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VOGELSCHUTZ

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Raritäten wie der Alpensalamander,

Schwalbenwurz-Enzian und der

Dreizehenspecht sind dort zu Hause.

Fotos: Brigitte Kraft (2), Jonathan Fieber,

Wolfgang Lorenzr, Thomas Dürst

stücks mit lichtem Baumbestand, das stehende und liegende

Totholz sowie grasige Fluren durchbrochen von Nagelfluhfel-

sen, Quellen und Hangrutschungen bewirken ein besonderes

Mikroklima, das einer Vielzahl von seltenen Tier- und Pflan-

zenarten einen Lebensraum bietet. Efeu klettert lianengleich

an Bäumen empor und Baumpilze zieren die Stämme. Die

hohe Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass eine Vielfalt an Moosen

und Farnen gedeiht. Farne wie der Rippenfarn sind Relikte

aus der Vergangenheit, die vor mehr als 300 Millionen Jahren

das Festland erfolgreich eroberten. Unscheinbare Lebens-

künstler wie das Lebermoos wachsen an feuchten und schat-

tigen Standorten. Mit ihren feinen haargleichenden Wurzeln

können sie sich sogar am Nagelfluhfelsen verankern.

Pflanzen der Alpen wachsen hier, wie das Alpen-Maßliebchen,

das an ein zu groß geratenes Gänseblümchen erinnert und an

Felsen, Rutschhängen sowie feuchten Stellen im Tobelwald

wächst. An lichten Standorten findet man den Schwalben-

wurz-Enzian, der im Volksmund auch als Hirschbrunft-Enzian

bezeichnet wird, da er zur Paarungszeit der Hirsche in vol-

ler Blüte steht. Vom hohen Tot- und Altholzanteil profitieren

Spechte, wie beispielsweise der in Bayern sehr selten vor-

kommende und stark gefährdete Dreizehenspecht. Außerdem

ist von einer weiteren Vielfalt an Arten, die an Totholz gebun-

den sind, auszugehen.

Ein wahres Schatzkästchen für Naturschützer

Von dem durch den Ankauf ermöglichten Nutzungsverzicht

profitiert der Uhu, der in unmittelbarer Nähe in einer Nagel-

fluhnische brütet. Kleine Wasserfälle und Kolke verleihen dem

Kesselbach einen besonderen Reiz. Sie entstanden im Lau-

fe der Jahrtausende an Stellen, wo sich härtere und weiche-

re Gesteinsschichten abwechseln. Unter Steinen kann man

Steinfliegenlarven entdecken, deren flache Körper den Strö-

mungen wenig Angriffsfläche bieten. Die weißen Blüten des

Bärlauchs schmücken im Frühjahr die Kesselbachaue und

verströmen einen zarten Hauch von Knoblauchduft. Unter den

üppigen Blättern der Pestwurz lebt eine zierliche und gänzlich

schwarz gefärbte Gestalt, der Alpensalamander. Er ist eine

Besonderheit unter den mitteleuropäischen Lurchen, da seine

Entwicklung außerhalb des Wassers verläuft. Die Weibchen

bringen nach einer Tragzeit von zwei bis fünf Jahren ein bis

zwei voll entwickelte Jungtiere zur Welt. Eine optimale Anpas-

sung an Extremlebensräume.

Allein diese bisherigen Zufallsbeobachtungen lassen die Her-

zen aller Naturfreunde und Artenschützer höher schlagen. Wir

sind schon gespannt, welche Artenvielfalt sich im Rahmen der

anstehenden systematischen Bestandserfassungen ergeben

wird. Eines ist auf alle Fälle schon jetzt gewiss. Durch den

Ankauf konnte der LBV eine Vernetzung des großflächigen

Biotopverbundsystems auf österreichischer Seite nach Bay-

ern ausweiten und ein echtes Naturjuwel sichern.

BRIGITTE KRAFT

gefördert durch: