VOGELSCHUTZ 4-23

FOTO: CHRISTOPH BOSCH diese erhoben? Auf dieser Basis können dann sachgerechte Lösungen erarbeitet werden. Leider wird vielfach viel zu schnell aus einem Bauchgefühl heraus gefordert und entschieden, anstatt sich auf Basis von methodisch sauber erfassten Fakten mit nachhaltigen Lösungen zu befassen. Als ein Schlüssel zum Erfolg eines zielgerichteten Artenmanagements hat sich eine fachkundige Betreuung der betroffenen Arten erwiesen. Diese kann durch speziell eingesetzte Personen oder durch spezifisch geschulte, regional tätige Behörden- und Verbandsvertretende erfolgen. Es hat sich auf Landes- oder Regionalebene sehr bewährt, Arbeitsgruppen mit allen Betroffenen zu bilden, die sich unter fachkundiger, neutraler Moderation umfassend und sachlich mit einem Thema auseinandersetzen können. Diese Arbeitsgruppen gibt es seit vielen Jahren zum Beispiel für Kormoran, Biber und die großen Beutegreifer Bär, Wolf und Luchs. Sie bieten die Chance, der vermeintlichen Gegenseite Sachverhalte zu verdeutlichen und Forderungen zu begründen. Hier können Managementpläne erarbeitet und nach Bedarf auch weiterentwickelt werden. Leider verlieren einige solcher Arbeitsgruppen ihre Dynamik und Kontinuität durch eine zu geringe Taktung der Treffen. So wäre es dringend erforderlich, nach mehr als zehn Jahren den Managementplan für den Fischotter den neuen Entwicklungen anzupassen. Gemeinsam mit Bund Naturschutz und Landesfischereiverband hat der LBV der Staatsregierung daher dringend empfohlen, hier aktiv zu werden. Das Management von Arten, die auch Konflikte mit Nutzergruppen verursachen können, hat eine starke emotionale Komponente. So wird dabei oftmals auch ein Stadt-Land-Konflikt sichtbar. Während die Städter Arten wir Fischotter und Wolf gegenüber sehr positiv gesinnt sind, begegnet die Landbevölkerung diesen Arten oft mit Skepsis oder Ablehnung und verweigert der Stadtbevölkerung wegen unterstellter Unwissenheit das Mitspracherecht. Manche Wolfsgegner scheuen auch nicht vor der Verbreitung nachweislich falscher Behauptungen zurück wie die, dass Wölfe von Menschen wiederangesiedelt worden wären und alle Gegenargumente gelogen wären. Und schließlich gibt es Personen, die mehr oder weniger offen drohen, bei unterlassener Hilfe selber durchzugreifen. Entsprechende Berichte über Fälle von illegalen Tötungen von Wolf, Luchs oder Fischotter kursieren immer wieder hinter vorgehaltener Hand. Statt sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen, werden aktuell leider Bescheide zur angeblich leichteren Entnahme von Wolf und Fischotter erlassen, die der LBV fachlich nicht nachvollziehen kann, und die bislang alle von Gerichten kassiert wurden. Es scheint denjenigen, die die Entnahme dieser Arten Der Managementplan für den Fischotter müsste nach über zehn Jahren dringend den Entwicklungen angepasst werden. Oftmals wird ein Stadt-Land- Konflikt sichtbar LBV MAGAZIN 4|23 17

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