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3 I 16

VOGELSCHUTZ

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Alpensteinböcke faszinieren den Menschen schon seit

jeher, so dass sie im 18. Jahrhundert nahezu ausgerottet

waren. Einzig die Errichtung des königlichen, jagdlichen

Schutzgebietes Grand Paradiso (südlich des Aostatals in

Oberitalien) konnte ihr Aussterben verhindern. Später ent-

stand hier der gleichnamige Nationalpark, aus dem heute

praktisch alle Steinböcke in den Alpen abstammen. Mit der

Unterschutzstellung haben sich die Bestände langsam er-

holt. Gezielte Wiedereinbürgerungen von Tieren aus Zoos

(Alpenzoo Innsbruck, Tierpark Hellabrunn München) oder

Umsiedlungen führten zu einem Anstieg der Steinbockpo-

pulation in den Alpen, die heute auf insgesamt etwa 33.000

Tiere geschätzt wird.

Doch wie viele Alpensteinböcke gibt es in Deutschland?

Wie gehen sie mit den Auswirkungen des Klimawandels

um und wie mit Störungen? Welche Funktion haben sie

in seinem Lebensraum? In Bayern kommen Steinböcke in

den Allgäuer Hochalpen (Landkreis Oberallgäu), im Am-

mergebirge (Ostallgäu / Garmisch-Partenkirchen), an der

Benediktenwand (Bad Tölz), am Brünnstein (Rosenheim)

und im Hagengebirge (Berchtesgadener Land) vor. Das

Wissen über genaue Höhe und Entwicklung des Bestan-

des in Bayern ist jedoch sehr begrenzt, weil im Gegensatz

zu den anderen Alpenregionen bislang keine vergleich-

baren systematischen Steinbockzählungen durchgeführt

werden. Hier setzt das Projekt „Steinbock in Bayern“ an:

Der LBV möchte mit dem Bayerischen Jagdverband (BJV),

dem Bund Bayerischer Berufsjäger und den Bayerischen

Staatforsten mehr Informationen über diese Art in Bayern

herausfinden und will auch die Bevölkerung einbinden um

die Basis für ein langfristiges Steinbockmonitoring in Bay-

ern zu sichern.

Kein Berg ist ihm zu steil

Sowohl Steinbock-Männchen als auch -Weibchen tragen

den auffälligen „Kopfschmuck“. Männliche Hörner sind mit

bis zu 100 cm Länge jedoch deutlich größer und besitzen

auffällige Knoten an der Vorderseite (weibliche Hörner

sind nur 30 cm lang). Weibliche Steinböcke werden bis zu

50 kg schwer, männliche bis zu 120 kg. Der Körper des

horntragenden Wiederkäuers ist gedrungen und muskulös.

Sein Sommerfell ist gelbbraun, mit dunkelbraun gefärbten

Beinen. Bauch und Hinterteil („Spiegel“) sind weißlich. Das

Winterfell ist dunkler und weniger kontrastreich. Die Hufe

der Alpensteinböcke besitzen eine besondere Anpassung

an den Lebensraum: Verhornte Ränder garantieren die

Trittfestigkeit, während weiche Innenballen ein Abrutschen

verhindern. Da sich beide Hufzehen unabhängig vonein-

ander bewegen können, lässt sich der Fuß an jede Un-

ebenheit anpassen. Die Tiere verfügen über eine sehr gute

Sprungkraft. Steinböcke können bis zu 20 Jahre alt wer-

den, ihr anspruchsvoller Lebensraum ermöglicht ihnen je-

doch nur eine geringe Nachwuchsrate und ist auch für die

hohe Sterblichkeitsrate verantwortlich, von der wiederum

Steinadler und Bartgeier als Kadaver- bzw. Knochenfres-

ser profitieren. Zwar sind männliche Steinböcke bereits mit

zwei Jahren geschlechtsreif, sie können sich aber frühes-

tens nach sechs Jahren mit den älteren Böcken im Riva-

lenkampf messen und diesen überstehen.

Wo Sie die Steinböcke finden

Wer einen Steinbock sehen will, trifft die Tiere in den

Nordalpen meist erst ab 1.800 Meter und somit über der

aktuellen Waldgrenze an. Sie bleiben dort selbst im Winter.

Zu dieser Zeit suchen sie vorwiegend süd- bzw. südwest-

exponierte schneefreie Hänge auf. Bei hoher Schneebe-

deckung scharren die Tiere im Schnee nach bevorzugten

Nahrungspflanzen: Im Winter sind dies Polsterpflanzen

(Silberwurz) oder Holzgewächse (Alpenrose), im Sommer

fressen sie Gras und Blütenpflanzen. Dabei setzt sich eine

Steinbockherde aus bis zu 20 Weibchen und Jungtieren

zusammen. Junggesellen halten sich hingegen in separa-

ten Gruppen auf. Alte Böcke wiederum sind meist Einzel-

gänger oder zeitweise in Gruppen zusammengeschlossen.

Steinböcke überhitzen schnell, da sie über vergleichswei-

se wenig Schweißdrüsen zur Thermoregulation verfügen.

Daher suchen die Tiere an heißen Sommertagen schatti-

ge Nordseiten oder die Nähe von Schneefeldern auf. Zwei

Fressphasen, eine morgens und eine nachmittags, bestim-

men ihren Tagesrhythmus. Am Abend gehen die Tiere zu

bevorzugten Liegeplätzen.

Bei Gefahr fliehen Steinböcke felsaufwärts in schwer zu-

gängliche Bereiche. Sie besitzen aufgrund des geringen

Jagddrucks gegenüber Menschen eine kurze Fluchtdis-

tanz von nur wenigen Metern. Vorsicht aber vor Steinbock-

steinschlag! Wanderer mit Hund werden wie ein natürlicher

Feind mit gezieltem Lostreten von Gesteinsmaterial be-

grüßt. Gegenüber Flugobjekten (Gleitschirmflieger, Hub-

schrauber, Drohnen) reagieren Steinböcke sogar noch

empfindlicher und flüchten bereits im Abstand mehrerer

hundert Meter.

Zur Fortpflanzungszeit ab Dezember gesellen sich die Bö-

cke zu den Weibchen und versuchen, Kontrolle über eine

Herde zu bekommen. Treffen dabei zwei gleichstarke Bö-

cke aufeinander, kann es zu Rivalenkämpfen kommen, bei

denen die Tiere mit voller Wucht mit den Hörnern zusam-

menstoßen. Den Winter über bleiben die Böcke bei ihren

Herden und verlassen sie erst im Frühjahr wieder. Nach

einer Tragzeit von sechs Monaten kommt Anfang Juni in

der Regel ein Jungtier (sehr selten zwei) zur Welt, das vom

ersten Tag an klettern kann.

Fotos: Ralph Martin, Hans-Joachim Fünfstück/5erls-Naturfotos.de

HENNING WERTH

Gebietsbetreuer

Allgäuer Hochalpen

h-werth@lbv.de

Tel. 08321-619036

Sind Sie in den bayerischen Stein-

bockgebieten unterwegs und sehen

dabei Steinböcke? Dann melden Sie

uns diese ganz einfach unter

www.lbv.de/steinbock

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