T H EMA FOTOS: PETER BRIA, CHRISTIAN STIERSTORFER, CHRISTOPH BAUER (2), AXEL MÖLKNER-KAPPL GIGA-Factory Tirschenreuth Ausgerechnet in einem Moorgebiet südlich von Tirschenreuth plant die Stadt eine GIGA-Factory zum Bau von nachhaltigen Holzhäusern. Insgesamt 37 Hektar Fläche werden hier überplant, davon 30 Hektar Stadtwald im Engelmannsholz. Das angrenzende Moor wurde vor 30 Jahren aufwendig renaturiert und ist Lebensraum für Kreuzotter, Moorfrosch und Waldwasserläufer sowie etablierte Kolonien von Fledermäusen. Um überhaupt einen tragfähigen Untergrund für die Industriehallen zu schaffen, wären weiträumige Trockenlegungen nötig. Die Pläne sollen im Sommer erstmals ausgelegt werden. Aufgrund der überörtlichen Bedeutung hat der LBV ein Raumordnungsverfahren beantragt. Gewerbegebiet Teublitz (Lkr. Schwandorf) Im Staatswald an der Autobahn A93 soll ein 21 Hektar großes Gewerbegebiet entstehen. Die Fläche ist als Klimaschutzwald ausgewiesen. Hier kommen zahlreiche besonders geschützte Arten wie der Dunkelblaue Laufkäfer und Waldschnepfen vor. Der historisch alte Wald ist Quellgebiet für die Teiche rund um den Eselweiher. Das Vorhaben ist zu einem bayernweiten Präzedenzfall für Flächenfraß geworden und hat mehrfach den Landtag beschäftigt. Der LBV hat 2021 vor dem Verwaltungsgerichtshof erfolgreich gegen den Bebauungsplan geklagt. Dessen ungeachtet plant der Stadtrat einen erneuten Anlauf für das Vorhaben, obwohl der Wald nach wie vor dem Freistaat gehört. Westumgehung Würzburg B26n Durch den Landkreis Main-Spessart führen mit der A3 und der A7 zwei bedeutende Autobahnen. Die A3 wurde inzwischen sechsspurig ausgebaut. Ungeachtet dessen wird seit Jahrzehnten über eine Westumgehung von Würzburg diskutiert. Diese würde aber nicht ortsnah an Würzburg vorbeiführen, sondern als Bundesstraße B26n von der A70 im Osten in weitem Bogen nach Süden zur A81 geführt. Dabei werden ornithologisch extrem wertvolle Gebiete sowie das Main- und Werntal mit mehreren FFH-Gebieten durchschnitten. Allein für den ersten Bauabschnitt bei Arnsteinwürden 66 Hektar Land „verbraucht“. Die Baukosten für die Umgehung werden vom Straßenbauamt derzeit mit 700 Millionen Euro angegeben. Donaubrücke Neuburg (Lkr. Neuburg-Schrobenhausen) Der Bau einer Ortsumgehung (zwischen B16 und der Staatsstraße 2214) mit einer zweiten Brücke über die Donau würde einen der letzten unzerschnittenen Auwälder bei Neuburg zerstören und 13 Hektar Natur zerstören. Dabei genießt der Auwald als Natura 2000-Gebiet besonderen europäischen Schutz. Das Schutzgebiet mit insgesamt rund 7.000 Hektar Größe besteht aus einem Mosaik verschiedener Lebensräume und war sogar schon als Nationalpark im Gespräch. Es ist ein international bedeutendes Rast- und Überwinterungsgebiet für Wasser- und Watvögel. Die Baukosten werden aktuell auf 85 Millionen Euro geschätzt. Die Entlastung für die Innenstadt wird von Gutachtern bezweifelt. 16 LBV MAGAZIN 3|23 Auch wenn Flächenfraß oft unbemerkt geschieht, gibt es in ganz Bayern Großprojekte, die die fortschreitende Zerstörung von Natur und Landschaft beängstigend vor Augen führen. Wir haben eine Auswahl aktueller Planungen zusammengestellt.
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