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Wie geht es unseren Jungvögeln? Statusbericht Nr. 1

Wöchentliche Infos über den Zustand und die Entwicklung unserer jungen Bartgeier

Die gut erkennbare Flügelmarkierung von Wally auf der rechten Seite |  © D.Schuhwerk LBV © D.Schuhwerk LBV
Die gut erkennbare Flügelmarkierung von Wally auf der rechten Seite

Ein wichtiger Bestandteil des Auswilderungsprojekts ist das lückenlose Monitoring vor Ort. Hierbei werden die ausgewilderten Jungvögel rund um die Uhr beobachtet und sämtliche Aktivitäten nach einem international standardisierten Aufnahmeprotokoll aufgenommen. So kann die Entwicklung und das Verhalten begleitet und dokumentiert werden. Außerdem kann etwaigen Fehlentwicklungen entgegengewirkt und Probleme können frühzeitig erkannt werden.
Unsere Beobachtungen wollen wir natürlich auch mit Euch teilen und werden in Zukunft etwa einmal die Woche neue Informationen an dieser Stelle veröffentlichen.
Nun sind unsere beiden jungen Bartgeierdamen tatsächlich schon zwei Wochen in ihrer Felsnische im Nationalpark Berchtesgaden und es ist Zeit für ein kleines Fazit.
Grundsätzlich: Die beiden scheinen wirklich „angekommen“ zu sein und es geht ihnen sehr gut.

Nahrungsaufnahme: Hervorragend

Geschickt rupfen unsere beiden jungen Bartgeierdamen die Nahrungsstücke auseinander| © D. Schuhwerk LBV © D. Schuhwerk LBV
Geschickt rupfen unsere beiden jungen Bartgeierdamen die Nahrungsstücke auseinander

Die beiden haben einen großen Appetit und verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit der Nahrungsaufnahme oder dem spielerischen Erlernen des Zerkleinerns und Bearbeiten dieser. Neben der Aufnahme von den frischeren fleischigen Anteilen probieren sie sich auch schon an größeren und sperrigen Teilen. Wally konnte schon erfolgreich längliche Knochenteile, wie z.B. Rippenbögen o.ä. verschlucken, während Bavaria teilweise sehr große und kompakte Stücke herunterwürgt. Dabei kommen den beiden die hervorragenden Anpassungen der Bartgeier zur Aufnahme dieser Nahrung zugute.

Sie üben auch fleißig den Einsatz ihres Schnabels, als wichtiges Werkzeug zum Zerkleinern und Bearbeiten der Aasstücke. Die beiden nehmen derzeit mehr als 500g Nahrung pro Tag zu sich, also deutlich mehr als erwachsene Bartgeier.
Auch die kreideweißen Ausscheidungen werden sehr regelmäßig ausgestoßen – übrigens dem angeborenen Verhalten nach meist in Richtung Nischenausgang. Im Gegensatz zu - sich beinahe ausschließlich nur noch von Knochen ernährenden - erwachsenen Bartgeiern ist diese aber meist noch eher von flüssiger Konsistenz.

Training der Flugmuskulatur: Anfangs überschaubar – nun deutlich zunehmend

Unsere jungen Bartgeier trainieren schon fleißig ihre Flugmuskulatur  | © D. Schuhwerk LBV © D. Schuhwerk LBV
Wally beim Training der Flugmuskulatur

In den ersten Tagen war von beiden nur eine geringe Anzahl von echten Flügelschlägen zu verzeichnen. Dies nimmt aber jetzt vermehrt zu, so dass wir einerseits schon längere Serien von 10-20 kräftigen Schlägen am Stück verzeichnen konnten, aber auch insgesamt schon eine Steigerung der Gesamtsumme eines Tages: Bavaria hat hier schon die Anzahl von mehr als 100 Schlägen pro Tag deutlich geknackt.
Wir rechnen aber weiterhin mit einem ersten Ausflug frühestens in der ersten oder zweiten Juliwoche, denn die Raten schwanken im Wochenverlauf noch erheblich und auch die Wiederholungen innerhalb einer Serie sind häufig noch relativ gering.
Im Durchschnitt probieren die Jungvögel einen ersten Flugversuch im Alter von 120 Tagen, unsere beiden Schützlinge sind heute (24.06.) exakt 102 (Wally) bzw. 105 (Bavaria) Tage alt.

Interaktion: Erst einseitige Dominanz – nun ausgewogener und gemeinschaftlicheres Verhalten

Inzwischen schlafen die beiden Bartgeier Damen auch recht gerne direkt nebeneinander |  © Jochen Grab NP BGD © Jochen Grab NP BGD
Inzwischen kuscheln beide auch mal ganz gerne zusammen im Nest

Bavaria war von Anfang an die deutlich dominantere und zeigte häufiger aggressives Verdrängungsverhalten gegenüber Wally, das sich mit harmlosem, aber anhaltenden Schnabelpicken äußerte. Beide hielten anfangs körperliche Nähe schlecht aus. Dies ging meist mit schrillen Lautäußerungen einher. Wally schien in den ersten Tagen von diesem Verhalten ihr gegenüber eingeschüchtert, zeigte kaum Gegenwehr und ließ sich sowohl von ihren jeweiligen Aufenthaltsorten vertreiben als auch ansprechende Futterstücke abjagen.

Inzwischen hat sich die Situation aber deutlich verändert: Einerseits scheinen sich die beiden aneinander gewöhnt und die jeweiligen Gegenüber als Mitbewohnerin der Felsnische akzeptiert zu haben. Nähe löst bei weitem nicht mehr zwingend ein aggressives Verhalten aus, teilweise konnten wir sogar Körperkontakt beim nebeneinander schlafen oder einträchtiges Futterpicken beobachten.
Kommt es doch noch mal zu (inzwischen deutlich kürzeren) Streitereien, so zeigt sich nun, dass Wally durchaus wehrhaft sein kann und nicht mehr zwangsläufig zurückweicht.
Alles in allem wurde uns von den erfahrenen Kolleg*innen langjähriger Wiederansiedlungsprojekte aus der Schweiz und Österreich mitgeteilt, handelt es sich bei unseren beiden jungen Bartgeiern um eine im Vergleich mit vielen anderen Wiederansiedlungen sehr harmonische und relativ entspannte Beziehung.

Raumnutzung und Bewegung: Anfangs verhalten – inzwischen wird auch geklettert

Wally beginnt auch die steileren Bereich der Felsnische zu erklettern |  © Toni Wegscheider LBV © Toni Wegscheider LBV
Wally klettert in die steileren Bereiche der Felsnische hinein

In den ersten Tagen nach der Auswilderung beschränkte sich der Bewegungsradius auf den oberen Teil der Felsnische. Mit zunehmender Dauer (und der Tatsache, dass beim Füttern das meiste Material im unteren Teil landet) weiteten sie dies aus und haben sich nun den Hauptteil der Nische erschlossen.
Dabei zeigen sich nun bestimmte Vorlieben und Muster: Beispielsweise finden beide einen Platz am Zaun der nordwestlichen Ecke über dem steilen Abhang besonders interessant, wohl weil sich von dort der beste Ausblick über die Umgebung bietet. Leider ist ausgerechnet dieser von unserer Hauptwebcam, die ansonsten die komplette Felsnische überblickt, nicht einsehbar.
Dort halten sie sich aber auch ganz gerne zum schlafen auf. Dies tun sie übrigens auch ausgiebig und ein ein- bis zweistündiges Nickerchen wird auch gerne mal mitten am Tag gehalten.
Besonders begehrt zum Ausruhen ist auch die quasi entgegengesetzte Ecke (hinter der kleinen Wasserstelle): Dort findet sich bereits am Morgen ein schattiges Plätzchen in der insgesamt ostseitig ausgerichteten Felsnische.
Wally zeigte sich in den letzten Tagen besonders erkundungsfreudig und hat begonnen die steileren Bereiche im unteren Teil der Nische, die nicht vom Zaun umschlossen sind, zu beklettern. Dort liegen öfter mal Futterteile, die ein paar Meter aus dem flacheren Hauptteil hinunter gerollt sind.

Komfortverhalten: Gründlich und regelmäßig

Unter Komfortverhalten versteht man sämtliche Tätigkeiten, die der Körperpflege zugeordnet werden können. Dies ist auch meist ein guter Indikator für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere. Die beiden erledigen das sehr gründlich und intensiv. Dazu gehört ein ausschweifendes Durchkämmen des Brustgefieders oder auch ein Kratzen an den Ansätzen der Schwungfedern, die teilweise nur durch artistische Verrenkungen erreicht werden.
Wir konnten auch schon beobachten, dass sich die beiden offensichtlich schon gut an das Tragen des 50g leichten Senders gewöhnt haben: Die Antenne vom Sender wird mittlerweile wie ein Federkiel mit geputzt!

Erst üben - dann fliegen

von David Schuhwerk,

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