VOGELSCHUTZ 3-18
3|18 VOGELSCHUTZ 39 sich im Lauf der Jahrhunderte sehr gut an ihren jeweiligen Lebensraum, die Temperatur, Niederschlagsmengen und Bodenbeschaffenheit angepasst. Durch die früher prak- tizierte standortorientierte Auslese sind die Pflanzen we- niger krankheitsanfällig und für den naturnahen Garten viel besser geeignet als standardisierte Neuzüchtungen. Diese hingegen benötigen oft mehr Pflege, um im Garten überhaupt Fuß fassen zu können. Allergi- ker stellen zudem häufig fest, dass sie be- stimmte alte oder wilde Obstsorten ohne Probleme verzehren können. ImGarten können Sie diese positiven Ei- genschaften bei Ihrer Auswahl nutzen. Zu- gleich leisten Sie einen Beitrag zum Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt, der Biodiversität und eines wert- vollen Kulturgutes. Es gibt Sorten, die sich bis ins 17. Jahr- hundert zurückdatieren lassen. Oft waren es Zufallssäm- linge, die dann aufgrund ihrer positiven Eigenschaften und ihres guten Geschmacks weiterkultiviert wurden. Waren Obstbäume noch bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts ein vertrautes Bild in den ländlichen Sied- lungen Bayerns und unterstützten die Selbstversorgung, werden sie heute im „modernen“ Hausgarten selten ge- pflanzt. Noch vorhandene Bäume sind oft überaltert und werden gefällt. Allzu oft stirbt mit solch einem Altbaum Fränkische Hutzelbirne der kaum erforschten lokalen Sorte „Leipersloher Birne“ (gepflanzt vermutlich 1850) Der Große Fuchs ist ein typischer Bewohner offener Waldlandschaften und kommt auch auf Streuobstwiesen und in Obstgärten vor. eine ganze Sorte, der Lebensraum vieler Insekten, Vögel und anderer Gartenbewohner war. Initiativen wie das Streuobstwiesenprojekt Zuchering der LBV-Kreisgruppe Ingolstadt tragen daher maßgeb- lich zum Erhalt dieser ökologisch besonders wertvollen Kulturlandschaften bei. Ferner gibt es mittlerweile viele Projekte zum Erhalt alter Obstbaumsorten sowie spe- zialisierte Baumschulen, wo Sie alte Baumsorten gezielt bestellen können (siehe Linktipp). Grund- sätzlich sollten Sie beim Kauf regionale Sorten bevorzugen, auch wenn diese oft schwerer zu bekommen sind. Da Naturfreunde ger- ne Hochstämme pflanzen, muss zudem ausreichend Platz im Garten eingeplant werden. Die Kreisfachberatungen oder LBV-Kreisgruppen sind bei der Suche ger- ne behilflich. Alte Obstbaumsorten sind weniger krankheitsanfällig BIRGIT HELBIG Freie Referentin für Natur im Garten E-Mail: birgit.helbig@yahoo.de Die BESTE PFLANZZEIT ist der Herbst, dann ist auch die Auswahl der Baumschulen am größten. Wählen Sie den PFLANZORT mit ausreichendem Abstand zu anderen Gehölzen und Gebäuden. Die Bäume können recht groß werden. Die Pflanzen VOR DEM EINSETZEN immer erst einige Stunden in einen Kübel mit Wasser stellen. IMMER MIT EINEM STABILEN BAUMPFAHL SETZEN , so wird verhindert, dass in der Anwachsphase die feinen Wurzeln bei Wind abreißen. BEI WÜHLMAUSGEFAHR an einen geeigneten Wurzelschutz (Pflanzkorb aus Draht) denken. NACH DER PFLANZUNG die Triebe einkürzen (Pflanzschnitt). Pflanztipps Porträts alter Obstsorten finden Sie unter: www.obstsortendatenbank.de
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