LBV magazin 2-26

40 LBV MAGAZIN 2|26 FOTO: STEFAN VON STENGEL Rückzugsräume der Biodiversität Blühende Golfplätze Seit nunmehr sechs Jahren beweisen bayerische Golfanlagen im Rahmen des Projekts „Blühender Golfplatz“, dass Natur und Freizeit keine Gegensätze sein müssen. LBV-PROJEKTE Beim Wort Golfplatz kommen den meisten Menschen millimeterkurz gestutzte Rasenflächen in den Sinn, top gepflegte Anlagen, die wohl nur mit hohem Wasser- und Pestizideinsatz so bestehen können. Doch immer mehr Anlagen in Bayern bieten zwischen intensiv gepflegtem Green und Fairways, die dem Spielbetrieb vorbehalten sind, mit ihren Blühflächen, Waldsäumen, Teichen oder Streuobstwiesen einen Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Arten. Diese extensiv genutzten Flächen nehmen zwei Drittel der insgesamt 10.000 Hektar Gesamtfläche aller bayerischen Golfplätze ein und stellen somit ein beachtliches Flächenpotenzial dar. In sonst ausgeräumten Agrarlandschaften werden manche Golfanlagen zu wahren Oasen der Artenvielfalt. Das Projekt „Blühender Golfplatz“ entstand 2020 aus einer Allianz von Bayerischem Golfverband und dem Bayerischen Umweltministerium im Rahmen des Blühpakts Bayern. Ziel war es, neue Lebensräume für Insekten zu schaffen sowie ein ganzjähriges Blühangebot und Strukturvielfalt auf den Golfplätzen zu fördern. Die Anlagenbetreiber können sich im Zuge des Projekts zur naturnahen Gestaltung und Entwicklung der Flächen, die nicht für den Spielbetrieb vorgesehen sind, vom LBV beraten lassen. Pflanzenauswahl, Flächenpflege und zusätzliche Maßnahmen wie das Anbringen von Nistkästen oder das Anlegen von Totholzhaufen sollen dazu beitragen, das sogenannte Rough in blüten- und artenreiche Lebensräume zu verwandeln. Erfüllen die teilnehmenden Golfanlagen bestimmte Mindestkriterien, was die Größe und Gestaltung der extensiv genutzten Flächen angeht, können sie sich um eine Auszeichnung zum „Blühenden Golfplatz“ bewerben. Die Beraterinnen und Berater des LBV kontrollieren beispielsweise, ob heimische Pflanzen verwendet werden, wann und wie die Flächen gemäht werden sowie ob auf Pestizide und torfhaltige Substrate verzichtet wird. Insgesamt haben bislang 46 der rund 200 bayerischen Anlagen das Prädikat erhalten. Solche Maßnahmen sind oft nicht nur ein Gewinn für die Natur, sondern auch für die Menschen auf dem Golfplatz. Viele Clubs berichten von positiven Rückmeldungen ihrer Gäste. Sinn und Wirkung von ungemähten Wiesen, Totholzhaufen oder offenen Bodenstellen müssen manchem Mitglied zwar zunächst erklärt werden. Am Ende steht jedoch in den meisten Fällen ein wachsendes Verständnis für ökologische Zusammenhänge, Freude an der natürlichen Vielfalt und eine größere Identifikation mit dem „eigenen“ Golfplatz. Bayerische Golfanlagen können sich auch in diesem Jahr wieder um eine Erstberatung oder Auszeichnung zum „Blühenden Golfplatz“ bewerben. Bereits ausgezeichnete Anlagen mit besonderen, kreativen Ideen rund um die Kommunikation von Biodiversitätsmaßnahmen auf Golfplätzen können darüber hinaus am Wettbewerb „Blühende Golfplätze: Ein Hole in One in der Kommunikation“ teilnehmen. So werden hoffentlich noch viele weitere Golfanlagen zu artenreichen Lebensräumen, die Rückzugs- und Erholungsraum für Mensch und Natur gleichermaßen sind. KATHRIN HAWELKA Eine vielfältige Natur, blühende Wiesen und Streuobst am Rande der Spielflächen werden auch von den Golfspielenden geschätzt. Biodiversität kann somit zu einem Markenzeichen für die ausgezeichneten Clubs werden.

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