VOGELSCHUTZ 4-23

10 LBV MAGAZIN 4|23 T H EMA DR. NORBERT SCHÄFFER LBV-VORSITZENDER Unsere Natur und der Versuch, diese mit Gleichgesinnten zu schützen, sind für mich eine immerwährende Quelle von Begeisterung und Lebensglück. Viele von Ihnen denken sich jetzt vielleicht: „Der LBV-Vorsitzende muss das sagen.“ Aber versuchen Sie es selbst, schauen Sie sich die aktuelle Ausgabe unseres LBV magazins an und vielleicht geht es Ihnen wie mir: Sie haben danach richtig Lust, sich mit unserer faszinierenden Natur zu beschäftigen, vielleicht haben Sie sogar Interesse, sich beim LBV aktiv zu betätigen. Unser Verband bietet Ihnen diese Möglichkeit! Landtagswahl und Koalitionsvertrag Bayern hat einen neuen Landtag und eine neue Regierung. Der Landtagswahlkampf 2023 ist Geschichte. Leider haben die Themen Natur- und Artenschutz während dieser Phase kaum Aufmerksamkeit gefunden. Für die kommenden Jahre ist der Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freien Wählern, auch für die Kernthemen des LBV, von herausragender Bedeutung. Während wir uns beispielsweise über das Bekenntnis zum Bayerischen Streuobstpakt freuen, sind wir über Punkte wie die Ablehnung nutzungsfreier Flächen im Wald und im Offenland oder den geringen Stellenwert der Biolandwirtschaft enttäuscht. Wir erwarten, dass sich auch die neue Staatsregierung an die im Rahmen des Volksbegehrens Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“ festgelegten Ziele hält. Anlässlich des fünfjährigen Jubiläums des überaus erfolgreichen Volksbegehrens, das im Februar 2019 von über 1,75 Millionen Bürgerinnen und Bürgern in Bayern unterzeichnet wurde, werden wir im kommenden Jahr Bilanz ziehen. Wir werden überprüfen, ob der Wille der Bevölkerung nach wie vor ernst genommen und die notwendigen Maßnahmen umgesetzt werden. Das haben wir allen Unterstützerinnen und Unterstützern damals versprochen und daran werden wir uns halten. Beweidung von Grünland oder Streuwiesenmahd? Viele unserer LBV-Kreisgruppen pflegen mit einem großen ehrenamtlichen Einsatz unsere letzten verbliebenen Streuwiesen. Der Erfolg wird beispielsweise durch Orchideen und Trollblumen überaus deutlich. Alternativ werden manche LBV-Schutzgebiete extensiv beweidet, eine Nutzungsform, für die sich der Tierfilmer Jan Haft unter dem Slogan „Wilde Weiden“ mit großer Begeisterung einsetzt. In seinem Beitrag in dieser Ausgabe des Magazins beschreibt er seine Vision. Derartige Diskussionen sind für einen Fachverband wie den LBV immens wichtig und ich freue mich darüber. Dogma der Freiwilligkeit Ebenfalls in dieser Ausgabe beschäftigt sich der Theologe Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen, mit den Grenzen der Freiwilligkeit. Freiwilligkeit, oftmals als „der bayerische Weg“ bezeichnet, ist ein wunderbares, auch von mir geschätztes Prinzip. Wenn diese Freiwilligkeit aber direkt in die Klima- oder Biodiversitätskrise führt und wir zukünftigen Generationen nicht nur die Möglichkeit nehmen, Schmetterlinge und Feldlerchen zu genießen, sondern ein Leben, wie wir es kennen, auf diesem Planeten unmöglich machen, sind die Grenzen der Freiwilligkeit überschritten. Hier sind Verantwortung, Weitsicht und Mut, insbesondere auch von politisch Verantwortlichen, gefragt. Biologische Vielfalt als „Herausforderung“ Ein Dauerbrenner im Natur- und Artenschutz sind sogenannte Konfliktarten. Um es gleich zu sagen: Der LBV erkennt durchaus, dass Arten wie Kormoran, Graureiher, Fischotter oder Wolf beispielsweise Teichbesitzern oder Weidetierhaltern große Probleme machen können. Diese S T A ND P UN K T miteinander reden Wenn Freiwilligkeit in die Krise führt, sind ihre Grenzen überschritten Lasst uns

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