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VOGELSCHUTZ
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Vor nunmehr 44 Jahren trat in Bayern der Alpenplan in Kraft,
ein landesplanerisches Instrument, welches dem Erschlie-
ßungswildwuchs in den bayerischen Alpen ein für alle Mal ein
Ende setzen sollte. Plänen für eine Erschließung von Watz-
mann, Sonntagshorn und Alpspitz durch Gondelbahnen und
dem dazugehörigen Rummel wurde hierdurch ebenso ein
Ende gesetzt, wie ähnlichen Plänen in vielen anderen Berg-
regionen. So auch am Riedberger Horn, das von Anfang an
ganz bewusst durch den Alpenplan geschützt wurde. Der
Alpenplan war ausgesprochen erfolgreich und hat nicht etwa
die wirtschaftliche Entwicklung in den bayerischen Alpen ver-
hindert, sondern diese in vernünftige Bahnen gelenkt.
Der Bayerntourismus entwickelt sich
positiv. Die wunderbare Natur in den
Alpen blieb in großen Teilen erhalten,
ein Gewinn für die zahlreichen Tou-
risten, die dies sehr wohl zu schät-
zen wissen. Die bayerischen Alpen sind eben nicht zu einer
flächendeckenden Gaudi-Landschaft verkommen. Um un-
sere Alpen und den Alpenplan beneiden uns Menschen aus
der ganzen Welt. Dann aber gab es neue Ideen, eine Skilift-
anlage und Piste am Riedberger Horn in die streng geschütz-
te Zone C des Alpenplans zu bauen. Das betroffene Gebiet
ist darüber hinaus auch durch das Bodenschutzprotokoll der
internationalen Alpenkonvention sowie als sogenanntes fak-
tisches EU-Vogelschutzgebiet geschützt. Aus Sicht des LBV
gab es deshalb keine Alternative zur Ablehnung der Pläne –
weit gefehlt.
Am 19. Juli hat der Ministerrat in Bayern beschlossen, für den
Fall eines positiven Ausgangs einer Bürgerbefragung in der
Region, die Grenzen der Schutzzone C am Riedberger Horn
sowie am Wannenkopf zu ändern. Alternativ soll eine gene-
relle Änderung des Landesentwicklungsprogramms mit dem
Ziel geprüft werden, in der Schutzzone C Seilbahnen, Lifte
und Skiabfahrten landesplanerisch unter bestimmten natur-
schonenden Voraussetzungen zu ermöglichen. Aus Regie-
rungssicht heißt das: Wenn wir in der strengen Schutzzone
C des Alpenplans nicht erschließen dürfen, was wir wollen,
ändern wir einfach die Grenzen – oder wir ändern gleich die
Regeln des gesamten Alpenplans insgesamt.
Letztendlich kommen diese Überlegungen der Staatsregie-
rung der Abschaffung des Alpenplans gleich. Dies kann nur
als Generalangriff auf den Schutz der Alpen bezeichnet wer-
den. Zahlreiche Planungen für neue Liftprojekte liegen bereits
in den Schubläden der bayerischen Bergbahnbetreiber. Mit
dem Fall der höchsten Alpenschutzzone droht eine – noch
dazu staatlich geförderte – Erschließungswelle in unseren
Alpen. Um ehrlich zu sein, ich habe es schlichtweg nicht
für möglich gehalten, dass über 40 Jahre erfolgreicher Al-
penschutz ganz einfach über Bord geworfen wird. Wenn es
dazu kommt, werden Balderschwang und Obermaiselstein,
diese wunderbaren Orte im Allgäu, als die Orte in die Ge-
schichte eingehen, in denen der Alpenplan und der Schutz
der Alpen beerdigt wurden. Liebe Balderschwanger und lie-
be Obermaiselsteiner, das dürfen wir alle zusammen nicht
zulassen. Die Landschaft, die Natur
und insbesondere der herausragende
Birkhuhn-Lebensraum am Riedberger
Horn sind einzigartig und damit nicht
austauschbar und verhandelbar. Der
LBV wird alle rechtlichen Schritte unternehmen, um das Birk-
huhn, die Natur am Riedberger Horn und den Alpenplan zu
schützen. Gleichzeitig wiederholen wir unser Angebot, an der
naturverträglichen Entwicklung der Region mitzuarbeiten. Es
ist noch nicht zu spät, um einen großen Fehler zu vermeiden.
Wunden in den Alpen
Der Herbst ist für viele von uns die klassische Wanderzeit,
gerade in den Alpen. Im Herbst 2016 beginnt der LBV zusam-
men mit mehreren Organisationen ein Projekt zur Zählung
von Steinböcken in Bayern. In der vorliegenden Ausgabe
unseres Mitgliedermagazins erfahren Sie, wie Sie sich daran
beteiligen können. Doch wenn Sie im Sommerhalbjahr in den
Alpen sind, werden Ihnen an vielen Stellen Lifte, Schnee-
kanonen und die zugehörige Infrastruktur mit Versorgungs-
leitungen und riesigen Beschneiungsteichen auffallen. Ich
denke, dann wird für Sie auch nachvollziehbar sein, warum
der LBV den weiteren Ausbau von Skianlagen ablehnt und
einen Rückbau fordert, wo die Schäden unerträglich groß
sind. Vielleicht bin ich „altmodisch“, aber was ist falsch da-
ran, nur Ski zu fahren, wenn ausreichend Naturschnee liegt,
und sich in einem Winterurlaub anders zu beschäftigen, wenn
die Landschaft nicht weiß überzogen ist? Wenn etwas „alt-
modisch“ ist, dann doch der Versuch, immer mehr, größere
und teurere Skigebiete errichten zu wollen, in vollkommener
Verkennung der klimatischen Veränderungen, der Interessen
STAND
PUNKT
Liebe Naturfreundinnen, liebe Naturfreunde!
Letztendlich kommen diese Über-
legungen der Staatsregierung der
Abschaffung des Alpenplans gleich.




