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VOGELSCHUTZ
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Gunz:
Man muss in die Herzen der Menschen kommen. Das
ist natürlich nicht so leicht, da man in dieser ungeheuren Me-
dienflut ja meistens schon gar nicht an ihre Augen und Ohren
kommt. Damit habe ich mich als Markenverantwortlicher von
Media Markt und Saturn lange beschäftigt. Im Prinzip müssen
Sie die Hürde überwinden, irgendwie wahrgenommen zu wer-
den. Sie müssen also Ihre Maßnahmen auch mit etwas Glück
so entscheiden, dass sie mit Ihrem vorhandenen Etat zu einer
maximalen Wahrnehmung führen.
VS:
Und wie kann das klappen?
Gunz:
Im Grunde genommen hat jeder Erfolg eigentlich iden-
tische Strukturen. Bevor ich etwas beginne, muss ich mich im-
mer fragen: Kann ich? Darf ich? Soll ich? Und bei der letzten
Fragen muss sich jeder hinterfragen: Ist
es etwas, was ich wirklich gerne mache,
was ich leidenschaftlich tue, wo ich gar
nicht das Gefühl habe, dass es eine Ver-
pflichtung oder eine Verantwortung ist.
Ich zum Beispiel füttere die Vögel gerne und aus Leidenschaft.
Es ist mir ein inneres Anliegen, weil es mir Freude macht und
weil diese Freude zu den wichtigen Strukturen in meinem Le-
ben gehört. Ich freue mich wie ein Kind, wenn das Entenpaar
in meinem Brunnen badet und mein Vogelfutter frisst.
(Walter
Gunz ist treuer Großkunde im LBV-Natur-Shop, Anm. d. Red.)
Wir Menschen müssen mehr darauf achten, Dinge zu tun, an
denen wir uns erfreuen können. Ich glaube, da ist auch der
Naturschutz ein ganz elementares Refugium. Freude zu ver-
mitteln, einen Sinn zu vermitteln, etwas, was einen innerlich
aufbaut.
VS
:
Sie sehen einen direkten Zusammenhang zwischen Na-
turschutz und Wohlbefinden?
Gunz:
Ja, und Freude. Der Mensch ist ja nicht nur von
schlechten Eigenschaften besetzt, sondern freut sich, wenn
er etwas Schönes erlebt, wenn er etwas Gutes tun kann, und
wenn er Freude hat. So gesehen ist die Hinwendung zu den
Tieren etwas sehr Schönes. Da kann der Mensch sehr viel
Liebe erfahren. Ich glaube, man muss das nicht nur unter dem
reinen Artenerhalt im Sinne einer Pragmatik sehen, sondern
mehr, um Freude zu machen.
VS:
Eine Vogelart, die Ihnen besonders am Herzen liegt, sind
die Mauersegler. Warum?
DER RUF DES
MAUERSEGLERS
2000 verließ er überraschend das Milliardenimperium Media-
Saturn, weil er aus der Welt der grauen Männer weg wollte.
Im November 2013 erschien sein Buch „Ich war doch nicht
blöd“. Heute lebt er im Wechsel in Marrakesch (Marokko) und
in Rottach-Egern am Tegernsee. Dort herrscht im großen Gar-
ten seines Hauses Hochbetrieb. Nahezu in jedem der zahl-
reichen großen Bäume und Büsche flattert ein Vogel. Als zu
Gesprächsbeginn auch noch ein Stieglitz, der aktuelle Vogel
des Jahres 2016, auf einem Ast vor dem Fenster Platz nimmt,
zählt der gebürtige Münchner erst mal ganz spontan mehr als
zehn Vogelarten auf, die er regelmäßig in seinem Garten be-
obachtet.
VOGELSCHUTZ:
Was bedeuten Ihnen die Natur und ihr
Schutz im Alltag?
Walter Gunz:
Von Professor Friedrich
Weinreb habe ich gelernt, dass es in
der Bibel einen Übersetzungsfehler
gibt, der nie behoben wurde: Es heißt
dort nämlich nicht, „macht euch die Erde untertan“, es heißt
eigentlich, „behütet die Erde“. Und das ist ein ganz großer
Unterschied. Denn das eine ist der Freibrief für die Ausbeu-
tung, also das, was wir heute erleben, nämlich dass die Natur
geschändet wird – Luft, Erde, Wasser, Pflanzen, Tiere, alles.
Dabei ist der Mensch doch eigentlich dafür verantwortlich, so
habe ich das Leben und den Lebensauftrag verstanden, die
Schöpfung zu bewahren.
VS:
Warum?
Gunz:
Weil wir das auch unseren nächsten Generationen
schuldig sind. Wir denken bei einer Entscheidung aber nur an
den Profit. Die Globalisierung hat zwar viel Gutes gebracht,
aber sie hat auch einen ganz gewaltigen Fehler: Der Mate-
rialismus ist zur zweiten Weltreligion geworden. Und dieser
Materialismus schreckt auch vor der Ausbeutung der Dinge
nicht zurück, weil der Gewinn und die Gewinnmaximierung im
Vordergrund stehen. Das ist ein riesiges Handicap und wenn
nur das gilt, dann kommt die Zerstörung. Ich schütze die Na-
tur nicht, weil es gut ist, sondern weil ich es als einen ganz
ursächlichen Auftrag verstehe.
VS:
Sie haben sich viel mit dem Thema Erfolg beschäftigt und
auch eine Philosophie dazu entwickelt. Wie kann aus Ihrer
Sicht der Naturschutz erfolgreich sein?
LBV
STIFTUNG
Bayerisches
Naturerbe
Ich freue mich wie ein Kind wenn
das Entenpaar in meinem Brunnen
badet und mein Vogelfutter frisst.
Interview mit Walter Gunz




