VOGELSCHUTZ 1-20
VOGELSCHUTZ 2|20 9 TROCKENMAUER I FOTO: ANITA SCHÄFFER stark bedrohte Arten illegal getötet werden und das Natur- schutzgesetz mit Füßen getreten wird. Wie dramatisch die Situation hinsichtlich Vergiftungen nach wie vor ist, wurde uns in der Woche vor Ostern wieder einmal deutlich, als im Landkreis Landshut ein aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem verbotenen Insektizid Carbofuran präpariertes Hüh- nerei gefunden wurde. Dazu hat uns Prof. Hermann Ammer, Leiter des Lehrstuhls für Veterinärpharma- kologie, Toxikologie und Pharmazie an der Ludwig-Maximilians-Universität München mitgeteilt: „Carbofuran ist für den Men- schen, insbesondere für Kinder, sowie für Haus- und Wildtiere ein hochwirksames Kontaktgift. Jede Berührung oder Aufnah - me kann eine lebensgefährliche Vergiftung hervorrufen.“ Ein durch Carbofuran lila eingefärbtes, präpariertes Ei, ausgelegt unmittelbar vor Ostern – nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn ein Kind dieses Ei gefunden hätte. Tat- sächlich ein Fall für die Polizei, der – vor allem auch durch den Druck des LBV in den vergangenen Jahren – sehr ernst genommen wird. Ich selbst habe drei Tage lang dem Be- rufungsverfahren illegaler Luchstötungen am Landgericht Regensburg beigewohnt. Und auch wenn es nicht gelun- gen ist, dem Verdächtigen eine Tat nachzuweisen, war es durchaus beeindruckend zu sehen, mit welcher Intensität und Professionalität Polizei und Staatsanwaltschaft in die- sem Fall gehandelt haben. Nein, die Tötung hochbedrohter Arten ist kein Kavaliersdelikt (mehr) – darauf kann sich jeder Täter einstellen! Artenvielfalt vor der eigenen Türe Gerade fällt mir auf, dass ich die vergangenen zehn Minuten nicht einmal an Corona gedacht habe. Im Moment schon fast ungewöhnlich. Wenn ich jetzt durch das Wohnzimmer- fenster – auch ich bin im Homeoffice – in unseren Garten schaue sehe ich, wie die Stare, so als wäre gar nichts, Halme sammeln und in ihren Nistkasten stopfen und sich Hänf- linge, Feldsperlinge und Amseln auf dem Boden an den Folgen Sie mir auf Twitter unter @N_Schaeffer Dr. Norbert Schäffer Naturvielfalt als wichtiges Stück Lebensqualität heruntergefallenen Resten unserer Futtersäule bedienen. Vögel das ganze Jahr über zu füttern ist völlig in Ordnung. Viel wichtiger ist mir im Moment aber die Freude, die mir die Natur unmittelbar vor unserer Haustüre gerade jetzt macht. Heute schätze ich mich glücklicher als je zuvor, dass wir zwar keinen Mähroboter besitzen und man in unserer Wiese nicht Golf spielen kann, dass sich dort aber jeden Tag des Jahres erstaunlich viel Leben abspielt. Wie trist wäre es, jetzt auf eine tagein, tag- aus und jahrein, jahraus gleichbleibende, leblose Steinschüttung blicken zu müssen. Auch wenn Zauneidechsen und unsere Feldsperlingskolonie (noch) nicht von allen Zeitgenossen gewürdigt werden, für mich ist diese Naturvielfalt ein wichtiges Stück Lebensqualität! Stunde der Gartenvögel Hierzu passt auch unsere Stunde der Gartenvögel , die am Wochenende vom 8. bis 10. Mai stattfindet. Vielleicht war dieses Mitmachprojekt noch nie so wichtig wie in diesem Jahr. Ich werde auf jeden Fall in den nächsten Tagen immer wieder dafür „trainieren“ – und freue mich darauf! Ich wünsche Ihnen, Ihren Angehörigen und Freunden von Herzen, dass Sie gesund bleiben und trotz Corona-Krise unseren wunderbaren Frühling genießen können!
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