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VOGELSCHUTZ

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Der Begriff Tobel hat romanische Ursprünge und wird im All-

gäu für enge, steile und meist bewaldete Schluchten verwen-

det, durch die ein Gewässer fließt. Aufgrund des steilen Ge-

ländes wurden diese Wälder bislang von der Bewirtschaftung

weitestgehend verschont. Doch der Hunger nach Holz steigt,

so dass auch solch entlegene Gebiete im Westallgäu in den

Fokus gerückt sind und bereits zu Kahlschlägen führten. Ne-

ben diesen führt die derzeitige Bewirtschaftungsform (Plenter-

nutzung) dazu, dass vor allem die Entwicklung von Biotopbäu-

men (z.B. mit Höhlen für Höhlenbrüter oder Fledermäuse) und

Totholz stark rückläufig ist, da vornehmlich Altbäume entnom-

men werden. Ferner werden Alt- und Biotopbäume zusätzlich

entlang der Bewirtschaftungswege gefällt.

LBV-Schutzgebiet im Kesselbachtal

Der LBV konnte durch finanzielle Unterstützung des Bayeri-

schen Naturschutzfonds rund 4,7 Hektar zusammenhängen-

den Tobelwald erwerben und damit dauerhaft für den Na-

Wer an den Landkreis Lindau denkt, dem fallen sofort der Bodensee, Moorlandschaften und

der Obstanbau ein. Doch das Westallgäu hat noch einen weiteren besonderen Lebensraum

zu bieten, nämlich eine einmalige Landschaft aus Bächen und Tobelwäldern.

TOBELWALD

IM WESTALLGÄU

Ein Naturjuwel mit allerhand Überraschungen

turschutz sichern. Es handelt sich dabei in weiten Teilen um

den FFH-Lebensraumtyp Tannen-Fichten-Buchenwald. Das

Grundstück befindet sich im steilwandigen Kesselbachtal, ei-

nem großflächigen Tobelwaldbachsystem mit schluchtartigen

Abschnitten und kleinen Wasserfällen sowie artenreichen To-

belwäldern im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Öster-

reich.

Auf österreichischer Seite sind knapp 100 Hektar des Kes-

selbachtals als geschütztes Biotop ausgewiesen. Auf bayeri-

scher Seite unterliegt dieses naturschutzfachlich hochwertige

Gebiet keinem Schutzstatus. Neben Buchen und Bergahorn

ist die dominierende Nadelbaumart die Tanne. Diese tiefwur-

zelnden Bäume verhindern Rutschungen, die sich in diesen

steilen Hängen mit labilen Gesteinsschichten aus Nagelfluh

regelmäßig ereignen. Das Nagelfluhgestein ist ein Konglome-

rat aus unterschiedlichen Flusskieseln, deren Aussehen an

groben Beton erinnert.

Die südexponierte Lage des unerschlossenen LBV-Grund-

Urwaldartig mutet das LBV-Schutzgebiet

an. Der Kesselbach (kl. Foto) bietet dabei

einen ganz besonderen Lebensraum.