VOGELSCHUTZ 4-21

8 VOGELSCHUTZ 1|22 L E S E R B R I E F E Ihre Meinung ist uns wichtig! Schreiben Sie uns unter leserbriefe@lbv.de oder per Post an Redaktion VOGELSCHUTZ, Eisvogelweg 1, 91161 Hilpoltstein. Die Redaktion behält sich aus Platzgründen eine Auswahl und das Kürzen von Leserzuschriften vor. Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. i Post Zur Wahl zum Vogel des Jahres 2022 Ehre dem Bluthänfling „Up-up-up“ – das ist der Balzruf des männlichen Wiedehopfs. Bei seiner diesjährigen Wahl zum Vogel des Jahres 2022 ging es für den Vogel mit den orangen Scheitelfedern tatsächlich nur „up, up, up“: Mit 31,9 Prozent aller Stimmen übertrumpfte er seine Konkurrenz, zu der auch der bezaubernde Bluthänfling gehörte. Als wir dieses Ergebnis zur Kenntnis nahmen, entsprang unseren Lippen aus spontaner Solidarität heraus ein enttäuscht-empörtes „tü gitt“. Das ist der Ruf des Bluthänflings. Unserer Auffassung nach ist der Bluthänfling eindeutig der überlegene Vogel und sollte uns daher im nächsten Jahr als Titelträger begleiten – nicht der Wiedehopf. Lassen Sie uns also darlegen, aus welchen Gründen der Bluthänfling mit seinem pompösen Prachtkleid und seiner karminroten Brust die bessere Wahl für den Vogel des Jahres 2022 darstellt. Ein fundamentaler Faktor ist seine Ernährungsweise: Er ernährt sich beinahe ausschließlich von Samen, Früchten und Körnern, womit er den menschlichen Trend der Paleo-Diät verkörpert. Auch zählt er damit zu den wenigen V³-Vögel: Er ist vortrefflich in seinem Verhalten, virtuos in seinem Aussehen und vegan in seiner Ernährungsweise. Die Brillanz des Bluthänflings zeigt sich auch in der Wahl seines Lebensraumes: Er fühlt sich im offenen Gelände mit Busch- und Strauchbestand wohl, aber auch in Obstgärten, Parks, der Küstenheide und an Weinhängen. Es ist kein Geheimnis, dass die größten Dichter und Denker dieser Nation ihre kreativen Höchstleistungen an solch stimulierenden Stätten vollbrachten. Der Bluthänfling weiß also nicht nur Kunst, Kultur und Körner zu schätzen, sondern hat darüber hinaus auch noch einen unaussprechlich guten Geschmack für geografische Gegebenheiten – der Wiedehopf findet dagegen nur an ökosystemrelevanten Regenwürmern Geschmack. Darüber hinaus agiert der Bluthänfling auch bei der Brunft mit Vernunft. Zu dieser Zeit sitzt er in den Heckenspitzen dieses Landes und verströmt sein zauberhaftes Zwitschern – ein wahrlich emphatisches Verhalten gegenüber den Menschen: Denn was gibt es Besseres, als dem hecktischen Alltag des bipedalen Bürgers mit dem unhektischen Heckengesang des beflügelten Bluthänflings entgegenzuwirken? Mit der Bitte, die Vergabe des ehrenwerten Titels Vogel des Jahres 2022 noch einmal zu überdenken oder dem Bluthänfling den Titel der „Honorable Mention“ zu gewähren, grüßen mit einem fröhlichen „tu-ki-jüüh“ zwei begeisterte Beobachter des Bluthänflings. Fabio Sommer & Max Hegerbekermeier Nach der Bekanntgabe des Wiedehopfs als Vogel des Jahres hat uns Joachim Oster diese Aquarellskizze von ihm geschickt. FOTOS: FRANK DERER (2), JOACHIM OSTER, DR. MARTIN WERNEYER Zum Artikel „Feueralarm“ (04/21) Feuersalamander verschwindet Seit Jahren beobachte ich Feuersalamander im Gebiet hinteres Achental mit Sorge. Konnte man an Quellbächen und feuchten Gebieten zu bestimmten Zeiten immer Tiere finden, ging die Wahrscheinlichkeit einer Beobachtung in den letzten Jahren eklatant zurück. Konkret spreche ich von meinem unmittelbaren Heimatgebiet um Schleching. Der Feuersalamander wird hier nirgendwo als existentes, noch weniger als gefährdetes Tier erwähnt. Ich fand in den Jahren immer mehr überfahrene Exemplare (da braucht es keinen Bsal mehr), definitiv überfahren, von Autos auf den Bergwegen (befahren von Staatsforsten, Waldbesitzern und Almbauern) und von Rädern. Was bei den Waldarbeiten mit schweren Maschinen in den feuchten Gebieten zusätzlich getötet wird bzw. Lebensraum zerstört wird, ist gar nicht berechenbar. Wir haben hier viele Quellen und entsprechende Feuchtgebiete, eigentlich optimalen Lebensraum für die Tiere. Ein Juwel wie das Achental mit seiner Vielfalt droht langsam vom Mythos einer vergangenen Zeit zu leben. Wenn man sich zufriedengibt, die Natur in schönen Darstellungen am Parkplatz anzupreisen und gleichzeitig diese immer mehr für den Menschen um jeden Preis erschließt, sollte man überlegen, was am Ende bleibt. Sie engagieren sich für das Überleben der Feuersalamander. Ein Gebiet mit noch existentem Bestand ist das Achental. Wer kann hier an den richtigen Stellen Einfluss nehmen und konstruktive Vorschläge zur Umsetzung einbringen, die Feuersalamander und ihren Lebensraum für die Zukunft zu erhalten? Und diesen Maßnahmen dann auch nachhalten? Iris Isensee, 83259 Schleching Anm. der Redaktion Der Rückgang bei Ihnen hört sich besorgniserregend an. Erschreckend, dass jüngst so viele Tiere überfahren wurden. Der allgemeine Rückgang könnte natürlich auch mit der großen Trockenheit der letzten Jahre im Zusammenhang stehen. Die Ihnen bekannten Feuersalamander-Vorkommen geben wir gerne in die bayernweite Datenbank ein, sobald Sie uns alle relevanten Daten zum Fundort zukommen lassen. Und Sie haben Recht, die Lebensräume des Feuersalamanders sind ebenso in Gefahr wie die Art selbst. In unserem Projekt wollen wir auch Maßnahmen an Laichgewässern des Feuersalamanders umsetzen, und freuen uns immer über konkrete Vorschläge. Wir stellen gerne den Kontakt zu den Regionalbetreuern und -betreuerinnen in Ihrer Region her. Malvina Hoppe

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