VOGELSCHUTZ 1-20

8 VOGELSCHUTZ 2|20 S T A ND P UN K T DR. NORBERT SCHÄFFER LBV-VORSITZENDER Es ist Anfang April 2020, als ich diese Zeilen schreibe, genau gesagt, Sonntag, der 5. April 2020. Exakte Zeitangaben sind derzeit ausgesprochen wichtig. Wir alle haben die bittere Er- fahrung gemacht: In einigen Tagen oder wenigen Wochen kann sich die Welt grundlegend ändern. Es ist gerade einmal ein paar Wochen her, dass ich am Mittwoch, 11. März 2020, während der Jahreshauptversammlung der LBV-Kreisgruppe Erlangen einen Vortrag gehalten habe. Der Verzicht auf einenHandschlag bei der Begrü- ßung und Mindestabstand zwischen den Zu- hörerinnen und Zuhörern war damals schon Thema, noch wenige Tage vorher hatte sich niemand etwas dabei gedacht, wenige Tage später war es eine absolute Selbstverständ- lichkeit. Kurz darauf, noch bevor durch Ministerpräsident Markus Söder die Schließung von Schulen und Kindergärten sowie eine Woche später Ausgangsbeschränkungen erlassen wurden, hat der LBV reagiert: Wir haben unsere LBV-Sam- melwoche und alle anderen LBV-Veranstaltungen bis 31. Mai abgesagt, unsere LBV-Umweltstationen geschlossen und bis auf Weiteres, wo immer möglich, für unsere Belegschaft Ho- meoffice angeordnet. Eine richtige, unvermeidbare und den - noch bittere Entscheidung: Gerade jetzt im Frühjahr sind vie- le unserer Aktiven draußen bei Vogelstimmenwanderungen und anderen Exkursionen in die Natur, um den Einzug des Frühlings gemeinsam zu genießen. Täglich erhalte ich Jahres - programme von LBV-Kreis- und Ortsgruppen – gedruckt in der „Vor-Corona-Zeit“, in denen für Veranstaltungen gewor- ben wird. Es tut mir im Herzen weh, dass all diese lange vor- bereiteten Termine nicht stattfinden können. Die Corona-Krise hat schon jetzt dramatische Auswirkun- gen auf den LBV: Alleine durch die Absage der LBV-Sammel- woche sind uns auf einen Schlag rund eine halbe Million Euro an Spenden weggebrochen – Gelder, mit denen wir zahlrei- che lokale Natur- und Artenschutzprojekte hätten durchfüh- ren können. Gleichzeitig vertraue ich auf die Loyalität und Unterstützung unserer Mitglieder und Spender, die uns auch in dieser Krise nicht im Stich lassen werden. Die Zeit vor und nach Corona Im Moment dominiert die Corona-Krise unser aller Leben. Auch ich habe ganz persönlich große Sorge vor allem um ältere Angehörige, Freunde und Bekannte. Es ist selbstver- ständlich, dass wir dem Vorgehen gegen diese Krise jetzt alles unterordnen. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass es ein Leben vor Corona gab und dass es auch ein Le- ben nach Corona geben wird – wann auch immer dieses beginnt. Und dann wird der Kampf gegen den Klimawandel und für den Erhalt unserer Biologischen Vielfalt genau- so wichtig sein, wie „vor Corona“. Verlust an Tier- und Pflanzenarten, Flächenver - brauch, Zerstörung unserer wunderbaren Landschaft, Belastung von Grundwasser durch Nitrat – all diese Themen sind durch Corona zwar in den Hintergrund gerückt, gelöst sind diese Probleme aber selbstverständlich noch lange nicht. Der LBV wird, gerade bei der Wiederbele- bung der Wirtschaft in der Nach-Corona-Zeit, ganz genau aufpassen, dass unsere Natur und Umwelt nicht wieder un- ter dem Wachstum der Wirtschaft leidet. Und das ist auch nicht zwingend erforderlich. Jetzt ist die Zeit, in eine nach - haltige Wirtschaft zu investieren. Beispielsweise können durch großangelegte Renaturierungsprogramme genauso Arbeitsplätze geschaffen werden wie etwa durch Straßen - bau. Artenschutzkriminalität ist unerträglich Ein Problem, mit dem sich der LBV zusammen mit seinem Partner, der Gregor Louisoder Umweltstiftung, seit langer Zeit intensiv beschäftigt, ist der Kampf gegen die illegale Tötung extrem bedrohter Arten. Wir haben diesem Thema die aktuelle Ausgabe unseres Mitgliedermagazins gewid- met. Ob Luchs, Fischotter, Uhu, Habicht, Wiesenweihe oder Rotmilan – es darf einfach nicht sein, dass diese bedrohten Arten illegal verfolgt und getötet werden. Es geht hier nicht „nur“ um einzelne Arten, es geht um den Umgang mit un- serer Natur insgesamt. Wir dürfen nicht zulassen, dass so Dramatische Auswirkungen auch auf den LBV vor der Haustüre Naturvielfalt

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