VOGELSCHUTZ 1-20
1|20 VOGELSCHUTZ 15 Im sogenannten Anthropozän hat der Mensch eine bei- spiellose Macht – da die Entscheidungen, die wir heute tref- fen, Auswirkungen auf kommende Jahrtausende haben wer- den. Mit dieser Macht geht eine ebenso große Verantwortung einher. Das erfordert ein Hinterfragen der Wertvorstellungen, die unser Verhältnis zur Natur bestimmen, und wie wir mit ihr umgehen. Wollen wir weiterhin auf überholte Wirtschaftspa- radigmen setzen, wenn diese durch ste- tig steigenden Konsum, Abfallproduk- tion und Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen vernichten? Jenseits von Schuldzuweisungen muss der Blick nach vorne gerichtet sein: Wie machen wir weiter, wenn ein business as usual keine (Überlebens-)Option mehr ist und sich mehr und mehr Menschen eine nachhaltige Zukunft, Gesundheit und Lebensqualität sowie eine vielfältige Natur wünschen? Es wäre falsch, diese Verant- wortung lediglich auf das Individuum abzuwälzen. Vor allem müssen sich die gesellschaftlichen und politischen Rahmen- bedingungen ändern, damit es einfacher, billiger und normal wird, sich zukunftszugewandt zu verhalten. Dies sollte zur Norm werden, nicht eine Ausnahme, für die man sich erst ak- tiv entscheiden muss. Dazu brauchen wir zum Beispiel eine naturverträgliche Energiewende, ein neues Mobilitätskonzept, Wachsender Konsum und Ressourcenverbrauch vernichten unsere Lebensgrundlagen Kreislaufwirtschaft, mehr Qualität statt Quantität, den Stopp schädlicher Subventionen und die Einpreisung von Folgekos ten in Waren und Dienstleistungen. Nicht weniger als eine echte Neuorientierung, die den Schutz unserer Lebensgrund- lagen ins Zentrum rückt. Die nächste gute Gelegenheit, dies einzufordern, sind die bevorstehenden Kommunalwahlen. Viele unserer globalen Probleme erfordern eine konkrete Antwort im Lokalen, vor Ort. Der LBV kann hier Lösungen aufzeigen und ein wichtiges Vorbild sein, mit realistischen, ausgereiften Konzepten, die funktionie- ren. Hier liegen ja unsere Kompetenzen: Im Schutz von Tier- und Pflanzenarten samt ihrer Lebensräume, die zugleich wichtige Kohlenstoffspeicher für den Klimaschutz darstellen, vor allem in Mooren und Wäldern; aber auch im Erhalt der so wichtigen Bodenvitalität durch eine nachhaltige Landwirtschaft, die Bau- ern, Verbrauchern und Artenvielfalt guttut. Der LBV wird sich den großen Herausforderungen des Klimawandels und des Artensterbens stellen und hier seine Kompetenzen bestmög- lich einsetzen. Denn wir wollen unsere eigenen Lebensgrund- lagen erhalten und damit der Jugend die Hand reichen, die mit gutem Recht eine lebenswerte und vielfältige Welt und ihr Recht auf Zukunft einfordert. Eine Kombination aus industrieller Landnutzung und Dürre hat gravierende Folgen für die Bodenvitalität und treibt die Klimaerwärmung weiter voran, denn nur lebendige Böden können CO 2 speichern. Noch wichtiger als die Erschließung nachhaltiger Energie quellen wie Wind und Sonne ist zukünftig die Einsparung von Energie. FOTOS: THOMAS RÖDL (2), NINA MEIER, INGO ZAHLHEIMER, PETER BRIA, DR. CHRISTOPH MONING Immer häufigere Flächenbrände vernichten immer mehr wertvollen Lebensraum und verstärken damit den Klima wandel und die ökologische Katastrophe.
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