gebiete, Bergbaustätten oder Sandgruben. Diese bieten dem Wiedehopf die benötigten kurzrasigen Nahrungsflächen, auf denen weder Dünge- noch Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Oft wird dort die Vegetation durch Beweidung ganzjährig kurzgehalten, und auch eine geringe Ruhestörung zur Brutsaison machen diese Gebiete zu vielversprechenden Lebensräumen. In einem solchen Sekundärhabitat liegt der derzeitige deutschlandweite Verbreitungsschwerpunkt des Wiedehopfs, nämlich mit 500 bis 600 Brutpaaren in den Folgelandschaften des Braunkohlebergbaus in der Lausitz (südliches Brandenburg, nordöstliches Sachsen). Deutschlandweit sind es mittlerweile immerhin zwischen 800 und 950 Brutpaare. LBV-Kreisgruppen setzen sich ein In Bayern gibt es aktuell nur vereinzelte Bruten und keine einzige stabile Population. Doch in den letzten Jahren häufen sich zumindest die Beobachtungen durchziehender Wiedehopfe. Um einige von ihnen zum Bleiben zu bewegen, haben LBV-Kreisgruppen mittlerweile mehrere hundert Nistkästen gebaut und aufgehängt. Schwerpunkte sind Mittel- und Mainfranken. Dass sich Mühe und Ausdauer auszahlen und Hoffnung machen, zeigt ein 2017 gestartetes Gemeinschaftsprojekt von LBV und Staatlicher Vogelschutzwarte des LfU, an dem zahlreiche Ehrenamtliche in verschiedenen nordbayerischen Kreisgruppen teilnehmen: 2018 gab es keine belegten Bruten in Bayern, 2019 wurden sechs und 2020 sogar elf Brutpaare gemeldet. Für das dauerhafte Überleben des Vogels des Jahres wird es darauf ankommen, dass das Zusammenspiel von Lebensraum und Nahrung, verbunden mit einem guten Höhlenangebot an störungsfreien Brutplätzen gelingt. Der Wiedehopf kann ein Botschafter sein für all die Arten, die ähnliche Ansprüche an den Lebensraum stellen und deren Bestand ebenfalls mit der Intensivierung der Landwirtschaft, der Verwendung von Pestiziden und der Aufgabe von jahrhundertealten Landnutzungsformen eingebrochen ist. Vor allem ist es enorm wichtig, Streuobstwiesen mit alten Naturhöhlen zu erhalten und das Pflanzen neuer Streuobstbäume zu fördern. DR. ANGELIKA NELSON Biologin, Umweltbildung E-Mail: angelika.nelson@lbv.de In mehreren Kreisgruppen bringen Ehrenamtliche große Holznistkästen weit unten an Bäumen an, die der Wiedehopf gerne als Ersatzbrutstätte nutzt. T H EMA Wer den Wiedehopf-Schutz fördern möchte, kann dies durch eine Patenschaft tun. www.lbv.de/pate FOTOS: MICHAEL EICK, RALPH-STOCK.ADOBE.COM, ANGELIKA NELSON 16 VOGELSCHUTZ 1|22 Tipp
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