Ortolan Brutsaison 2021 in Bayern
Bayernweite Ortolankartierung
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Im Jahr 2021 fand zum vierten Mal eine „flächendeckende“ (bzw. manchmal auch „landesweit“ genannte) Kartierung des Ortolan-Bestandes in Bayern statt. Anhand der Verbreitung der letzten 40 Jahre wurde ein Erfassungskulisse festgelegt, die in sogenannte „Messtischblätter“, also Kartenausschnitte, unterteilt ist. Ein Viertel eines solchen Messtischblattes wird als Quadrant bezeichnet und in der Regel von jeweils einem Erfasser bearbeitet. Basierend auf den Vorkommen der letzten 12 Jahre wurde die Erfassungskulisse gegenüber 2015 etwas reduziert, da beispielsweise in den Bamberger Gebieten und in den Haßbergen keine Ortolanvorkommen mehr zu erwarten sind. Übrig blieben fast ausschließlich Gebiete in Unter- und Mittelfranken.
Insgesamt 49 Quadranten wurden von 29 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern nach Ortolanen abgesucht. Im Zeitraum vom 03. bis 31. Mai wurde zweimal kartiert, möglichst in den frühen Morgen- oder Abendstunden und bei günstiger Witterung – 2021 eine echte Herausforderung! Wegen der verspäteten Rückkehr der Ortolane aus ihren Überwinterungsquartieren musste die Kartierung bereits um eine Woche nach hinten verschoben werden. Vor allem der penetrante, kalte Wind und die häufigen Niederschläge erschwerten die Erfassung – zum einen ist das natürlich unangenehm für die Beobachter, aber noch viel unbefriedigender ist, dass die Ortolan-Männchen bei derartigem Wetter nicht singen und somit nur schwer entdeckt werden können. Und nicht nur der Gesang fällt in solchen Jahren spärlich aus: Als Bodenbrüter wird sein Bruterfolg durch zu kalte und regenreiche Frühsommer sehr beeinträchtigt. Insgesamt konnten 189 Ortolanmännchen kartiert werden, was eine Abnahme um 21,6% im Vergleich zum Ergebnis der letzten flächendeckenden Kartierung im Jahr 2015 bedeutet.
Extremer Abwärtstrend könnte aufgehalten werden
Dieses Ergebnis an sich ist erstmal kein Grund zur Freude und eine derart deutliche Abnahme klingt alarmierend. Dennoch liegt das Ergebnis der diesjährigen Kartierung immer noch über dem von 2009. Hätte sich die Kurve weiter so steil nach unten bewegt wie zwischen 1989 und 2009, wäre der Ortolan bei uns bereits ausgestorben. Deshalb ist allein die Tatsache, dass wir diesmal mehr Ortolane als vor 12 Jahren feststellen konnten, ein bemerkenswerter Erfolg.
Alles in allem spricht das Ergebnis dafür, dass der extreme Abwärtstrend im Bestand, den es seit den 80er Jahren zu beobachten gab, aufgehalten wurde. Der in 2015 zu erhoffende Aufwärtstrend entpuppte sich jedoch als trügerisch, wie wir spätestens jetzt feststellen können. Gleichzeitig setzen sich verschiedenen Dynamiken fort, die für die Restpopulation problematisch sind: Während die absoluten Zahlen im Vergleich zur Kartierung 2009 nicht abnahmen, wird die Fläche, auf denen Ortolane nachgewiesen werden konnten, immer kleiner. Die Männchen, die sich Reviere innerhalb von Singgemeinschaften suchen, konzentrieren sich auf immer kleinere Gebiete – möglicherweise sogar unabhängig davon, ob dort die Brut- und Futterbedingungen günstig sind. Dies könnte einen geringen Bruterfolg nach sich ziehen.
Genau da setzen die Maßnahmen des Artenhilfsprogramms für den Ortolan an: der Ortolanbestand wird in ausgewählten Gebieten erfasst, um dann dort, wo er vorkommt, mit punktuellen Maßnahmen die Lebensraumqualität zu erhöhen. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den ansässigen Landwirt*innen, die etwa Blühflächen anlegen oder streifenweise eine Feldfrucht anbauen, in der der Ortolan gut brüten kann. Um noch besser zu verstehen, welche Faktoren für den Bruterfolg des Ortolans eine Rolle spielen, werden in den nächsten Jahren in größerem Umfang Daten erhoben. Gemeinsam mit unseren ehrenamtlichen Helfer*innen, der Unterstützung der Behörden und Landwirt*innen setzt sich das AHP Ortolan auch in Zukunft für den in Bayern vom Aussterben bedrohten Vogel ein.
von AHP Ortolan,