Vorbeugen ist besser als Nachrüsten
Viele problematische Glasflächen könnten vermieden wer-
den, wenn bereits bei der Planung durch Bauherren und Ar-
chitekten auf diese Problematik geachtet wird. So verhindert
die Verwendung halbtransparenter Materialen wie Milchglas,
zum Beispiel an Balkonen, gefährliche Durchsichten. Bei der
Planung von Gebäuden sollte auf gläserne Eckbereiche oder
gegenüberliegende Fenster verzichtet werden. Durch eine
geschickte Raumaufteilung lassen sich auch bei größeren
Fensterfronten Durchsichten einschränken. Spiegelungen
können verringert werden, wenn Scheiben mit möglichst ge-
ringem Reflexionsgrad (max. 15 %) eingesetzt werden.
Oft lässt sich die Verwendung von transparentem oder spie-
gelndem Glas nicht völlig vermeiden. In diesen Fällen sollten
die Scheiben mit sichtbaren Mustern für Vögel kenntlich ge-
macht werden. Dabei muss sich die Markierung immer auf der
Außenseite der Scheibe befinden, da sie andernfalls durch
Spiegelungen überdeckt wird.
Es gibt eine Vielzahl wirksamer Muster von dezent bis deko-
rativ. Wichtig ist jedoch immer, dass
sich das Muster kontrastreich vom
Hintergrund abhebt und vor allem
flächig auf der Scheibe aufgebracht
wird. Vor allem kleine Singvögel se-
hen noch kleinste Zwischenräume
als Durchflugmöglichkeit an. Als Richtwert gilt hier, dass Lü-
cken zwischen den Markierungen nicht größer als eine Hand-
fläche sein sollten.
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VOGELSCHUTZ
3 I 16
DIE GEFAHR LAUERT
AN DER SCHEIBE
Wie Sie verhindern, dass Vögel sterben
Ein plötzlicher Knall am Fenster oder ein
Abdruck von Flügeln auf der Scheibe –
mehr zeugt oft nicht von den tödlichen
Kollisionen, durch die gerade in dieser
Jahreszeit täglich tausende Vögel um-
kommen. Wir sagen Ihnen, was wirklich
hilft und Sie können mit uns neue Me-
thoden testen.
Schätzungen gehen davon aus, dass deutschlandweit min-
destens 20 Millionen Vögel im Jahr an Glasscheiben verun-
glücken. Genaue Zahlen sind jedoch schwierig zu erfassen,
da die Vögel mitunter erst einige Zeit später an ihren inneren
Verletzungen eingehen. Zudem werden viele Opfer schnell
von Katzen oder Mardern gefressen, so dass sie nicht weiter
auffallen. Betroffen sind neben typischen Gartenvögeln wie
Haussperling oder Amsel auch seltene, abseits vom mensch-
lichen Siedlungsbereich lebende Arten wie Eisvogel oder
Waldschnepfe.
Glasscheiben stellen in doppelter Hinsicht ein Problem für
Vögel dar. Einerseits können sie transparentes Glas nicht als
Hindernis wahrnehmen. Sieht der Vogel hinter einer Glasfront
eine attraktive Landschaft, fliegt er auf direktem Wege darauf
zu und kollidiert dabei mit der Scheibe. Andererseits spiegelt
Glas die Umgebung oder den Himmel wider und täuscht den
Tieren so einen attraktiven Lebensraum oder freien Flugraum
vor. Je nachdem, wie stark die Scheibe das Licht reflektiert,
wie intensiv die Sonneneinstrahlung ist und je nach Helligkeit
des Hintergrundes wird die Umgebung oft sehr wirklichkeits-
nah abgebildet, was das Risiko
einer Kollision noch verstärkt.
Klassische Gefahrenstellen sind
gläserne Balkonbrüstungen, Win-
tergärten,
Fahrradunterstände
oder Buswartehäuschen. Befinden sich in der Nähe attraktive
Biotope wie Waldränder, naturnahe Flüsse oder Naturgärten,
ist die Gefahr besonders groß.
Die Palette gefährlicher Glasscheiben
reicht von großen verglasten Fassaden
oder Lärmschutzwänden bis hin zu kleinen
Fenstern an Wohnhäusern.




