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chen, kann darüber hinaus beispielsweise auch ein wirksames Risikomanagement für Rebhühner während der Brutzeit er- reicht werden und das in Kombination mit der gleichzeitigen Anlage nahrungs- und deckungsreicher Biotope. Bestäubungsleistung Ein ganz wesentlicher ökologischer wie ökonomischer Faktor ist die Bestäubungsleistung der Insekten. Bestäubung und Ausbreitung zahlreicher Wildpflanzen hängen insbesondere vom Vorkommen der Wildbienen ab. Aber auch für fast drei Viertel der wichtigsten Nutzpflanzen spielen die tierischen Bestäuber eine wesentliche Rolle: Raps, Son- nenblumen, Ackerbohnen und Erdbeeren er- reichen bis zu 40 Prozent höhere Erträge durch die tierische Bestäubung. Im Obstbau sind bis zu 90 Prozent der Erträge vom Einsatz der Tiere abhängig. Durch zusätzliche direkte Bestäu- bung können Wildbienen die Effektivität der Honigbienen im Nutzpflanzenanbau sogar ver- doppeln. Der jährliche ökonomische Gesamt- wert der Bestäubung durch Insekten wird welt- weit auf 153 Mrd. Euro geschätzt, also nahezu zehn Prozent des globalen landwirtschaftlichen Ertrags. Für Deutschland liegt dieser Wert bei 2,5 Mrd. Euro/Jahr. DR. ANDREAS VON LINDEINER LBV-Referatsleiter Artenschutz Landesgeschäftsstelle Hilpoltstein E-Mail: andreas.von.lindeiner@lbv.de 2|18 VOGELSCHUTZ 33 FOTOS: CLAUDIA BECHER, MARKUS GLÄSSEL, HERBERT HENDERKES Frühjahr blühenden Pflanzenarten der Feld- und Waldsäume den blütenbesu- chenden Insekten (z. B. Schwebfliegen, parasitischen Wespen) oft die erste Nahrung bieten. Von den Säumen her besiedeln die Nützlinge im Frühjahr die Felder in einer Entfernung von bis zu 100 Metern in die Fläche hinein und können so die Ausbreitung von Schäd- lingen deutlich mindern. In kleinstruktu- rierten Landschaften und bei extensiver Bewirtschaftung sind hingegen auch auf den Ackerflächen selbst intensivere Austauschprozesse und eine höhere Regenerationsfähigkeit der Nützlingspo- pulationen zu erwarten. In diesem Zu- sammenhang wurde an einem Simulati- onsmodell beispielhaft gezeigt, dass sich wiederumohne die „Unterstützung“ von räuberisch lebenden Insekten die Fläche für Insektizidanwendungen etwa ver- doppeln würde. Durch einen Insektizidverzicht auf ökologischen Vorrangflächen (ÖVF), also unter anderemFeldsäumenundBlühflä- Große Holzbiene Neuntöter mit Beute (Grille) Obstbäume sind für eine effiziente Bestäubung auf Wildbienen angewiesen. Was muss passieren, damit es den Insekten wieder besser geht? Die europäische Agrarpolitik muss auf allen Ebenen unsere Landwirte ökonomisch in die Lage versetzen, gesunde Lebensmittel zu produzieren und gleichzeitig die europäischen Ziele der biologischen Vielfalt, gesunder Gewässer und des Klimaschutzes zu erreichen. Im Einzelnen fordert der LBV: chen, dürfen nicht mit Pflanzenschutz- mitteln und Düngern behandelt werden. Die Anlage und Pflege der ÖVF muss auf 7 – 10 Prozent einer landwirtschaftlichen Betriebsfläche so erfolgen, dass Insek- ten dort einen Lebenszyklus vollenden können. Den Aufbau eines landesweiten mo- dernen Insekten-Monitorings auf geeig- neten Indikatorflächen. 4. 5. Die grundsätzliche Kopplung aller Direkt- zahlungen der Agrarförderprogramme an Umweltleistungen. Ein besseres Management der Schutz- gebiete im Hinblick auf die Erhaltungs- ziele. Ein Verbot stark risikobehafteter Pesti- zide und generelle Beschränkung des Pestizideinsatzes. Ökologische Vorrang- flächen (ÖVF) wie Blühstreifen oder Bra- 1. 2. 3.
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