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VOGELSCHUTZ

3 I 16

Vor nunmehr 44 Jahren trat in Bayern der Alpenplan in Kraft,

ein landesplanerisches Instrument, welches dem Erschlie-

ßungswildwuchs in den bayerischen Alpen ein für alle Mal ein

Ende setzen sollte. Plänen für eine Erschließung von Watz-

mann, Sonntagshorn und Alpspitz durch Gondelbahnen und

dem dazugehörigen Rummel wurde hierdurch ebenso ein

Ende gesetzt, wie ähnlichen Plänen in vielen anderen Berg-

regionen. So auch am Riedberger Horn, das von Anfang an

ganz bewusst durch den Alpenplan geschützt wurde. Der

Alpenplan war ausgesprochen erfolgreich und hat nicht etwa

die wirtschaftliche Entwicklung in den bayerischen Alpen ver-

hindert, sondern diese in vernünftige Bahnen gelenkt.

Der Bayerntourismus entwickelt sich

positiv. Die wunderbare Natur in den

Alpen blieb in großen Teilen erhalten,

ein Gewinn für die zahlreichen Tou-

risten, die dies sehr wohl zu schät-

zen wissen. Die bayerischen Alpen sind eben nicht zu einer

flächendeckenden Gaudi-Landschaft verkommen. Um un-

sere Alpen und den Alpenplan beneiden uns Menschen aus

der ganzen Welt. Dann aber gab es neue Ideen, eine Skilift-

anlage und Piste am Riedberger Horn in die streng geschütz-

te Zone C des Alpenplans zu bauen. Das betroffene Gebiet

ist darüber hinaus auch durch das Bodenschutzprotokoll der

internationalen Alpenkonvention sowie als sogenanntes fak-

tisches EU-Vogelschutzgebiet geschützt. Aus Sicht des LBV

gab es deshalb keine Alternative zur Ablehnung der Pläne –

weit gefehlt.

Am 19. Juli hat der Ministerrat in Bayern beschlossen, für den

Fall eines positiven Ausgangs einer Bürgerbefragung in der

Region, die Grenzen der Schutzzone C am Riedberger Horn

sowie am Wannenkopf zu ändern. Alternativ soll eine gene-

relle Änderung des Landesentwicklungsprogramms mit dem

Ziel geprüft werden, in der Schutzzone C Seilbahnen, Lifte

und Skiabfahrten landesplanerisch unter bestimmten natur-

schonenden Voraussetzungen zu ermöglichen. Aus Regie-

rungssicht heißt das: Wenn wir in der strengen Schutzzone

C des Alpenplans nicht erschließen dürfen, was wir wollen,

ändern wir einfach die Grenzen – oder wir ändern gleich die

Regeln des gesamten Alpenplans insgesamt.

Letztendlich kommen diese Überlegungen der Staatsregie-

rung der Abschaffung des Alpenplans gleich. Dies kann nur

als Generalangriff auf den Schutz der Alpen bezeichnet wer-

den. Zahlreiche Planungen für neue Liftprojekte liegen bereits

in den Schubläden der bayerischen Bergbahnbetreiber. Mit

dem Fall der höchsten Alpenschutzzone droht eine – noch

dazu staatlich geförderte – Erschließungswelle in unseren

Alpen. Um ehrlich zu sein, ich habe es schlichtweg nicht

für möglich gehalten, dass über 40 Jahre erfolgreicher Al-

penschutz ganz einfach über Bord geworfen wird. Wenn es

dazu kommt, werden Balderschwang und Obermaiselstein,

diese wunderbaren Orte im Allgäu, als die Orte in die Ge-

schichte eingehen, in denen der Alpenplan und der Schutz

der Alpen beerdigt wurden. Liebe Balderschwanger und lie-

be Obermaiselsteiner, das dürfen wir alle zusammen nicht

zulassen. Die Landschaft, die Natur

und insbesondere der herausragende

Birkhuhn-Lebensraum am Riedberger

Horn sind einzigartig und damit nicht

austauschbar und verhandelbar. Der

LBV wird alle rechtlichen Schritte unternehmen, um das Birk-

huhn, die Natur am Riedberger Horn und den Alpenplan zu

schützen. Gleichzeitig wiederholen wir unser Angebot, an der

naturverträglichen Entwicklung der Region mitzuarbeiten. Es

ist noch nicht zu spät, um einen großen Fehler zu vermeiden.

Wunden in den Alpen

Der Herbst ist für viele von uns die klassische Wanderzeit,

gerade in den Alpen. Im Herbst 2016 beginnt der LBV zusam-

men mit mehreren Organisationen ein Projekt zur Zählung

von Steinböcken in Bayern. In der vorliegenden Ausgabe

unseres Mitgliedermagazins erfahren Sie, wie Sie sich daran

beteiligen können. Doch wenn Sie im Sommerhalbjahr in den

Alpen sind, werden Ihnen an vielen Stellen Lifte, Schnee-

kanonen und die zugehörige Infrastruktur mit Versorgungs-

leitungen und riesigen Beschneiungsteichen auffallen. Ich

denke, dann wird für Sie auch nachvollziehbar sein, warum

der LBV den weiteren Ausbau von Skianlagen ablehnt und

einen Rückbau fordert, wo die Schäden unerträglich groß

sind. Vielleicht bin ich „altmodisch“, aber was ist falsch da-

ran, nur Ski zu fahren, wenn ausreichend Naturschnee liegt,

und sich in einem Winterurlaub anders zu beschäftigen, wenn

die Landschaft nicht weiß überzogen ist? Wenn etwas „alt-

modisch“ ist, dann doch der Versuch, immer mehr, größere

und teurere Skigebiete errichten zu wollen, in vollkommener

Verkennung der klimatischen Veränderungen, der Interessen

STAND

PUNKT

Liebe Naturfreundinnen, liebe Naturfreunde!

Letztendlich kommen diese Über-

legungen der Staatsregierung der

Abschaffung des Alpenplans gleich.