FOTO: ANTON MAYERHÖFER Nassbeweidung für mehr Artenvielfalt Schauernte auf einer Versuchsfläche im Donaumoos 23.07. - 02.08.26 WE SHOW YOU! deutsches-theater.de 80336 München, Schwanthalerstraße 13 Stachus, Sendlinger Tor, Hbf H Das Musical Frank Nimsgern . Aino Laos . Benjamin Sahler ten sind in Folge jahrzehntelanger Intensivnutzung nahezu verschwunden. Aktuell beträgt dort die durchschnittliche Betriebsgröße rund 15 Hektar. Diese kleinteilige Struktur bestimmt maßgeblich die Herausforderungen bei der Umsetzung neuer Nutzungskonzepte wie Paludikulturen. Die Landwirtinnen und Landwirte wissen, dass die Bewirtschaftung auf entwässerten Torfböden endlich ist und langfristig ihre eigene Produktionsgrundlage zerstört. Ein Ausweg könnte eine Nassbewirtschaftung sein, etwa in Form von Paludikulturen. Laut Forschung ist sie technisch möglich und könnte neue Wertschöpfungsketten, vor allem im Baustoffsektor, eröffnen. Doch bislang fehlen in Bayern belastbare regionale Verwertungskonzepte, praxistaugliche Pilotanlagen, verlässliche Absatzmärkte, Klarheit über wirtschaftliche Mindestflächengrößen sowie Erfahrungen unter bayerischen kleinstrukturierten Betriebsverhältnissen. Hinzu kommt ein psychologischer Faktor: Landbewirtschaftende verstehen sich traditionell als Produzenten von Lebensmitteln – nicht als Zuliefernde der Bauindustrie. Der Wechsel in völlig neue Marktlogiken ist daher nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell anspruchsvoll. Eine Alternative könnte extensive Nassbeweidung mit robusten Rinderrassen und die regionale Vermarktung hochwertiger Biofleischerzeugnisse sein – insbesondere für Nebenerwerbsbetriebe. - ANZEIGE - LBV MAGAZIN 2|26 39 Politischer Rahmen: Anspruch und Wirklichkeit Um das ambitionierte Ziel von 55.000 Hektar wiedervernässten Mooren bis 2040 zu erreichen, stuft der Freistaat Moorbodenschutz als überwiegend öffentliches Interesse ein. Damit ist eine Maßnahmenförderung theoretisch zu 100 Prozent möglich. Zudem sollen Genehmigungsverfahren durch eine engere Zusammenarbeit der Behörden sowie durch den Aufbau einer Moordatenbank am Landesamt für Umwelt (LfU) beschleunigt werden. Vor Ort wurden außerdem sogenannte Moormanagerinnen und -manager berufen, die die Landnutzer beraten und in vielen Mooren Bayerns aktiv sind. Doch in der Praxis befindet sich die Staatsregierung im Zielkonflikt zwischen Klimaschutz, Eigentumsrechten und landwirtschaftlicher Nutzung. Die Herausforderungen sind erheblich: • Wertverlust der Flächen bei Anhebung des Wasserstands, • reduzierte Bewirtschaftungsmöglichkeiten, • extrem kleinteiliger Grundbesitz, • schwierige Flurbereinigung sowie • hoher Koordinationsaufwand beim Wassermanagement. Daher wird das Bayerische Moorbauernprogramm trotz der hohen Fördersummen bis heute kaum angenommen. Problematisch ist aus naturschutzfachlicher Sicht auch eine bislang fehlende Harmonisierung der Fördersätze zwischen Moorbauernprogramm und dem bisherigen Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm (VNP), um Moorgebiete mit nationalem und europäischem Schutzstatus nicht zu benachteiligen. Nur wenn in Schutzgebieten gleichwertige Anreize bestehen, lassen sich Natura 2000-Ziele realistisch erreichen, hochwertige Moorlebensräume langfristig sichern und die Akzeptanz und Beteiligung der Landwirte steigern. Soll also der Moorbodenschutz vorankommen, so braucht es langfristige, generationentaugliche Rahmenbedingungen, einfache, praxistaugliche Förderinstrumente, geringe Sanktionsrisiken und eine gesellschaftliche Wertschätzung der Betriebe. Das Bayerische Moorbauernprogramm könnte eine solche historische Chance bieten, wenn es gelingt, funktionierende Wertschöpfungsketten aufzubauen, Pilotprojekte sichtbar zu machen, Eigentümerstrukturen aktiv einzubeziehen, Politik, Verwaltung und Landwirtschaft verlässlich zu verzahnen und den Menschen vor Ort echte Perspektiven zu bieten.
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