VOGELSCHUTZ 1-20

1|20 VOGELSCHUTZ 13 FOTOS: WOLFGANG LORENZ, ZDENEK TUNKA, HERBERT HENDERKES, DR. CHRISTIAN STIERSTORFER, MARCUS BOSCH, DR. OLAF BRODERS Auch die Intensivstnutzung durch die Landwirtschaft bedroht die Artenvielfalt. Die einst vom Menschen gepflanzten Fichten-Mo­ nokulturen sind wenig resistent gegen den Borkenkäfer bzw. den fort­ schreitenden Klimawandel. in der Sahelzone beeinflusst. Schwalben leiden unter Insek- tenmangel, teilweise unmittelbar als Folge von Zunahme und Änderung der Verteilung ausdauernder und heftiger Nieder- schläge, die Jagdmöglichkeiten einschränken. Hier können be- reits Tage entscheidend sein. Klimawandel auf Umwegen Nicht alle Prognosen und Korrelationen sind unmittelbar mit dem Klimawandel zu erklären. Vielmehr sind auch mittelbare Änderungen in der Flächennutzung durch den Menschen zu berücksichtigen, die sich einschneidend auf die Häufigkeit und Verbreitungsmuster von Pflanzen- und Tierarten auswirken. Dazu zählen unter anderem die Aufgabe landwirtschaftlicher Nutzung bei zunehmender Trockenheit, der Flächenverbrauch durch den Anbau von Energiepflanzen, die Ausdehnung und Verdichtung von Windparks, wo Lebensräume von vom Aus- sterben bedrohten Vögeln oder Fledermäusen betroffen sind, die Änderung der Baumartenmischung und damit auch der Nutzungsziele von Wäldern sowie die Umwandlung in indus- triell genutzte landwirtschaftliche Flächen. Durch den Klima- wandel begünstigte Nutzungsänderungen werden sich global auswirken. Viele Experten sind der Ansicht, dass diese folgen- schwerer sind, als unmittelbar klimabedingte Veränderungen in den bestehenden Ökosystemen. Wird die Evolution alles richten? Veränderungen in der Artenvielfalt und -zusammensetzung lassen sich durchaus auch als Anpassungen an veränderte Umweltverhältnisse oder bevorstehende Umweltänderungen interpretieren. Das Leben reagiert. Man könnte daher ver- sucht sein, die Natur sich selbst zu überlassen und sich imNa- turschutz darauf zu beschränken, möglichst viel Natur in den kommenden Jahrzehnten zu retten, unter der Annahme, dass viele Arten ohnehin kaum eine Chance haben. Ohne Zweifel geht das Leben auch während eines Klimawandels weiter und manche Arten, die in ihrem heutigen Verbreitungsgebiet durch die Erwärmung gefährdet sind, werden überleben; für andere werden sich die Voraussetzungen sogar verbessern. Aber die Evolution nimmt keine Rücksicht auf einzelne Arten, unsere eigene eingeschlossen. Es wäre daher ein Irr- glaube zu denken, sie würde für uns arbeiten! Worauf es an- kommt, ist vielmehr der Erhalt der Biologischen Vielfalt (Biodi- versität). Diese hat sich als grundsätzliche Überlebensstrategie auf unserem Planeten bewährt. Nur in der Vielfalt des Lebens werden alle notwendigen Informationen und Werkzeuge wei- tergegeben, um Katastrophen wie die uns jetzt drohende zu überleben und Schäden, die wir unserer Umwelt zufügen, wie- der zu reparieren. Die derzeit düsteren Zukunftsaussichten für unsere Nachkommen können wir mit mehr Naturschutz, der den Schwund der Biodiversität zumindest zu verzögern sucht, durchaus verbessern oder gar abwenden – wenn wir jetzt handeln!  AUTOR: MARKUS ERLWEIN FACHLICHE BERATUNG: EINHARD BEZZEL

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