VOGELSCHUTZ_2_18

DIE FOLGEN DES INSEKTENSTERBENS Der unbestrittene Rückgang der Insekten wirkt sich nicht nur direkt auf die Artenvielfalt aus. Denn abgesehen von Nahrung für Vögel und andere Tiere haben Insekten einen großen öko- nomischen Wert schon allein durch ihre Bestäubungsleistung. ie langjährigen Untersuchun­ gen Krefelder Entomologen ergaben besorgniserregende Rückgänge bei Artengruppen wie Schmetterlingen, Wildbienen und Nachtfaltern. Generell wurden äußerst bedenkliche Biomasseverluste bei Flu- ginsekten von über 80 Prozent festge- stellt, wobei die Artenzahl bei Schmet- terlingen um knapp ein Viertel und bei Schwebfliegen sogar über ein Viertel abnahm. Diese Ergebnisse werden durch die im März 2018 vom Bundesamt für Na- turschutz (BfN) veröffentlichte Rote Li- ste bedrohter Insekten für 25 Gruppen untermauert: Bei 44 Prozent aller Arten ist es zu einem deutlichen Rückgang gekommen. So weisen die heimischen Zikaden bei mehr als der Hälfte der Ar- ten einen langfristig rückläufigen Trend auf. Ebenso sind die Bestände der oft als Bioindikatoren verwendeten Lauf- käfer bei 45 Prozent der Arten zurück- gegangen. Es sind demnach nicht nur Insekten betroffen, die sich vornehm- lich fliegend fortbewegen, sondern auch solche, die überwiegend am und im Boden leben. Auswirkung auf Insektenfresser Der Insektenrückgang wirkt sich offen- bar auch unmittelbar auf Bestände von 94 in Deutschland brütenden Vogel- arten aus, die sich von Kleininsekten und Spinnentieren ernähren, vielfach aber auch Zugvögel sind, die südlich der Sahara überwintern. Im Zeitraum von 1998 bis 2009 gingen fast die Hälf- te dieser Arten zurück. Um die Auswir- Warum wir Insekten brauchen N A T U R S C HU T Z P O L I T I K 32 VOGELSCHUTZ 2|18 D kungen des Insektensterbens auf die Brutbestände solcher Vögel bewerten zu können, sollte parallel zu einem Insektenmonitoring ein qualifiziertes Monitoring ihres Bruterfolgs gestartet werden. Auch wir Menschen werden an den Folgen dieser Entwicklung zu leiden ha- ben. So wurde im 2014 von der Baye- rischen Staatsregierung veröffentlichten „Biodiversitätsprogramm Bayern 2030“ festgestellt, dass „ein Rückgang der bio- logischen Vielfalt unmittelbare negative Auswirkungen auf Mensch, Wirtschaft und Gesellschaft haben kann“. Diese Feststellung fußt vor allem auf den Er- gebnissen der bereits 2009 von der UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) in Auftrag gegebenen Studie zur ökonomischen Bewertung von bio- logischer Vielfalt und Ökosystemdienst- leistungen (TEEB), die in der Studie „Na- turkapital Deutschland“ fortgesetzt wird. Ein wichtiges Resultat war, dass die im Auch wir Menschen werden an den Folgen des Insektensterbens zu leiden haben Werden Sie jetzt Hummel-Pate! Mehr unter: www.lbv.de/pate

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