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VOGELSCHUTZ
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LEBEN IM STEINGARTEN
Sogenannte Steingärten sind in Mode, allerdings gleichen sie oft Wüsten aus Kies.
Doch können aus heimischen Baustoffen echte Steingärten als attraktive Lebens-
räume für zahlreiche Insekten und Kleintiere entstehen.
Granitsplit, weit angereist aus dem fernen Asien, bedeckt eine
schwarze, undurchdringliche Mulchfolie. Aus aller Welt werden
Steine importiert, in Gabionen abgefüllt, als Zierkies nach Far-
ben sortiert und in Gärten geschüttet. Dazu thront ein bizarr
geformter Findling aus Brasilien obenauf, flankiert von chine-
sischem Bambus, einem Kirschlorbeer oder einem einsamen
Buchsbaum. So sehen heute viele Vorgärten aus. Das ganze
Jahr der gleiche Anblick: immergrün, sauber, pflegeleicht –
und eine lebensfeindliche Wüste.
Steine alleine machen noch keinen Garten
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Recycling-Mauer aus Betonplatten
mit Hauswurz bepflanzt.
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Thymian und Katzenminze blühen auf
Terrassen aus Lesesteinen.
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Sandbeet mit alten Strangfalz-
Dachziegeln als Insektenquartier.
Wertvoller Lebensraum für Hungerkünstler
Dabei kann ein Steingarten so viel mehr sein, nämlich Le-
bensraum für hoch spezialisierte, oft alpine Pflanzen, die mit
minimalen Ressourcen herrliche Blütenfülle hervorbringen.
Insektenmagneten wie Glockenblumen, Nelken, Steinbreche
und Sedumpflanzen in vielen Arten und Sorten sind ebenso
wie die vielen trockenheitsliebenden (Zier-)Laucharten, um
nur einige zu nennen, für den Gärtner eine wahre Augenwei-
de. Gepflanzt werden sie in sehr magere mineralische Sub-




