T H EMA FOTOS: MATHIAS SCHÄF (5), FRANK DERER dem Nest, setzt das Weibchen seine Geheimwaffe ein: Es streckt dem Eindringling seinen Bürzel entgegen und spritzt dem überraschten Feind ein übel riechendes Sekret vermengt mit dünnflüssigem Kot ins Gesicht. Bis zu einen Meter weit und viermal in Folge kann es so „scharf schießen“. Der Feind tritt meist mit gerümpfter Nase den Rückzug an. Auch die Jungvögel üben sich schon früh in dieser Abwehrstrategie. Das hat dem Wiedehopf die Bezeichnung „Stinkvogel“ eingebracht. Der lange Schnabel als optimales Werkzeug Seine Nahrung sucht der Wiedehopf am Boden. Mit seinem vier bis fünf Zentimeter langen, nach unten gebogenen Schnabel stochert er in der Erde nach größeren Insekten. Um eine Maulwurfsgrille aus dem Boden herauszuziehen, erweitert er sein „Stocherloch“, indem er mehrmals im Kreis darum herumläuft. Auf Flächen mit kurzer, lückiger Vegetationsdecke fängt er Heuschrecken, Käfer, Spinnen oder Waldameisen. Doch Nahrung und geeignete Lebensräume sind rar: Die heute bei der Graslandnutzung zum Einsatz kommenden Maschinen wie Kreiselmäher vernichten einen Großteil seiner Beutetiere. Viele Insekten fallen auch der starken Überdüngung der Böden und dem übermäßigen Einsatz von Pestiziden zum Opfer. Wenn zudem landschaftliche Kleinstrukturen wie etwa alte Obstbaumbestände und Trockensteinmauern verschwinden, verliert der höhlenbrütende Vogel seine Nistmöglichkeiten. Die aufgrund des Klimawandels trockenen und warmen Sommer der letzten Jahre ermöglichen dem wärmeliebenden Vogel zwar eine Ausbreitung seines Areals nach Norden. Doch dieser zunächst positiv erscheinende Effekt des Klimawandels wird von andauernden Gefährdungen überlagert, die die Ausbreitung einschränken und den deutschlandweiten Bestand des Wiedehopfs teilweise gefährden. Lebensraum und Bestandsentwicklung Noch bis in die 1950er Jahre war der Wiedehopf in wärmebegünstigten Gegenden Deutschlands ein verbreiteter Brutvogel. Auf großflächigen Brachen und Weiden fand er ausreichend Nahrung und Nistplätze in kleinräumig strukturierten und extensiv genutzten Hochstamm-Obstgärten. Starke Bestandsschwankungen sind typisch für Wiedehopf-Populationen und werden oft Witterungsverhältnissen zur Ankunfts- und Brutzeit, aber auch in den Überwinterungsgebieten zugeschrieben. Außerdem sind Bruten des Wiedehopfs erstaunlich heimlich, was ihre Erfassung erschwert. Doch langfristig stellen der Verlust des Lebensraums und der damit einhergehende Nahrungsmangel eine enorme Bedrohung für den bunten Vogel dar. Zufluchtsorte sind heute vor allem (ehemalige) militärische SperrNach dem großen Zuspruch bei der ersten öffentlichen Wahl zum Vogel des Jahres 2021, stellte für 2022 ein Fachgremium von NABU und LBV fünf Vogelarten zur Wahl, nämlich Bluthänfling, Feldsperling, Mehlschwalbe, Steinschmätzer und Wiedehopf. Bundesweit haben sich 143.000 Menschen an der Wahl beteiligt, aus Bayern gingen 21.700 Stimmen ein. UND DER GEWINNER IST ... Wiedehopf 31,9 % Mehlschwalbe 24,4 % Bluthänfling 19,9 % Feldsperling 16,3 % Steinschmätzer 7,6 % Auf Nahrungssuche stochert er mit seinem langen Schnabel am Boden nach Insekten. 14 VOGELSCHUTZ 1|22
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