T H EMA Gezielte Fördergelder Der Löwenanteil des Geldes des Streuobstpaktes darf nicht auf Verwaltung und Konzepte entfallen, sondern muss bei denen ankommen, die die Bäume pflanzen und pflegen. Aktuell herrscht hier ein großer Missstand. An die Streuobst-Fördermittel aus dem Vertragsnaturschutzprogramm und dem Kulturlandschaftsprogramm kommen bisher die wenigsten Streuobstbewirtschafter heran. Eine Erhöhung der Förderprämien muss vorrangig ihnen zugutekommen. Attraktiver Anbau Streuobst muss zudem als Betriebszweig für Landwirte attraktiv werden. Die Erhöhung der Förderprämien ist hier nur eine Seite der Medaille. Das Thema Streuobst muss in der landwirtschaftlichen Ausbildung und Beratung wieder eine wichtige Rolle spielen. Wenn attraktive Preise und Möglichkeiten der Mechanisierung eine wirtschaftliche Perspektive bieten, können wir die Landwirte für Streuobst gewinnen und die ehrgeizigen Ziele erreichen. Keine China-Importe mehr Während jährlich Millionen Liter chinesisches Apfelsaftkonzentrat importiert werden, verfaulen tonnenweise Streuobstäpfel auf den deutschen Wiesen. Immerhin erkennen die Keltereien allmählich, dass sie sich über Jahrzehnte hinweg mit den niedrigen Kelterobstpreisen selbst den Ast abgesägt haben, auf dem sie sitzen. Damit aber der Umstieg auf heimisches Obst erfolgt und der Streuobstpakt Erfolg hat, muss man ihnen und den Streuobsterzeugern eine wirtschaftliche Marktperspektive geben. Ebenso muss es gelingen, dass sich Konsumenten nicht länger nur vom Motto „Geiz ist geil“ beim Einkauf lenken lassen. Eine klare Kennzeichnung der Produkte im Handel könnte hier helfen, um Apfelsäfte mit billigem chinesischem Konzentrat klar von regionalen Marken unterscheiden zu können. Ausreichend Fachwissen Es fehlt an fachkundigem Personal für die Planung, Pflanzung und Pflege. Häufige Planungsfehler sind zu geringe Pflanzabstände und ungeeignete Sorten. Hier besteht massiver Handlungsbedarf, was das Fachwissen der Planer, aber auch der Verwaltung angeht. Darüber hinaus fehlen Fachleute für die fachgerechte Pflege der Streuobst-Bestände. Die gepflanzten Bäume brauchen in den ersten Standjahren eine intensive Betreuung. Wenn diese nicht gewährleistet ist, sollte man besser auf die Pflanzung verzichten. Streuobstwiese in Großweingarten bei Spalt. 20 VOGELSCHUTZ 1|22 FOTOS: RALF HOTZY, ALEXANDER VORBECK (2)
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