VOGELSCHUTZ 4-23

T H EMA FOTOS: HERBERT HENDERKES, RALPH STURM Der Konflikt um den Graureiher wurde seit Anfang der 1990er Jahre durch den um den Kormoran ersetzt, der eine unerwartete Bestandserholung und Erweiterung seines Verbreitungsgebiets erlebte. Mittlerweile ist er in ganz Europa verbreitet und weist einen günstigen Erhaltungszustand auf. Seit 2001 werden pro Jahr regulär jeweils von August bis März zwischen 6.000 und 8.000 Kormorane in Bayern abgeschossen. Durch die vom LBV koordinierten Schlafplatzzählungen wissen wir, dass dies allerdings keinen Einfluss auf die jährlichen Zahlen der durchschnittlich bei uns anwesenden Kormorane hat. Freiwerdende Plätze werden durch Zuzügler rasch wieder besetzt. Vielfach wird dabei seitens der Fischerei immer noch auf den Massenabschuss gesetzt. Die Umsetzung durchdachter strategischer Ansätze hat gezeigt, dass durch gute regionale und zeitliche Koordination mit weniger Abschüssen nachhaltigere Erfolge, z.B. in Bezug auf die Fischverluste in Teichwirtschaften, erzielt werden können. Die Jagd alleine löst die Probleme nicht Gerade in Teichgebieten muss auch noch ein anderer Aspekt berücksichtigt werden: Viele dieser Flächen haben sich zu wichtigen Schutzgebieten entwickelt, die auch störungssensible Tierarten beherbergen. Durch das Management des Kormorans dürfen keine Kollateralschäden an diesen Arten entstehen. Deshalb dürfen Maßnahmen, die im Sinne des Schutzgebiets als Eingriffe zu bewerten wären, erst nach fundierter naturschutzfachlicher Bewertung und mit ökologischen Begleituntersuchungen durchgeführt werden. So etwas ist vorbildlich im mittelfränkischen Aischgrund gelungen. Trotz der zeitlich und räumlich strikt festgelegten Vergrämung von nicht brütenden jungen Kormoranen während der Brutzeit, haben sich die Bestände der Zielarten des Schutzgebiets nicht verschlechtert. Die Verluste der Karpfenteichwirte sind signifikant zurückgegangen – eine echte Win-Win-Lösung. Insbesondere beim Management des Kormorans wie auch bei Gänsen hat sich erwiesen: Die Jagd alleine kann die Probleme nicht lösen und muss deshalb bei einigen Arten vor allem in lenkender und weniger in reduzierender Funktion erfolgen. Wenn die Tiere überall mit Vergrämungsabschüssen rechnen müssen, werden sie wesentlich scheuer, verteilen sich stärker in der Fläche und verursachen möglicherweise dadurch größere Schäden als zuvor. Sie lernen sehr schnell, wo ihnen Gefahr droht. Somit erscheint es nur sinnvoll, regional festzulegen, wo zur Verringerung oder Verhinderung von Schäden gezielt vergrämt und wo die Präsenz der Tiere geduldet wird. Hier zeigt sich auch, dass das Management viel mehr ist als das reine, oftmals mit „Entnahme“ umschriebene Töten von Tieren. Es umfasst das Monitoring, das Flächenmanagement, die Beratung, die Entwicklung von Präventionsmaßnahmen, gegebenenfalls die Entschädigung und in letzter Konsequenz auch die Entnahme von Tieren. Erst einmal sollte geklärt werden, warum ein Problem entsteht. Wo und wann gibt es Schäden oder Konflikte? Wie wurden Gezielte strategische Ansätze führen in der Teichwirtschaft zu weniger Verlusten durch den Kormoran. Auch bei Graugänsen erfüllt die jagdliche Lenkung zu Duldungsflächen eine wichtige Funktion beim Management der Bestände. 16 LBV MAGAZIN 4|23

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