16
VOGELSCHUTZ
3 I 16
Der Begriff Tobel hat romanische Ursprünge und wird im All-
gäu für enge, steile und meist bewaldete Schluchten verwen-
det, durch die ein Gewässer fließt. Aufgrund des steilen Ge-
ländes wurden diese Wälder bislang von der Bewirtschaftung
weitestgehend verschont. Doch der Hunger nach Holz steigt,
so dass auch solch entlegene Gebiete im Westallgäu in den
Fokus gerückt sind und bereits zu Kahlschlägen führten. Ne-
ben diesen führt die derzeitige Bewirtschaftungsform (Plenter-
nutzung) dazu, dass vor allem die Entwicklung von Biotopbäu-
men (z.B. mit Höhlen für Höhlenbrüter oder Fledermäuse) und
Totholz stark rückläufig ist, da vornehmlich Altbäume entnom-
men werden. Ferner werden Alt- und Biotopbäume zusätzlich
entlang der Bewirtschaftungswege gefällt.
LBV-Schutzgebiet im Kesselbachtal
Der LBV konnte durch finanzielle Unterstützung des Bayeri-
schen Naturschutzfonds rund 4,7 Hektar zusammenhängen-
den Tobelwald erwerben und damit dauerhaft für den Na-
Wer an den Landkreis Lindau denkt, dem fallen sofort der Bodensee, Moorlandschaften und
der Obstanbau ein. Doch das Westallgäu hat noch einen weiteren besonderen Lebensraum
zu bieten, nämlich eine einmalige Landschaft aus Bächen und Tobelwäldern.
TOBELWALD
IM WESTALLGÄU
Ein Naturjuwel mit allerhand Überraschungen
turschutz sichern. Es handelt sich dabei in weiten Teilen um
den FFH-Lebensraumtyp Tannen-Fichten-Buchenwald. Das
Grundstück befindet sich im steilwandigen Kesselbachtal, ei-
nem großflächigen Tobelwaldbachsystem mit schluchtartigen
Abschnitten und kleinen Wasserfällen sowie artenreichen To-
belwäldern im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Öster-
reich.
Auf österreichischer Seite sind knapp 100 Hektar des Kes-
selbachtals als geschütztes Biotop ausgewiesen. Auf bayeri-
scher Seite unterliegt dieses naturschutzfachlich hochwertige
Gebiet keinem Schutzstatus. Neben Buchen und Bergahorn
ist die dominierende Nadelbaumart die Tanne. Diese tiefwur-
zelnden Bäume verhindern Rutschungen, die sich in diesen
steilen Hängen mit labilen Gesteinsschichten aus Nagelfluh
regelmäßig ereignen. Das Nagelfluhgestein ist ein Konglome-
rat aus unterschiedlichen Flusskieseln, deren Aussehen an
groben Beton erinnert.
Die südexponierte Lage des unerschlossenen LBV-Grund-
▲
Urwaldartig mutet das LBV-Schutzgebiet
an. Der Kesselbach (kl. Foto) bietet dabei
einen ganz besonderen Lebensraum.
►




