FOTO: SEBASTIAN KNIETIG, DONAUMOOS-ZWECKVERBAND Bayerisches Moorbauernprogramm Paludikultur ist die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Hoch- und Niedermoore, bei der das Moor-Ökosystem erhalten bleibt. POLITIK KURZ ERKLÄRT Die durch Entwässerung und intensive Nutzung degradierten Moorböden bieten der Landwirtschaft keine wirtschaftliche Zukunft und schaden Natur und Klima massiv. Zeit, neue Wege in der Bewirtschaftung zu gehen und eine Wiedervernässung anzustreben. Doch die bürokratischen, fachlichen und politischen Hürden sind hoch. VON ELISABETH WÖLFL Die jahrhundertelange Kultivierung und Entwässerung haben Bayerns Moore massiv geschädigt – mit weitreichenden Folgen für Klima, Biodiversität und Landschaftswasserhaushalt. Aktuelle Forschungen von Prof. Dr. Matthias Drösler, Vegetationsökologe an der Universität Weihenstephan-Triesdorf, zeigen, dass theoretisch rund 6,7 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr durch konsequente Moorrenaturierung in Bayern eingespart werden könnten. In Zeiten des menschengemachten Klimawandels muss daher jede weitere Entwässerung und Intensivierung der Nutzung von Moorstandorten unterbunden und eine Wiedervernässung angestrebt werden. Die Bayerische Staatsregierung hat angekündigt, bis 2040 55.000 Hektar Moore in Bayern renaturieren zu wollen und verabschiedete 2023 das Bayerische Moorbauernprogramm im Rahmen der Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen (AUKM) im Kulturlandschaftsprogramm (Kulap), das eine moorspezifische Flächenförderung für Landwirtinnen und Landwirte auf freiwilliger Basis vorsieht. Ziel ist der Umstieg von der Acker- in eine dauerhafte Grünlandnutzung mit den möglichen Maßnahmen Umwandlung von Acker in Dauergrünland, Bewirtschaftung von nassem Grünland, Bewirtschaftung von wiedervernässtem Grünland mit Stauziel und Anbau von Paludikulturen mit Stauziel. Für die Betriebe eröffnet dies zwar neue Wertschöpfungsperspektiven, gleichzeitig verbleibt jedoch ein erheblicher Teil des unternehmerischen Risikos bei ihnen selbst. Entsprechend verhalten reagieren die Landnutzer auf das neue Programm. Was dies in der Praxis bedeutet, zeigt das Beispiel Donaumoos. Bayerns größte Torflagerstätte liegt im Städtedreieck Neuburg–Ingolstadt–Schrobenhausen und stellt ein typisches Niedermoor dar. Im zentralen Bereich dominieren intensiv ackerbaulich genutzte Flächen – vor allem Kartoffeln und Mais. Grünland findet sich überwiegend in den torfmächtigen Randbereichen. Die seit ca. 200 Jahren andauernde Entwässerung hat zu dramatischen Torfverlusten geführt: Rund 5.000 Hektar Moorfläche gingen durch Torfschwund verloren. Moortypische Lebensräume und ArHoffnung für Bayerns Moore? 38 LBV MAGAZIN 2|26
RkJQdWJsaXNoZXIy NDEzNzE=