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VOGELSCHUTZ
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STIFTUNGSKONTO:
Sparkasse Mittelfranken Süd
IBAN: DE79 7645 0000 0000 1800 18
BIC: BYLADEM1SRS
Wenden Sie sich bei Fragen an den Bevollmächtigten der
Stiftung, Herrn Gerhard Koller,
Tel. 09174 / 4775-10, E-Mail:
g-koller@lbv.de www.stiftung-bayerisches-naturerbe.deHier können Sie auch kostenlos unsere Broschüre rund ums
Thema Erbschaft und den aktuellen Stifterbrief anfordern.
Gunz:
Als ich ein kleiner Bub war, wohnten wir in einemAltbau
in Schwabing im dritten Stock. Da wir unsere Rollläden nur
selten benutzten, haben in den Kästen jedes Jahr Mauerseg-
ler genistet. Und dieser Schrei des Mauerseglers, das ist für
mich der Ruf des Sommers. Das kenne ich noch aus meiner
Kindheit.
VS:
Und heute?
Gunz:
In Marrakesch gibt es auch sehr viele Mauersegler,
da die in den Löchern der Stadtmauer brüten können. So ist
der Abendhimmel in Marrakesch voller
Mauersegler. Ich liebe diese Vögel ein-
fach. Und obwohl dieses Erlebnis schon
lange her ist, ist es so schön, dass ich
noch nach all den Jahren davon erzäh-
len kann. Und das tue ich nicht nur, weil
ich ein Vogel- und Mauerseglerfan bin,
sondern das ist die Art von Freude, die man schon Kindern
vermitteln kann. Die Liebe zur Natur, zu den Tieren und die
Fürsorge. Die Fürsorge, die auch Freude macht. Das Behüten
und Bewahren der Dinge.
VS:
Jetzt haben Sie die Verantwortung des Einzelnen ange-
sprochen. Für wie wichtig halten Sie es aber, dass der Ein-
zelne auch insgesamt einen Beitrag leistet, und zum Beispiel
einen Verband wie den LBV oder seine Stiftung Bayerisches
Naturerbe mit einer Spende, einer Zustiftung oder sogar ei-
nem Vermächtnis unterstützt?
Gunz:
Ein Sprichwort lautet: Es gibt nichts Gutes, es sei denn,
man tut es. Wer der Natur Gutes tun will, der darf sich nicht
nur philosophisch zurückziehen. Ich glaube, die Verantwor-
tung besteht darin, dass der Mensch auch tätig wird. Dass er
mithilft, dass er stiftet, dass er auch einen Beitrag leistet. Das
müssen ja nicht Millionen sein. Ich glaube, auch hier ist ent-
scheidend, dass man viele Menschen dafür gewinnt. Gut sein
zu wollen alleine bringt nichts, man muss handeln.
VS:
Weil…
Gunz:
…weil das Glück nicht darin besteht, dass ich ein rie-
sen Bankkonto aufhäufe, sondern dass ich etwas Gutes tue,
was mein Herz erfreut. Dazu gehört auch das Stiften und sich
Gedanken zu machen, was mache ich mit dem, was mir in
meinem Leben zugeflossen ist, und wie kann ich es sinnvoll
einsetzen? Hier liegt der Sinn, das, was wir geerbt haben
Ich glaube, die Verantwortung
besteht darin, dass der Mensch
auch tätig wird. Dass er mithilft,
dass er stiftet, dass er auch einen
Beitrag leistet.
weiterzugeben. Das ist wichtig und dafür kann man werben,
ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
VS:
Ihr Zweitwohnsitz ist in Marokko, genauer gesagt Marra-
kesch, das eine besondere Rolle in Ihrem Leben spielt. Was
zieht Sie dorthin, was fasziniert Sie daran und wie erleben Sie
die Natur, wenn Sie in Nordafrika sind?
Gunz:
Die Natur ist dort überall, wo Wasser hinkommt. Dort
sprießt das Leben. Die Kostbarkeit des Wassers wird einem be-
wusst. Was mir sehr gut gefällt an Marrakesch ist die Kombina-
tion aus Altem und Neuem. Die Bauten der
Stadt haben noch so viele mittelalterliche
Strukturen und es gibt keine Wolkenkratzer.
Was mir auch sehr gut gefällt ist, dass man
durch eine andere Kultur den Abstand zum
Alltag und zu den Nachrichten gewinnt, wo
man ja vorwiegend Negatives hört. Ich lese
sehr viel, wenn ich dort bin, sitze an meinem kleinen Brunnen,
schaue in meinen kleinen Riadgarten hinein und habe da auch
wunderbare Vögel. Die erobern jede grüne Oase, da es davon
nicht so viele gibt, und morgens werde ich von den Vögeln ge-
weckt.
VS:
Und die Menschen?
Gunz:
Eine weitere Faszination sind natürlich auch die Men-
schen dort. Man ist ein bisschen unkomplizierter als hier. Ich
glaube auch, dass wir dazu neigen, uns vielleicht eher zu viele
Sorgen zu machen oder die Dinge negativ zu bewerten. Was
uns Deutschen fehlt ist auch ein bisschen Laissez-faire, also
das Leben auch Leben sein lassen. In gutem Sinne entspannt
leben. Ich kenne das ja auch von mir selbst, wir sind eben
häufig angespannt. Das ist, was ich dort auch lerne.
INTERVIEW: MARKUS ERLWEIN
Walter Gunz (70) ist Mitbegründer der
Media-Markt-Kette und prägte den all-
seits bekannten Werbeslogan „Ich bin
doch nicht blöd“. Er ist aber auch LBV-
Fördermitglied.
Fotos: Zdenek Tunka, Privat




