Background Image
Table of Contents Table of Contents
Previous Page  34 / 44 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 34 / 44 Next Page
Page Background

34

VOGELSCHUTZ

3 I 16

Gunz:

Man muss in die Herzen der Menschen kommen. Das

ist natürlich nicht so leicht, da man in dieser ungeheuren Me-

dienflut ja meistens schon gar nicht an ihre Augen und Ohren

kommt. Damit habe ich mich als Markenverantwortlicher von

Media Markt und Saturn lange beschäftigt. Im Prinzip müssen

Sie die Hürde überwinden, irgendwie wahrgenommen zu wer-

den. Sie müssen also Ihre Maßnahmen auch mit etwas Glück

so entscheiden, dass sie mit Ihrem vorhandenen Etat zu einer

maximalen Wahrnehmung führen.

VS:

Und wie kann das klappen?

Gunz:

Im Grunde genommen hat jeder Erfolg eigentlich iden-

tische Strukturen. Bevor ich etwas beginne, muss ich mich im-

mer fragen: Kann ich? Darf ich? Soll ich? Und bei der letzten

Fragen muss sich jeder hinterfragen: Ist

es etwas, was ich wirklich gerne mache,

was ich leidenschaftlich tue, wo ich gar

nicht das Gefühl habe, dass es eine Ver-

pflichtung oder eine Verantwortung ist.

Ich zum Beispiel füttere die Vögel gerne und aus Leidenschaft.

Es ist mir ein inneres Anliegen, weil es mir Freude macht und

weil diese Freude zu den wichtigen Strukturen in meinem Le-

ben gehört. Ich freue mich wie ein Kind, wenn das Entenpaar

in meinem Brunnen badet und mein Vogelfutter frisst.

(Walter

Gunz ist treuer Großkunde im LBV-Natur-Shop, Anm. d. Red.)

Wir Menschen müssen mehr darauf achten, Dinge zu tun, an

denen wir uns erfreuen können. Ich glaube, da ist auch der

Naturschutz ein ganz elementares Refugium. Freude zu ver-

mitteln, einen Sinn zu vermitteln, etwas, was einen innerlich

aufbaut.

VS

:

Sie sehen einen direkten Zusammenhang zwischen Na-

turschutz und Wohlbefinden?

Gunz:

Ja, und Freude. Der Mensch ist ja nicht nur von

schlechten Eigenschaften besetzt, sondern freut sich, wenn

er etwas Schönes erlebt, wenn er etwas Gutes tun kann, und

wenn er Freude hat. So gesehen ist die Hinwendung zu den

Tieren etwas sehr Schönes. Da kann der Mensch sehr viel

Liebe erfahren. Ich glaube, man muss das nicht nur unter dem

reinen Artenerhalt im Sinne einer Pragmatik sehen, sondern

mehr, um Freude zu machen.

VS:

Eine Vogelart, die Ihnen besonders am Herzen liegt, sind

die Mauersegler. Warum?

DER RUF DES

MAUERSEGLERS

2000 verließ er überraschend das Milliardenimperium Media-

Saturn, weil er aus der Welt der grauen Männer weg wollte.

Im November 2013 erschien sein Buch „Ich war doch nicht

blöd“. Heute lebt er im Wechsel in Marrakesch (Marokko) und

in Rottach-Egern am Tegernsee. Dort herrscht im großen Gar-

ten seines Hauses Hochbetrieb. Nahezu in jedem der zahl-

reichen großen Bäume und Büsche flattert ein Vogel. Als zu

Gesprächsbeginn auch noch ein Stieglitz, der aktuelle Vogel

des Jahres 2016, auf einem Ast vor dem Fenster Platz nimmt,

zählt der gebürtige Münchner erst mal ganz spontan mehr als

zehn Vogelarten auf, die er regelmäßig in seinem Garten be-

obachtet.

VOGELSCHUTZ:

Was bedeuten Ihnen die Natur und ihr

Schutz im Alltag?

Walter Gunz:

Von Professor Friedrich

Weinreb habe ich gelernt, dass es in

der Bibel einen Übersetzungsfehler

gibt, der nie behoben wurde: Es heißt

dort nämlich nicht, „macht euch die Erde untertan“, es heißt

eigentlich, „behütet die Erde“. Und das ist ein ganz großer

Unterschied. Denn das eine ist der Freibrief für die Ausbeu-

tung, also das, was wir heute erleben, nämlich dass die Natur

geschändet wird – Luft, Erde, Wasser, Pflanzen, Tiere, alles.

Dabei ist der Mensch doch eigentlich dafür verantwortlich, so

habe ich das Leben und den Lebensauftrag verstanden, die

Schöpfung zu bewahren.

VS:

Warum?

Gunz:

Weil wir das auch unseren nächsten Generationen

schuldig sind. Wir denken bei einer Entscheidung aber nur an

den Profit. Die Globalisierung hat zwar viel Gutes gebracht,

aber sie hat auch einen ganz gewaltigen Fehler: Der Mate-

rialismus ist zur zweiten Weltreligion geworden. Und dieser

Materialismus schreckt auch vor der Ausbeutung der Dinge

nicht zurück, weil der Gewinn und die Gewinnmaximierung im

Vordergrund stehen. Das ist ein riesiges Handicap und wenn

nur das gilt, dann kommt die Zerstörung. Ich schütze die Na-

tur nicht, weil es gut ist, sondern weil ich es als einen ganz

ursächlichen Auftrag verstehe.

VS:

Sie haben sich viel mit dem Thema Erfolg beschäftigt und

auch eine Philosophie dazu entwickelt. Wie kann aus Ihrer

Sicht der Naturschutz erfolgreich sein?

LBV

STIFTUNG

Bayerisches

Naturerbe

Ich freue mich wie ein Kind wenn

das Entenpaar in meinem Brunnen

badet und mein Vogelfutter frisst.

Interview mit Walter Gunz