Braunkehlchenschutz in Bayern
Schutz von Bayerns seltenem "Wiesenclown"
© Andreas Hartl
Das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) ist 12 bis 14 Zentimeter groß und verdankt seinen Namen seiner braun-orangen Brust und Kehle. Wegen seines weißen Gesichtsbandes über den Augen wird es auch „Wiesenclown“ genannt. Es ist ein typischer Vogel der offenen, extensiv genutzten Kulturlandschaft.
Seit mehr als 35 Jahren haben Wiesenbrüter wie das Braunkehlchen höchste Priorität im Bayerischen Naturschutz, trotzdem gehen die Bestände der meisten Wiesenbrüter immer weiter zurück. Auch die Bestände des Braunkehlchens in Bayern haben in den letzten Jahren dramatisch abgenommen - mittlerweile ist es sogar vom Aussterben bedroht.
Angesichts des massiven Rückgangs ist es höchste Zeit, zu handeln! Der LBV startet im Jahr 2025 deshalb ein neues Projekt, um das Braunkehlchen vor allem im Voralpenland vor dem Aussterben zu bewahren.
Was braucht das Braunkehlchen und wo kommt es vor?
Braunkehlchen besiedeln vor allem feuchte bis mäßig trockene Wiesen und Weiden, die artenreich, strukturreich und extensiv bewirtschaftet sind. Besonders wichtig sind:
- einzelne Büsche, hohe Stauden oder Zaunpfähle, welche sie gerne als Sing- und Ansitzwarte nutzen.
- Grünland mit niedriger bis mittelhoher Vegetation, in der sie ihre Nester gut verstecken können
- Hoher Insektenreichtum, denn Braunkehlchen ernähren sich fast ausschließlich von Insekten und Spinnen
Das Braunkehlchen kommt fast überall in Deutschland vor, am häufigsten aber im Osten und Nordosten – es bevorzugt weniger dicht besiedelten Regionen. Es frisst Insekten, Spinnen und Würmer, im Herbst auch Beeren. Als Zugvogel verbringt es den Winter von August/September bis April in Südafrika.
Bestandssituation des Braunkehlchens
Deutschlandweit leben noch 19.500 bis 35.000 Brutpaare, Tendenz stark fallend. Zwischen 1998 und 2021 hat sich der Gesamtbestand des Braunkehlchens in Bayern von knapp 1.200 Brutpaaren auf 420 reduziert (siehe Wiesenbrüterkartierung in Bayern). Die größte bayerische Populationsdichte befindet sich dabei in den Mooren des Voralpenlandes. Dort findet auch unser Braunkelchen-Projekt statt.
© DDA
Quelle: Dachverband Deutscher Avifaunisten (2025): Bestandsentwicklung, Verbreitung und jahreszeitliches Auftreten von Brut- und Rastvögeln in Deutschland. Dachverband Deutscher Avifaunisten, www.dda-web.de/vid-online. www.dda-web.de/voegel/voegel-in-deutschland/braunkehlchen, aufgerufen am 18.12.2025.
Warum nimmt der Bestand des Braunkehlchens so dramatisch ab?
Der massive Verlust unserer Braunkehlchenbestände ist nicht nur das Ergebnis eines einzelnen Faktors, sondern das Zusammenspiel mehrere Gefährdungsursachen – im Brutgebiet, auf dem Zug und im Winterquartier.
Kurz zusammengefasst:
- Verlust geeigneter Brutlebensräume
- Frühe und häufige Mahd
- Nahrungsmangel
- Entwässerung
- Klimawandel
- Störungen und Prädation
- Verlust von Rastplätze auf dem Zug
Schutzmaßnahmen für das Braunkehlchen - Was wirkt?
Allgemeine Schutzmaßnahmen
Damit das Braunkehlchen in Bayern wieder erfolgreich brüten kann, reichen allgemeine Schutzgebiete allein nicht aus. Die Erfahrungen aus den Loisach-Kochelsee-Mooren und aus der landesweiten Wiesenbrüterarbeit zeigen: Wirksamer Schutz braucht konkrete, angepasste Maßnahmen direkt vor Ort.
LBV-Schutzprojekt vor Ort
Im Projekt „Braunkehlchen & gefiederte Freunde“ setzen wir diese Maßnahmen in den Loisach-Kochelsee-Mooren gezielt und proaktiv um. Statt nur auf Verluste zu reagieren, sichern wir Brutplätze frühzeitig, verbessern Lebensräume systematisch und stimmen alle Schritte eng mit Landwirtschaft, Behörden und weiteren Akteuren ab. Durch die dauerhafte Präsenz eines Projektmitarbeiters vor Ort können Schutzmaßnahmen schnell, passgenau und dort umgesetzt werden, wo sie aktuell am dringendsten gebraucht werden – für eine langfristige Stabilisierung der Braunkehlchenbestände in einem der wichtigsten Wiesenbrütergebiete Bayerns. Das Projekt wird von Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.