VOGELSCHUTZ 2-19

2|19 VOGELSCHUTZ 31 Interview mit der neuen LBV-Doppelspitze Der langjährige LBV-Geschäftsführer Gerhard Koller hat seinen Posten aus Altersgründen an eine neue Doppelspitze übergeben. Zukünftig werden der ehemalige stellvertretende Ge- schäftsführer Helmut Beran (links) und der bisherige Marketingleiter Alf Pille (rechts) als Duo gemeinsam die Geschicke des LBV leiten. Wir haben uns mit den beiden über den Wechsel unterhalten. VOGELSCHUTZ: In seinen 38 Jahren als LBV-Geschäftsführer hat Gerhard Koller große Fußstapfen hinterlassen. Wie wol- len Sie diese füllen? Helmut Beran: Als sein Stellvertreter habe ich in den letzten acht Jahren immer sehr eng mit ihm zusammenge- arbeitet. Ich weiß, wie der Verband tickt und was Ehrenamt- lichen und Mitarbeitenden wichtig ist. Alf Pille: Schon als Marketingleiter habe ich mit ihm die gleichen Ziele verfolgt, aber immer auf unterschiedlichen Wegen. Von daher laufe ich neben seinen Spuren, um im Bild zu bleiben. VS: Warum gibt es jetzt zwei Geschäftsführer, wenn es vor- her nur einer war? Pille: Wenn man es gut machen will, kann mehr Power nicht schaden. In meinem Bereich Verbandsentwicklung stellen die gesellschaftlichen Entwicklungen das Ehrenamt vor neue Herausforderungen. Und die Digitalisierung macht auch vor einem Naturschutzverband nicht halt. Beran: Der Verband ist in den letzten Jahren stark ge- wachsen, die Aufgaben und Anforderungen sind stetig ge- stiegen. Gleichzeitig kann es keine Entwarnung für die Natur geben. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns auch intensiv um die naturschutzpolitischen Brennpunkte kümmern. VS: Birgt eine Doppelspitze nicht auch eine Gefahr und po- tenziell mehr Konflikte? Pille: Wir haben alle Aufgaben der Geschäftsführung auf Karten geschrieben, auf einen Tisch gelegt und jeder sollte sich die Bereiche nehmen, die er am liebsten macht, weil man das am besten macht ... Beran: … und am Ende war plötzlich keine einzige Karte mehr übrig! Darum gehe ich davon aus, dass wir uns die Ar- beitsbereiche optimal aufgeteilt haben. VS: Wie waren Ihre Wege in den LBV? Beran: Ich war 1988 Zivi … Pille: Du auch? Ich auch, allerdings erst 1995. Das ist noch eine Gemeinsamkeit, denn wir haben ja auch beide als Bio- logen gearbeitet und waren beide im Betriebsrat. Beran: Und von 1993 bis 2011 habe ich die LBV-Bezirks- geschäftsstelle Oberfranken geleitet. VS: Sie beide sind also schon sehr lange im LBV. Sind Sie da nicht schon stallblind? Pille: Durch mein hervorragendes Team bekomme ich immer tolle neue Impulse. Darüber hinaus versuche ich re- gelmäßig, gezielt über den Tellerrand hinauszuschauen. Beran: Ich bin gut vernetzt und wir tauschen uns intensiv aus. Nein, ich würde nicht von Stallblindheit sprechen; es ist eher ein Vorteil, wenn man Abläufe, Strukturen und auch die Menschen im Verband gut kennt. VS: Was haben Sie sich kurzfristig und langfristig für den LBV vorgenommen? Pille: Ich habe Kopf und Herz voll mit Visionen und Ideen. Aber es ist Unfug, das einfach überzustülpen, zumal ich den Geschäftsführungsalltag ja kaum kenne. Deshalbmüssen wir die Ziele gemeinsam entwickeln. Mit allen Verbandsebenen. Beran: Das erfolgreiche Volksbegehren Artenvielfalt war der erste Schritt mehr Naturschutz in Politik und Gesellschaft zu verankern. Hier müssen wir anknüpfen. Nächste wichtige Ziele sind die Reduzierung des Flächenverbrauchs und die Ausweisung nutzungsfreier Großschutzgebiete im Laubwald. INTERVIEW: MARKUS ERLWEIN FOTOS: NINA MEIER, LBV-ARCHIV (2), JOCHEN MÜNCH (DONAUKURIER)

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