowie generell eine diverse Landschaft den Bruterfolg des Ortolans erhöhen. Außerdem korreliert die Größe der Singgemeinschaft mit dem Bruterfolg, weshalb ein Zerschneiden bestehender Singgemeinschaften vermieden werden sollte.  

Die Pilotstudie zeigte jedoch, dass einige für den effektiveren Schutz der Ortolanbruten benötigte Daten nicht durch nicht-invasive Methoden gewonnen werden können. Aus diesem Grund hat sich das AHP für einen neuen spannenden Ansatz interessiert, den der Bioakustik. Forschungsarbeiten zum Ortolan haben gezeigt, dass jedes Individuum durch sein Gesangsrepertoire eindeutig erkannt werden kann. Dies könnte wichtige offene Fragen zu Rückkehr- und Überlebensraten, Lebensdauer, Dispersion und dem Umfang von Singgemeinschaften beantworten. Das AHP hat daher Kontakt mit Expertinnen und Experten in diesem Gebiet gesucht und Ende April 2023 einen 3-tägigen Bioakustikworkshop in der Nähe von Würzburg organisiert. Daran nahmen Paweł Szymański aus Polen mit seiner Doktorandin Lia Zampa aus Italien teil, sowie Tereza Petrusková von der Universität Prag und Lisa Gill vom Bioakustikteam des LBV (siehe Abbildung).  Sie zeigten uns, mit welchen Geräten und welcher Methodik sie die Aufnahmen machen, welche Software sie zur Auswertung verwenden und was sie bisher herausfinden konnten.

Eine Fortführung dieses Ansatzes finden wir im AHP sehr wünschenswert, dies müsste aber wieder als Forschungsprojekt aufgezogen werden, da viele Helfer zeitgleich in der ersten Phase der Brutsaison (hohe Gesangsaktivität) an vielen verschiedenen Orten und nur bei windarmen Bedingungen für die Aufnahmen unterwegs sein müssten. Auch die Auswertung ist umfangreich. Wir freuen uns deshalb über Studierende/Promovierende die Interesse an dem Thema haben.

Öffentlichkeitsarbeit  

Im September ist ein Artikel über den Ortolan in dem Buch „Time Over -Verlorene Biodiversität in Feld und Flur“ von Bernd Pöppelmann erschienen, geschrieben von Dagmar Kobbeloer und Julia Ott. Pöppelmann vereint in dem Buch Wissenschaft, Naturschutz, Kunst, Fotografie, um die Problematik des Biodiversitätsverlustes in Feld und Flur aufzuzeigen.

von AHP Ortolan,

Zurück zur Newsübersicht